Autor: |Veröffentlicht am 14. April 2020|Aktualisiert am 14. April 2020

Kongress-Organisation im Zeichen der Corona-Pandemie: 72. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie

Berlin, 14.04.2020. Die Kongressplanung in Zeiten einer Pandemie stellt die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) vor noch nie dagewesene Herausforderungen. Traditionell stellt die Jahrestagung der DGU die weltweit drittgrößte urologische Fachtagung mit rund 7000 internationalen Teilnehmern dar. Auf ihrer 72. Jahrestagung unter der Leitung des amtierenden DGU-Präsidenten Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler will die Fachgesellschaft vom 23. bis 26. September 2020 im Congress Center Leipzig (CCL) Aktuelles aus der Urologie diskutieren und setzt alles daran, dies zu realisieren. Neben der PSA-basierten Prostatakrebs-Früherkennung, der künstlichen Intelligenz, Robotik und der Klimamedizin geben die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Urologie einen weiteren Themenschwerpunkt vor.

„Zum jetzigen Zeitpunkt ist unklar, welche Rahmenbedingungen im September herrschen werden. Sicher ist, dass die DGU sich auf alle Szenarien einstellen wird, um den unerlässlichen Wissenschaftsaustausch sowie Fort- und Weiterbildung in ihrem Fachgebiet zu ermöglichen, denn andere Erkrankungen und die urologische Versorgung besonders unserer Krebspatienten verlieren nicht an Dringlichkeit“, sagt DGU- und Kongresspräsident Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler angesichts des nahezu weltweiten Lockdowns.

Unter dem Motto „Urologie 2020 – es ist Zeit“ sind für den 72. DGU-Kongress in Leipzig über 150 Einzelveranstaltungen geplant, in denen aktuelle Erkenntnisse aus allen Bereichen des Fachgebietes thematisiert werden. „Das Programm bildet Relevantes für Klinik, Praxis, Wissenschaft und Weiterbildung ab“, so der Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie an den SLK-Kliniken Heilbronn.

Da Urologinnen und Urologen rund ein Viertel aller Krebserkrankungen in Deutschland behandeln, bilden Tumore von Prostata, Harnblase und Nieren, von Hoden und Penis einen Schwerpunkt des Kongressprogramms. „Aktuell steht die Immun-Onkologie im Vordergrund, denn wir werden in naher Zukunft eine Revolution der medikamentösen Therapie von Harnblasenkarzinom und Nierenzellkarzinom erleben“, sagt Prof. Rassweiler. Die „individualisierte Therapie“ ist ein zentrales Thema, und selbstverständlich geht es auch in der Urologie um eine flächendeckend optimale Versorgung onkologischer Patienten, besonders mit Blick auf eine adäquate Diagnostik und Therapiefestlegung. Mit dem „Zweitmeinungsnetzwerk Hodentumoren“, der „Online Entscheidungshilfe Prostatakrebs“ und dem neuen „Netzwerk Hauptstadt Urologie“, das allen Patienten in Berlin und Brandenburg einen frühzeitigen Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden ermöglichen soll, gibt es in der Urologie, nach Worten des DGU-Präsidenten, bereits entsprechende innovative Leuchtturm-Projekte.

Mit Spannung wird zum 72. DGU-Kongress auch der Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zur Bewertung eines Prostatakrebs-Screenings mittels Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) erwartet. Prof. Rassweiler: „Nach unserer Kritik am negativen Vorbericht des IQWiG bringt sich die DGU in die laufenden Erörterungs- und Anhörungsverfahren des IQWIG und des G-BA ein, um dem PSA-Wert die Bedeutung zukommen zu lassen, die er als elementarer Baustein in der Diagnostik des Prostatakarzinoms zweifellos hat. Neues zur risikoadaptierten individuellen Früherkennung mittels PSA-Test wird in Leipzig unter anderem die PROBASE-Studie liefern.“

Zahlreiche geplante Foren zu Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und Telemedizin, aber auch zur Klimamedizin zeigen den 72. DGU-Kongress mottogemäß nah am Puls der Zeit. Robotische Chirurgie ist ebenfalls ein Aspekt von „Urologie 2020 - es ist Zeit“. „In diesem Jahr werden weitere Operationsroboter ihre CE-Zulassung erhalten, darunter auch ein in Deutschland entwickeltes System. Damit wird eine über zwanzig Jahre bestehende Monopolsituation beendet sein. Sicherlich hat sich der inzwischen etablierte Operationsroboter in vier Generationen weiter entwickeln könnenund stellt den Gold-Standard dar, aber der Markt auf dem Gebiet der robotischen Chirurgie ist damit eröffnet. Wenn möglich, werden wir natürlich die Chance nutzen, den Kongress-Besuchern einen Einblick in möglichst alle verfügbaren Systeme zu bieten“, sagt der DGU-Präsident. Dafür soll im CCL im Bereich der Industrieausstellung ein „Garden of Technology“ eingerichtet werden. Neueste robotische Op-Techniken sollen im Format von Semi-Live-Operationen präsentiert werden.

Berufspolitisch stehen die Hygienerichtlinien für die Zystoskopie und die Onkologie-Vereinbarung, die intersektorale Versorgung, aber auch das neue DGU-zertifizierte Weiterbildungscurriculum Urologie in Leipzig auf der Agenda.

In der Corona-Krise hat die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. frühzeitig Verantwortung übernommen und eine Priorisierungsliste urologischer Erkrankungen erstellt, die von ausländischen urologischen Fachgesellschaften übernommen wurde. Die DGU hat zudem appelliert, dass Patienten die eine dringliche urologische Versorgung bedürfen, diese auch bekommen sollen. „Bei einer relevanten Patientengruppe gilt es, eine mögliche gesundheitliche Entwicklung, die teilweise nicht mehr umkehrbar sein kann, abzuwenden“, sagt der Generalsekretär der DGU. „Und natürlich werden wir im Rahmen unseres 72. Kongresses aufarbeiten, welche Auswirkungen die Pandemie auf unsere Patienten in Klinik und Praxis genommen hat und welche Lehren es für unser Fach gibt. Es gelte, auch in Hinblick auf die noch engere Verzahnung von Praxis- und Klinikabläufen, Potentiale für die Versorgung von urologischen Patienten insbesondere zu Pandemiezeiten zu identifizieren und umzusetzen“, so Prof. Dr. Maurice Stephan Michel weiter. Derzeit begleitet die DGU ihre Mitglieder mit einer Reihe von Rundbriefen und einem speziell entwickelten DGU-Monitorsystem, aber auch Sondersendungen auf Uro-Tube und einer tagesaktuellen Sonderseite zur Pandemie auf dem Urologenportal durch die Krise.​

Die Planung für den 72. DGU-Kongress umfasst traditionell ein Patientenforum, das Leipziger Bürgerinnen und Bürger im Neuen Rathaus über urologische Früherkennung informieren soll, und auf dem Schüler- und Studententag soll der potenzielle Medizinernachwuchs die Möglichkeit erhalten, die Welt der Urologie kennenzulernen. Das gesamte Kongress-Programm soll spätestens ab Juli unter www.dgu-kongress.de abrufbar sein. Dazu gehört erstmals auch das Format eines Science Slams. „Mit Unterstützung des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg und des Innovationszentrums für Computerassistierte Chirurgie in Leipzig soll jungen Forschern Gelegenheit gegeben werden, ihr Projekt in humorvoller Weise vorzustellen“, erklärt Prof. Rassweiler. Ab September 2020 soll die Kongress-App mit Informationen zu allen Veranstaltungen heruntergeladen werden können.

In bewährter Weise sollen auf der DGU-Jahrestagung Ehrungen und wissenschaftliche Preise für besondere Leistungen in der Urologie vergeben werden, darunter auch der Medienpreis Urologie 2020.

Den begleitenden Pflegekongress sollen Vertreter dieser Berufsgruppen in Leipzig erstmals als DGU-Mitglieder besuchen können, nachdem sich die Deutsche Gesellschaft für Urologie 2019 mit einer Satzungsänderung für die urologischen Pflege- und Assistenzberufe geöffnet hatte.

Medienvertreter sind auf den geplanten Präsenz-Veranstaltungen des 72. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. herzlich willkommen; Pressetermine werden rechtzeitig auf www.dgu-kongress.de bekannt gegeben. Special guests sind zum Beispiel zur Kongresseröffnung eingeladen: „Mit Dr. Jürgen Schäfer, der 2013 das Zentrum für unerkannte und seltene Erkrankungen am Universitätsklinikum Marburg gründete, hoffen wir, den deutschen Dr. House in Leipzig begrüßen zu können, und auch Schauspieler Udo Schenk alias ‚Dr. Rolf Kaminsky’, seines Zeichens Urologe in der TV-Sachsenklinik, soll in Leipzig Visite halten, wenn die politischen Rahmenbedingungen es erlauben“, so DGU- und Kongresspräsident Prof. Dr. Dr. Rassweiler.

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