Autor: |Veröffentlicht am 19. September 2021|Aktualisiert am 23. September 2021

Starkes analoges Comeback in Stuttgart: DGU beendet weltweit größten Präsenzkongress für Urologie 2021

Berlin, Düsseldorf, Stuttgart, 19. September 2021. Während andere medizinische Großveranstaltungen noch im Netz verharren, kann die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) nach ihrem ersten physischen Kongress seit Beginn der Corona-Pandemie ein positives Fazit ziehen: Gut 4600 Teilnehmende aus dem In- und Ausland haben den 73. DGU-Kongress vom 15. bis 18. September 2021 vor Ort im Internationalen Congresscenter Stuttgart (ICS) besucht und die Gelegenheit zum persönlichen fachlichen Dialog genutzt. Ein Livestream aus dem wissenschaftlichen Programm des weltweit größten Präsenzkongresses für Urologie 2021 unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Arnulf Stenzl konnte virtuell verfolgt werden.

„Wir sind sehr froh, dass es uns gelungen ist, dem wissenschaftlichen Austausch in unserem Fach wieder den gewohnt konstruktiven und persönlichen Rahmen zu geben und haben mit dem Livestream das Beste aus zwei Welten zusammengeführt. Damit hat die DGU ein Veranstaltungsmodell der Zukunft umgesetzt, das den Anforderungen zeitgemäßer Medizinkongresse entspricht“, resümiert Kongress-Präsident Prof. Stenzl.  Der Ärztliche Direktor der Klinik für Urologie, Tübingen, hatte unter dem Kongressmotto „eUrologie“ sowohl die „Eurologie“ im Sinne der europäischen Zusammenarbeit in der Urologie, etwa bei der Erstellung europäischer Leitlinien, als auch die Digitalisierung im urologischen Alltag und mit der €urologie außerdem das Spannungsfeld zwischen Medizin und Ökonomie in den Fokus gestellt. Zum Kongress-Auftakt richtete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine Video-Botschaft an die Urologen.

Das wissenschaftliche Programm des 73. DGU-Kongresses bildete aktuelle Erkenntnisse aus allen Bereichen der Urologie ab: Updates zu allen urologischen Tumoren, zu uro-onkologischen Leitlinien, aktuelle Erkenntnisse zu personalisierten onkologischen Therapien und zu minimalinvasiven Therapien von Harnsteinen, der gutartigen Prostatavergrößerung und der Harninkontinenz gehörten dazu. Auch die Virologie mit dem Urologen als Impfarzt und dem Appell zur HPV-Impfung für Jungen, Antibiotikaresistenz in Europa und interdisziplinäre Leitlinien in der Kinderurologie standen auf der Agenda. Genetische Ursachen des unerfüllten Kinderwunsches beim Mann, Kryokonservierung von Spermien und Hodengewebe als Kassenleistung und männliche Infertilität als Spiegel der Gesundheit lauteten aktuelle Themen aus der Andrologie.
Nobelpreisträger Prof. Harald zur Hausen und der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg und EU-Kommissar Günter Oettinger zählten zu den prominenten Referenten vor Ort in Stuttgart.

Ebenfalls in prominenter Besetzung mit dem Präsidenten der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, diskutierten die Urologen in Stuttgart die fachärztliche Weiterbildung und forcierten die Implementierung des neuen DGU-zertifizierten transsektoralen Weiterbildungscurriculums Urologie (WECU), mit dem die Fachgesellschaft mehr gut ausgebildeten Fachärztinnen und -ärzte für Urologie generieren will. Das sei in der prosperierenden Urologie mit einem Plus von rund 20 Prozent beim Versorgungszuwachs eine zentrale Zukunftsaufgabe, so WECU-Initiator und DGU-Generalsekretär Prof. Dr. med. Maurice Stephan Michel.

Mit der „Arbeitsgemeinschaft sektorenübergreifende fachärztliche urologische Versorgung“ sowie der „Arbeitsgemeinschaft Urologinnen“ stellte der Generalsekretär auf dem Kongress zwei weitere Bausteine aus der „Zukunftsoffensive Urologie“ vor. Die „AG Urologinnen“ soll eine strukturelle Frauen-Förderung in der Urologie voranbringen und beging ihre Gründungsveranstaltung in Stuttgart.
Aus der DGU-Eröffnungs-Pressekonferenz kam eine klare Forderung an die Gesundheitspolitik: Angesichts der aktuellen Leitlinien-Empfehlung für das multiparametrische MRT zur verbesserten Prostatakrebs-Diagnostik müssten die Gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Patienten übernehmen, so DGU-Generalsekretär Michel.

Kongresspräsident Stenzl informierte die Presse über aktuelle DGU-Projekte zur patientenorientierten Telemedizin wie das erweiterte e-Konsil Urologie, das nach der Zweitmeinung von ausgewiesenen Experten für Hodentumore jetzt ebenfalls kostenfreie Telekonsile für das Peniskarzinom und das metastasierte Nierenzellkarzinom ermöglicht. Auch der Relaunch der „Entscheidungshilfe Prostatakrebs“, mit der sich bereits über 14.000 Patienten online auf ihr ärztliches Beratungsgespräch vorbereitet haben, stellt nach Prof. Stenzls Worten einen weiteren digitalen Schritt zur Verbesserung der uro-onkologischen Patientenversorgung dar.

Mit Blick auf die Männergesundheit richtete DGU-Pressesprecher Prof. Dr. med. Christian Wülfing einen dringenden Appell zur COVID-19-Impfung.
Begleitend fanden auf der DGU-Jahrestagung ein Pflegekongress für die urologischen Pflege- und Assistenzberufe sowie ein Studententag für den urologischen Nachwuchs von morgen statt.  Das DGU-Patientenforum informierte im Atrium SpOrt über die Prävention urologischer Erkrankungen und ist in Kürze für alle Interessierten online auf www.urologenportal.de abrufbar.

Mit der höchsten Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., der Maximilian Nitze-Medaille für besondere Verdienste für das Fach Urologie wurde in Stuttgart Prof. Dr. med. Urs Studer, Bern, geehrt. Prof. Dr. med. Derya Tilki, Hamburg, erhielt mit dem Maximilian Nitze-Preis die höchste wissenschaftliche Auszeichnung der Fachgesellschaft. Zum korrespondierten Mitglied ernannte die DGU Prof. Peter Black, Vancouver.
Mit der Vergabe des Medienpreises Urologie 2021 an den Autor und Filmemacher Marco Giacopuzzi für seine Langzeit-Dokumentation „Max – Leben mit der neuen Niere“, die im hr fernsehen ausgestrahlt wurde, hebt die DGU als Vertretung eines transplantierenden Fachgebiets auch die Bedeutung der Organspende hervor, denn die Corona-Pandemie hat die Zahl der Organtransplantationen weltweit gesenkt.

Historisch: Margit Fisch erste Präsidentin der Fachgesellschaft

Bereits bei der Vorstandswahl in der DGU-Mitgliederversammlung zu Kongress-Beginn am 15. September 2021 brach in der Urologie eine neue Ära an: Die bis dato 1. Vizepräsidentin Prof. Dr. med. Margit Fisch, Hamburg, rückte satzungsgemäß in das Amt der Präsidentin auf, das sie als erste Frau in der über 100-jährigen Geschichte der DGU bekleidet.

Bei den turnusgemäßen Neuwahlen wurde Prof. Dr. med. Jürgen Gschwend, München, als 2. DGU-Vizepräsident gewählt; Prof. Dr. med. Martin Kriegmair, München, rückte damit zum 1. Vizepräsidenten auf.

Schatzmeister Prof. Dr. med. Christian Bolenz, Ulm, wurde im Amt bestätigt,ebenso wie Prof. Dr. med. Daniela Schultz-Lampel, Villingen-Schwenningen,und Dr. med. Thomas Speck, Berlin, für das Vorstandsressort Wissenschaft und Praxis sowie Prof. Dr. med. Marc-Oliver Grimm, Jena, für das Ressort Fort- und Weiterbildung. Neu in den DGU-Vorstand gewählt wurde Prof. Dr. med. Axel Haferkamp, Mainz, für das Ressort Forschungsförderung.

Mit der traditionellen Amtsübergabe endete der 73. DGU-Kongress: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Arnulf Stenzl übergab die Präsidentschaft an die erste Frau an der Spitze der Fachgesellschaft. Prof. Dr. med. Margit Fisch, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, wird den 74. DGU-Kongress vom 21. bis 24. September 2022 im Congress Center Hamburg leiten.

Weitere Informationen:

DGU-Pressestelle
Bettina-Cathrin Wahlers
Sabine Martina Glimm
Tel.: 040 - 79140560
Mobil: 0170 - 4827287
E-Mail: redaktion@bettina-wahlers.de