Autor: |Veröffentlicht am 04. Oktober 2021|Aktualisiert am 04. Oktober 2021

Nachlese 73. DGU-Jahrestagung: Großes Wiedersehen auf dem Kongress der Superlative

Endlich wieder Kolleginnen und Kollegen treffen, wieder persönlich miteinander sprechen, endlich wieder in leibhaftige Gesichter schauen: Die Wiedersehensfreude im Internationalen Congresscenter Stuttgart (ICS) war allgegenwärtig und prägte die unvergleichlich positive Stimmung auf der 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) vom 15. bis 18. September 2021 in Baden-Württembergs Landeshauptstadt. Dass DGU-Präsident Prof. Dr. med. Dr. h.c. Arnulf Stenzl in jedem Moment seiner Amtszeit an einen Präsenz-Kongress geglaubt und den Mut aufgebracht hat, gemeinsam mit dem Kongress-Team das Wagnis einer physischen Großveranstaltung einzugehen und diese trotz aller organisatorischen Herausforderungen umgesetzt hat, brachte ihm nicht nur großen Respekt ein, sondern hat der DGU einen Kongress der Superlative beschert.

So firmiert der 73. Urologen-Kongress als erste Präsenzveranstaltung der Messe Stuttgart seit Beginn der Pandemie. Er gilt in diesem Jahr als größter physischer Medizin-Kongress Deutschlands und ist mit mehr als 4.600 registrierten Teilnehmenden aus dem In- und Ausland der weltweit größte Präsenz-Kongress für Urologie in 2021. Mehr geht nicht!


Weltweit größter Präsenz-Kongress für Urologie in 2021

Dank für das taffe Pandemie-Management der DGU-Spitzen kam in Stuttgart von vielen Podien nachdem Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler als erster Corona-Präsident einen geplanten Präsenzkongress erfolgreich in den virtuellen Raum verlegt hatte und Prof. Stenzl das Kunststück des analogen Comebacks gelungen war.

 

Mit seinem Kongressmotto „eUrologie“ hatte der Ärztliche Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Tübingen sowohl die „Eurologie“ im Sinne der europäischen Zusammenarbeit in der Urologie als auch die Digitalisierung im urologischen Alltag und mit der €urologie außerdem das Spannungsfeld zwischen Medizin und Ökonomie in den Fokus gestellt und symbolisch die Europaflagge über dem ICS gehisst.

Zum Kongress-Auftakt im DGU-Plenum „Zukunftsfach Urologie“ beschwor Prof. Stenzl mit der Kraft seiner Ämter als DGU-Präsident, als Adjunct Secretary Science der European Association of Urology (EAU) und Mitglied des Leitungsgremiums der European Cancer Organisation (ECO) den Geist einer europäischen Urologie. „Wir sollten den Geist einer europäischen Verständigung und eines gemeinsamen europäischen Strebens für das Wohl unserer urologischen Patienten und den Fortschritt bei der urologischen Behandlung ungeachtet sich verändernder Grenzen, Kulturen und Sprachen fortführen und weiter ausgestalten“, sagte der bekennende Europäer. Sichtlich bewegt begrüßte er „face to face“ mit dem Generalsekretär der Europäischen Gesellschaft für Urologie, Prof. Chris Chapple, einen ersten prominenten Gastredner, der aus europäischer Perspektive auf die deutsche Urologie blickte. Im Plenum folgten diverse Vorstandsvertreter mit eindrucksvollen Einblicken in die Arbeit ihrer Ressorts. Die gewünschte Wirkung blieb nicht aus: Die Fachpresse registrierte eine Werbeveranstaltung für die Urologie und ihre Fachgesellschaft!

Video-Botschaft von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Die nächste prominente Stimme nach Chris Chapple gehörte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der am Eröffnungsabend in einer Video-Botschaft der DGU dafür dankte, dass sie sich für die Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung bei Männern auch auf europäischer Ebene einsetzt und den Urologen gutes Gelingen für ihren Kongress wünschte. Bekanntermaßen tat sich mehr als das auf dem Kongress der Superlative, denn zu diesem Zeitpunkt hatte sich bereits Historisches auf der DGU-Mitgliederversammlung am 15. September 2021 vollzogen: Mit der Vorstandswahl im Internationalen Congresscenter Stuttgart rückte satzungsgemäß die bis dato 1. Vizepräsidentin Prof. Dr. med. Margit Fisch, Hamburg, als erste Frau in das Amt der Präsidentin auf. Begleitet wurde die neue Ära in der Urologie mit der Gründung der „Arbeitsgemeinschaft Urologinnen“, die eine strukturelle Frauen-Förderung in der Urologie voranbringen soll.

115 Jahre Deutsche Gesellschaft für Urologie

Tags drauf am 16. September jährte sich der Gründungstag der DGU. Phänomenal sei es, heute wieder an diesem Ort sein zu dürfen, wo genau an dem heutigen Tag vor 115 Jahren in Stuttgart die Deutsche Gesellschaft für Urologie gegründet wurde, freute sich DGU-Generalsekretär Prof. Dr. med. Maurice Stephan Michel im Plenum „Urologie digital“ und dankte Prof. Stenzl für die großartige Umsetzung des ersehnten Präsenz-Kongresses.

In seiner traditionellen Ansprache führte der Generalsekretär im Zeitraffer durch die aktuellen Leuchtturmprojekte der DGU: angefangen bei der inzwischen beliebtesten deutschsprachigen Online-Fortbildungsplattform Urotube und dem enormen Leitlinienprogramm der DGU, über das erweiterte eKonsil, Uro-Age Care aus dem Ressort Forschung, über die erstarkte Versorgungsforschung und die Gründung der AG „Assistenz und Pflegekompetenz in der Urologie“, über die zunehmenden Präsenz in den sozialen Medien durch die Pressestelle, www.fut-uro.de der Webseite zur Nachwuchsgewinnung, dem Podcast UROlogisch! sowie dem neuen Awareness-Film für Männer ab 50 und der kommenden Biermarke „Prost-tata!“, bis zur bevorstehenden Gründung der gGmbH, der „Urologischen Stiftung Gesundheit“ zur Patienteninformation. Gewirtschaftet habe die DGU in der Vergangenheit so gut, dass sie in Pandemie-Zeiten ihre Mitglieder nicht wie andere Fachgesellschaften um Spenden hätte bitten müssen. Seine Ausführungen beendete Prof. Michel mit dem Wunsch, jetzt 115 Jahre nach Gründung der DGU über alle urologischen Verbände hinweg vertrauensvoll zusammenzuarbeiten.

 

Live dabei: Bundesärztekammerpräsident Dr. Klaus Reinhardt

Zu den Vorzeigeprojekten im Zukunftsfach Urologie gehört auch das Weiterbildungscurriculum Urologie (WECU), das in Stuttgart, ebenfalls prominent besetzt, mit dem Bundesärztekammerpräsidenten diskutiert und von Dr. Klaus Reinhardt ausdrücklich als gewünschte sinnvolle fachbezogene Ergänzung bei der Facharztausbildung gutgeheißen wurde.

„Impf-Appell - Urologen warnen: COVID-19 schädigt auch den männlichen Genitalbereich“, „Auch Urologen werben für die Impfung“ und „DGU fordert Kostenübernahme für MRT bei Prostatakrebs“: Mit diesen Titeln verbreiteten die Ärzte Zeitung, der Ärztenachrichtendienst und Biermann Medizin die Botschaften von DGU-Pressesprecher Prof. Dr. med. Christian Wülfing und Generalsekretär Michel aus der Eröffnungs-Pressekonferenz des 73. DGU-Kongresses, die vor Ort und online besucht werden konnte. Insgesamt war das Interesse der Medien mit rund 98 akkreditierten VertreterInnen fast so groß wie vor der Pandemie.

Patientenforum mit TV-Star Udo Schenk

Eindeutig größer als zuletzt war das Interesse am diesjährigen Patientenforum. Der BILD Stuttgart sei an dieser Stelle Dank für einen weiteren Superlativ in ihrer Vorberichterstattung: Dort wurde unter der Schlagzeile „Sprechstunde für Männer mit Top-Urologen und TV-Star“ die „größte Privatsprechstunde, die es in Stuttgart je gegeben hat“, angekündigt. Und tatsächlich kamen zahlreiche BesucherInnen zum traditionellen DGU-Laienabend, was womöglich auch Deutschlands bekanntestem TV-Urologen, Dr. Rolf Kaminski aus der Sachsenklinik alias Schauspieler Udo Schenk, zu verdanken ist, der „seine Patienten“ im Stuttgarter Atrium SpOrt sehr authentisch über die Bedeutung der Prävention urologischer Erkrankungen informierte bevor die echten Experten der DGU übernahmen – allen voran der Stuttgarter Lokalmatador Prof. Dr. med. Ulrich Humke und der Vorsitzende der PatientenAkademie der DGU, Prof. Dr. med. Dr. phil. Johannes Huber. Anzuschauen ist das alles übrigens zu jeder Zeit für Jedermann im Video auf dem Urologenportal.

Minutenlanger Applaus für Nobelpreisträger zur Hausen

Für das laut „Flurfunk“ unangefochtene Highlight unter den Veranstaltungen der 73. DGU-Jahrestagung sorgte das dritte Plenum am Kongress-Freitag mit seinen erneut hochkarätigen Gastrednern. Auch hier kommen wir nicht ohne Superlativ aus, denn soweit bekannt, war es das erste Mal, dass ein Nobelpreisträger zu den UrologInnen sprach. Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Harald zur Hausen galten Hochachtung und minutenlanger Applaus nach einem beeindruckenden Vortrag zu seinen aktuellen Forschungen über die Verbindung ernährungsbedingter Infektionen und der Krebsentstehung. Danach könnte Rindfleisch- und Milchverzehr über chronische Entzündungen Jahrzehnte später zu Krebserkrankungen führen. Prostata-, Mamma- und Kolonkarzinome wären demzufolge Zoonosen.

Mitreißender Auftritt von Ex-Ministerpäsident Oettinger

Als nächster prominenter Hochkaräter des Forums begeisterte Günter Oettinger, ehemaliger Ministerpräsident von Baden-Württemberg und EU-Kommissar. Mitreißend, provokant und unterhaltsam blickte er auf die geopolitische Lage Deutschlands, forderte fehlende Handelsabkommen und mahnte eine zukunftsfähige Reform-Agenda 2030 etwa bei Forschung, Entwicklung und Infrastruktur an. Es sei fünf vor zwölf, Deutschland drohe wieder der kranke Mann Europas zu werden. Die UrologInnen forderte Oettinger als Teil einer Elite auf, neben ihrer fachlichen Verpflichtung, auch eine gesellschaftliche Verpflichtung beim notwendigen Reformprozess einzugehen. An persönlichen urologischen Kontakten schien ihm indes nicht gelegen: Vielmehr schloss Oettinger zur Erheiterung des Publikums mit den Worten „Hoffentlich brauche ich Sie noch lange nicht“. Unser Tipp: Plenum 3 unbedingt bei DGU-on-demand nachhören!

Präpandemische Stimmung auf der Industrieausstellung

Gelöste Stimmung herrschte im gesamten Internationalen Congresscenter Stuttgart, das vollends überzeugte: mit Großzügigkeit und dennoch kurzen Wegen, mit einem guten Hygienekonzept samt modernstem Raumluftsystem, das für OP-Saal-Qualität sorgte, sowie zuverlässiger 3-G-Kontrolle, die unter tausenden geimpften Besuchern am Kongress-Freitag gerade einmal 20 Getestete erfasste.

So gab es auch auf der Industrieausstellung viele strahlende Gesichter ob des Wiedersehens und der weitgehend wiedergewonnenen Normalität: In Halle 4, wo rund 160 nationale und internationale Aussteller neuste Entwicklungen aus der Pharmaindustrie und der Medizintechnik vorstellten, summte und brummte es wie in präpandemischen Zeiten.

Der Pflegekongress für die urologischen Pflege- und Assistenzberufe sowie der traditionelle Studententag für den urologischen Nachwuchs von morgen konnten in Stuttgart erfreulicherweise ebenfalls wieder stattfinden.

Ehrungen und Preise

Und natürlich wurden auf dem 73. DGU-Kongress Ehrungen und wissenschaftliche Preise vergeben. Mit der höchsten Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., der Maximilian Nitze-Medaille für besondere Verdienste für das Fach Urologie wurde in Stuttgart Prof. Dr. med. Urs Studer, Bern, geehrt. Prof. Dr. med. Derya Tilki, Hamburg, erhielt mit dem Maximilian Nitze-Preis die höchste wissenschaftliche Auszeichnung der Fachgesellschaft. Sie wurde für ihre Arbeit mit dem Titel: „Adjuvant Versus Early Salvage Radiation Therapy for Men at High Risk for Recurrence Following Radical Prostatectomy for Prostate Cancer and the Risk of Death“ ausgezeichnet.

Der Ritter von Frisch-Preis bringt die Chronisten dann bereits wieder zum nächsten Superlativ, denn diese Auszeichnung wurde erstmals an eine Frau vergeben. Die Ehre gilt Prof. Dr. med. Sabine Kliesch, Münster.

Der Medienpreises Urologie 2021 ging an den Autor und Filmemacher Marco Giacopuzzi für seine Langzeit-Dokumentation „Max – Leben mit der neuen Niere“, die im HR Fernsehen ausgestrahlt wurde. Damit hebt die DGU als Vertretung eines transplantierenden Fachgebiets auch die Bedeutung der Organspende hervor. Die Laudatio für den Preisträger stammt dankenswerterweise aus berufenem Munde von Jury-Mitglied und Medienprofi Dr. phil. Hajo Schumacher, ist absolut hörenswert und online abrufbar.

Apropos hörenswert: Original Kongress-Feeling bietet der Live-Podcast UROlogisch! aus Stuttgart, in dem DGU-Pressesprecher Prof. Christian Wülfing tolle O-Töne aus dem ICS eingefangen hat.  

DGU-Vorstandswahlen

Bei den turnusgemäßen Neuwahlen in der DGU-Mitgliederversammlung wurde Prof. Dr. med. Jürgen Gschwend, München, zum 2. DGU-Vizepräsident gewählt. Satzungsgemäß rückte damit Prof. Dr. med. Martin Kriegmair, München, zum 1. Vizepräsidenten und Prof. Dr. med. Margit Fisch zur ersten DGU-Präsidentin auf.

Schatzmeister Prof. Dr. med. Christian Bolenz, Ulm, wurde im Amt bestätigt,ebenso wie Prof. Dr. med. Daniela Schultz-Lampel, Villingen-Schwenningen,und Dr. med. Thomas Speck, Berlin, für das Vorstandsressort Wissenschaft und Praxis sowie Prof. Dr. med. Marc-Oliver Grimm, Jena, für das Ressort Fort- und Weiterbildung. In der Nachfolge von Prof. Dr. med. Maximilian Burger wurde Prof. Dr. med. Axel Haferkamp, Mainz, für das Ressort Forschungsförderung neu in den DGU-Vorstand gewählt.

Ära der Frauen in der Urologie

Dass die DGU auf ihrem 73. Kongress mit Prof. Margit Fisch ihre designierte Präsidentin ins Amt hob, der Berufsverband der Deutschen Urologen zudem Dr. med. Catrin Steiniger zur ersten Präsidentin seiner Verbandsgeschichte wählte und auch die GeSRU mit Carolin Siech erneut eine Vorsitzende wählte, lässt keinen Zweifel mehr zu: Die Urologie ist weiblich geworden! Sicher ist auch, dass der DGU-Kongress dank Prof. Stenzl in alter Stärke zurück ist, jede Menge Superlative und prominentes Renommee für sich verbuchen konnte und mit dem parallelen Livestream aus dem wissenschaftlichen Programm ein zeitgemäßes Veranstaltungskonzept gefunden hat. Bei dessen Umsetzung hat Veranstalter Interplan erneut Top-Form gezeigt und wie immer das Unmögliche möglich gemacht.

Im Abschlussplenum des 73. DGU-Kongresses am 18. September 2021 im ICS schlug, live von einem Saxophon begleitet, schließlich der historische Moment: Kongresspräsident Prof. Dr. Dr. Arnulf Stenzl übergab das Präsidentenamt offiziell an Prof. Dr. Margit Fisch. Damit übernahm Deutschlands erste Lehrstuhlinhaberin im Fach Urologie als erste Frau 115 Jahre nach der Gründung der DGU in der Amtsperiode 2021/2022 die Spitze der Fachgesellschaft. Die Direktorin der Klinik und Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf wird den 74. DGU-Kongress vom 21. bis 24. September 2022 im Congress Center Hamburg leiten und verbreitet mit einer virtuellen Einladung in die Hansestadt bereits jetzt Vorfreude auf den nächsten Präsenzkongress.

Text: DGU-Pressestelle
Fotos: Bertram Solcher, Hans-G. Unrau, Bettina-C. Wahlers

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Nach dem Kongress ist vor dem Kongress: Hier kommt die virtuelle Einladung nach Hamburg!