Autor: |Veröffentlicht am 26. Mai 2026|Aktualisiert am 26. Mai 2026

Aus- und Weiterbildung in Zeiten des Wandels (27. Mai 2026)

Nachwuchs, Strukturreform und Ambulantisierung beim Parlamentarischen Abend der DGU am 20. Mai 2026

Berlin. Beim Parlamentarischen Abend der DGU am 20. Mai 2026 ging es um Fragen, die viele urologische Kliniken und Praxen längst beschäftigen: Wie gewinnt man Nachwuchs für die Urologie und wie lässt sich Weiterbildung unter den Bedingungen von Krankenhausreform, Personalmangel und Ambulantisierung verlässlich organisieren?“

Unter der Schirmherrschaft von Matthias Hauer, MdB, kamen dazu unterschiedliche Perspektiven zusammen. DGU Generalsekretär Prof. Maximilian Burger sprach über Nachwuchsgewinnung und die Erwartungen junger Medizinstudierender. Prof. Rainer Petzina, Rektor der MSH Medical School Hamburg, stellte private Ausbildungswege als möglichen Baustein gegen den Ärztemangel vor. Dr. Elmar Mehring von der Bundesärztekammer zeigte, wie stark die Anforderungen an die Weiterbildung in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen sind. BvDU Präsident Dr. Axel Belusa zeigte, dass viele urologische Leistungen heute ambulant erbracht werden, die Weiterbildung diese Versorgungsrealität aber noch nicht ausreichend abbildet. DGU Präsidentin Prof. Susanne Krege und GeSRU Vorsitzender Dr. Nadim Moharam beschrieben schließlich sehr konkret, wie sich ökonomischer Druck, Strukturreformen und fehlende Verlässlichkeit inzwischen auf den Weiterbildungsalltag auswirken.

Nachwuchs gewinnen und Studierende früh erreichen

DGU Generalsekretär Prof. Maximilian Burger eröffnete den Abend mit einem Blick auf die Generationenfrage in der Medizin. Junge Ärztinnen und Ärzte bringen heute andere Erwartungen in Studium und Beruf mit als frühere Generationen. Digitalisierung, Pandemieerfahrung und gesellschaftliche Veränderungen hätten auch den Blick auf Arbeit verändert. Burger sprach über den Wunsch nach Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, flacheren Hierarchien, Feedback und Entwicklungsmöglichkeiten. Gleichzeitig warb er dafür, diese Unterschiede nicht vorschnell als mangelnde Leistungsbereitschaft zu bewerten.

Anhand typischer Ausbildungswege und Lebensläufe zeigte er, wie stark Medizinstudium und Nachwuchsgewinnung bereits vorselektieren. Die Urologie müsse deshalb früh sichtbar werden und Studierende aktiv ansprechen. Burger verwies dabei auf Formate wie studentische Veranstaltungen, persönliche Betreuung oder gemeinsame Aktivitäten außerhalb des Klinikalltags. Auch die DGU habe mit ihrer Imagekampagne bereits früh begonnen, ein moderneres Bild des Fachs zu vermitteln. Der gezeigte Imagefilm stellte die Vielfalt der Urologie und die Arbeit im Team in den Mittelpunkt.

In der Diskussion ging es dabei nicht nur um Studienplätze, sondern auch um Ausbildungsqualität, Teamkultur und die Frage, welche Persönlichkeiten künftig im Gesundheitssystem gebraucht werden.

Private Hochschulen als Ergänzung?

Prof. Rainer Petzina, Rektor der MSH Medical School Hamburg, stellte private Hochschulmodelle als möglichen Beitrag gegen den Ärztemangel vor. Die Hochschulen der IRO Group bilden inzwischen mehrere tausend Studierende in medizinischen und gesundheitsbezogenen Fächern aus. Das Medizinstudium dort ist nicht an einen klassischen Numerus Clausus gebunden. Finanziert wird es vollständig über Studiengebühren.

Petzina erläuterte das Auswahlverfahren der Hochschule. Neben einem naturwissenschaftlichen Eignungstest spielen vor allem persönliche Gespräche und die Motivation der Bewerberinnen und Bewerber eine zentrale Rolle. Ziel sei es, nicht nur fachlich gute Absolventinnen und Absolventen auszubilden, sondern „Health Professionals“, die Kommunikation, wissenschaftliches Arbeiten und interprofessionelle Zusammenarbeit selbstverständlich beherrschen.

Diskutiert wurden unter anderem Finanzierung, Studienorganisation und die Frage, welche Rolle private Hochschulen künftig bei der Nachwuchsgewinnung spielen können.

Weiterbildung zwischen Anspruch und Überregulierung

Mit Dr. Elmar Mehring von der Bundesärztekammer rückte danach die Weiterbildungsordnung selbst in den Fokus. Anhand historischer Beispiele zeigte er, wie stark Umfang und Komplexität der Musterweiterbildungsordnung zugenommen haben. Aus wenigen Seiten seien mehrere hundert geworden.

Mehring beschrieb die derzeitige Überarbeitung der Musterweiterbildungsordnung als Balanceakt zwischen Spezialisierung, regulatorischen Anforderungen und dem Wunsch nach Verschlankung. Der Deutsche Ärztetag habe 2024 ausdrücklich den Auftrag formuliert, die Ordnung zu vereinfachen.

Ein zentrales Thema war die Frage, wie Weiterbildung künftig organisiert werden soll. Viele jüngere Ärztinnen und Ärzte wünschten sich stärker strukturierte Curricula mit festen Rotationen und verlässlicher Planung. Mehring verwies in diesem Zusammenhang auch auf das elektronische Logbuch. Digitale Dokumentation könne künftig helfen, Weiterbildungsrealität, Rotationen und Ausbildungswege transparenter abzubilden.

Ambulante Weiterbildung braucht Struktur

BvDU Präsident Dr. Axel Belusa richtete den Blick auf die ambulante Versorgung und die Frage, wie Weiterbildung unter den Bedingungen zunehmender Ambulantisierung überhaupt noch funktionieren kann. Viele urologische Leistungen finden heute überwiegend außerhalb der Klinik statt. Damit verlagern sich auch wichtige Ausbildungsinhalte zunehmend in den ambulanten Bereich.

Belusa nannte als Beispiele medikamentöse Tumortherapien und spezialisierte ambulante Behandlungen, die in einer rein stationären Weiterbildung oft kaum noch ausreichend vermittelt werden könnten. Gleichzeitig steige der Versorgungsbedarf weiter, während Arztzeit knapper werde und sich Tätigkeiten immer stärker spezialisierten.

Als großes Problem beschrieb er die fehlende Verlässlichkeit der ambulanten Weiterbildungsförderung. Zwar gebe es grundsätzlich Förderinstrumente und funktionierende Modelle, in der Praxis seien Genehmigungen, Finanzierung und regionale Regelungen aber oft kompliziert und uneinheitlich. Das Weiterbildungscurriculum Urologie, WECU, sei inhaltlich ein wichtiger Schritt, strukturell brauche es aber langfristige Lösungen und eine bessere Finanzierung.

Belusa kritisierte zudem kurzfristige Sparmaßnahmen und fehlende Planungssicherheit. Weiterbildung lasse sich weder in Kliniken noch in Praxen dauerhaft organisieren, wenn finanzielle und strukturelle Voraussetzungen ständig neu verhandelt würden.

Klinikalltag zwischen Ausbildung und Ökonomie

DGU Präsidentin Prof. Susanne Krege schilderte die Situation aus Sicht einer Klinikdirektorin. Schon heute arbeiten viele urologische Kliniken personell am Limit. Gleichzeitig steigt die Zahl älterer Patientinnen und Patienten weiter an, während in den kommenden Jahren viele Fachärztinnen und Fachärzte der Boomer Generation aus dem Berufsleben ausscheiden werden.

Krege beschrieb den Spagat zwischen wirtschaftlichem Druck, Personalmangel und dem Anspruch, gute Weiterbildung anzubieten. Supervision im OP, strukturierte Rotationen und persönliche Begleitung benötigten Zeit und Personal. Gleichzeitig werde in den Kliniken vielerorts längst am Limit gearbeitet.

Dabei ging sie auch auf die Erwartungen jüngerer Ärztinnen und Ärzte ein. Vereinbarte Arbeitszeiten, Elternzeit oder Teilzeitmodelle seien selbstverständlich geworden und müssten berücksichtigt werden. Weiterbildung dürfe darunter aber nicht leiden. Gerade in schwierigen Zeiten müsse sie Priorität behalten.

Mehrfach betonte Krege, dass Weiterbildung sichtbarer gemacht werden müsse. Qualität werde in vielen Bereichen inzwischen dokumentiert und verglichen. Für die Ausbildung gelte das bislang deutlich weniger.

Was junge Urologinnen und Urologen erwarten

GeSRU Vorsitzender Dr. Nadim Moharam stellte aktuelle Ergebnisse der Weiterbildungsumfrage unter Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung vor. Die Zufriedenheit mit dem Fach Urologie sei insgesamt hoch, mit der konkreten Arbeitssituation dagegen deutlich geringer.

Moharam sprach über Arbeitsverdichtung, fehlende Supervision und den zunehmenden ökonomischen Druck im Klinikalltag. Viele Weiterbildungsinhalte seien zwar formal vorgesehen, würden im Alltag aber nicht zuverlässig umgesetzt. Besonders sichtbar werde das bei Rotationen und ambulanten Einsätzen.

Die Auswertung zeigte zugleich Unterschiede zwischen Kliniken mit und ohne WECU-Strukturen. Dort, wo Weiterbildung stärker organisiert sei, funktionierten Rotationen, ambulante Einsätze und operative Ausbildung deutlich besser.

Mit Blick auf die Krankenhausreform warnte Moharam davor, Weiterbildung nur als Nebeneffekt von Strukturreformen zu behandeln. Zentralisierung und Spezialisierung könnten medizinisch sinnvoll sein, veränderten aber zwangsläufig auch die Lernorte der Weiterbildung. Wenn Ausbildung dabei nicht aktiv mitgedacht werde, entstünden neue Probleme an anderer Stelle.

In der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um Teilzeitmodelle, Planbarkeit von Rotationen, die Finanzierung ambulanter Weiterbildung und die Rolle künstlicher Intelligenz im Klinikalltag. Einigkeit bestand darin, dass digitale Systeme und KI künftig helfen können, bürokratische Aufgaben zu reduzieren. Gleichzeitig wurde betont, dass Weiterbildung trotzdem aktiv organisiert und geschützt werden müsse.

Der Abend zeigte, wie stark Ambulantisierung, Strukturreformen und wirtschaftlicher Druck inzwischen die Weiterbildung prägen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass viele Lösungsansätze längst formuliert sind - von strukturierten Curricula über verlässliche Rotationen bis zu stärkerer ambulanter Weiterbildung.

Weitere Informationen:

DGU-Pressestelle
Franziska Gätcke
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