Autor: |Veröffentlicht am 05. Oktober 2020|Aktualisiert am 05. Oktober 2020

Kongressnachlese 2020: Die DGU kann auch digital - 72. Jahrestagung der Urologen schreibt Kongressgeschichte

Sind alle bereit? Fünf, vier... Es ist Donnerstag, der 24. September 2020, 09:15 Uhr und die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) eröffnet ihre erste virtuelle Jahrestagung vor laufenden Kameras im Congress Center Leipzig (CCL). Drei Tage lang sendet die Fachgesellschaft das wissenschaftliche Programm des 72. DGU-Kongresses als Best-of DGU 2020 unter der Leitung von DGU- und Kongresspräsident Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler aus dem Studio 1 im CCL live ins Internet. Die Referenten sind vor Ort während Urologinnen und Urologen überall im In- und Ausland den interaktiven Live-Stream am eigenen Bildschirm verfolgen. Mit gut 3.500 angemeldeten Teilnehmern, über 1.200 parallelen Zuschauern in den wissenschaftlichen Sitzungen, rund 2.000 Teilnehmern in den Industriesymposien sowie 90.000 Klicks auf virtuelle Kongressinhalte und 10.000 Besuchen in der virtuellen Industrieausstellung allein bis zum letzten Kongresstag ist schließlich der Beweis erbracht: Die DGU kann auch digital!

Den Quantensprung vom traditionellen Präsenzkongress zur digitalen Hybridveranstaltung, die den Kongress live und online zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern brachte, machte die DGU bekanntlich nicht ganz freiwillig. Vielmehr ist er der Corona-Pandemie geschuldet. „Im Juni war uns klar, dass eine Präsenzveranstaltung mit all ihren so geschätzten persönlichen Begegnungen nicht zu verantworten gewesen wäre“, so Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler. Aus seinem Kongressmotto „Urologie 2020 - Es ist Zeit“ wurde unversehens eine konkrete Herausforderung: Es war Zeit für die erste Online-Jahrestagung in der Kongressgeschichte der Fachgesellschaft. Und wer, wenn nicht dieser technikaffine und beeindruckend tatkräftige Präsident, hätte diese Aufgabe besser meistern können.

In nur wenigen Wochen und in einer gewaltigen Kraftanstrengung gelang dem Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie der SLK-Kliniken Heilbronn die Transformation des quasi fertig aufgestellten 72. DGU-Kongresses in das Best-of DGU 2020. Mit öffentlichem Dank für die großartige Unterstützung sparte Prof. Rassweiler nicht: Seine Annerkennung galt der Programmkommission, dem DGU-Kongress-Team, allen voran Andrea Chaya und Monika Fuss, Interplan, mit der nervenstarken Tanja Langmesser, und dessen Web-Partner, der eine überzeugende virtuelle Kongress-Plattform erstellt hatte.

Sie öffnete den Online-Besuchern, detailreich dargestellt, viele Türen aus dem virtuellen Foyer am Bildschirm – zum Webcast der Live-Sessions, den Symposien, zu On-Demand-Angeboten und dem Pflegekongress, zu einer Industrieausstellung in sechs Hallen, zum DGU-Stand, zur Historischen Ausstellung der Fachgesellschaft und erlaubte nicht zuletzt das Netzwerken der eingeloggten Urologinnen und Urologen.

Das wissenschaftliche Programm des Best-of DGU 2020 machte seinem Namen Ehre und reihte Highlights aus den Kernbereichen der Urologie aneinander: in Zahlen zwölf Foren und 13 Satelliten-Symposien im Live-Angebot sowie jederzeit abrufbar 42 Vortragssitzungen, Filmsitzungen, Studienposter und einen Pflegekongress im Online-Bereich.

So aufgestellt, waren die Protagonisten der DGU in Leipzig bereit, live und online auf Sendung zu gehen. Dass ein Hackerangriff auf die Betreiberfirma des Servers der Kongress-Plattform für Startschwierigkeiten sorgte und die Online-Teilnehmer mit Verspätung in das Eröffnungsforum gelangten, gehört zweifellos zum nervenzehrenden „Auf und Ab des Corona-Präsidenten“, das Prof. Rassweiler dem ungewohnt kleinen und auf Abstand getrimmten Plenum nahebrachte. „Das hätte jetzt nicht auch noch sein müssen“, war im O-Ton in Studio 1 zu vernehmen.

Hybride Online-Premiere trotzt Corona- und Computer-Virus

Vom Computer-Virus unbeirrt, zollte DGU-Generalsekretär Prof. Dr. Maurice Stephan Michel dem Präsidenten Respekt und größten Dank der Fachgesellschaft. Er blickte in seinem Bericht auf ein besonderes Jahr zurück, in dem corona-bedingt Projekte wie der DGU-Monitor und die international viel beachtete und adaptierte Priorisierungsliste der DGU entstanden sind, und in dem die schwierige Patientenversorgung in einem bemerkenswerten Schulterschluss zwischen Klinik und Praxis gemeistert worden sei. Prof. Michel berichtete von zahlreichen neu veröffentlichten Leitlinien und neuen Leitlinienprojekten sowie über das Engagement der Fachgesellschaft im Rahmen des G-BA Verfahrens zum PSA-Screening mit diversen Anhörungen, Positionspapieren, Stellungnahmen und einer Patienteninformation. Mit Blick auf die im November dieses Jahres anstehende Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) über die Erstattungsfähigkeit des PSA-Tests in der Gesetzlichen Krankenversicherung zeigte sich der Generalssekretär vorsichtig optimistisch. Dank des großen Wissenszuwachses um den PSA-Wert als Baustein der modernen risikoadaptierten Prostatakarzinomfrüherkennung und des unermüdlichen DGU-Einsatzes für die Sache,  stünden die Chancen gut für eine ausgewogene Bewertung des PSA-Tests zum Wohle der gut informierten und an einer Früherkennung interessierten Patienten.

Anhaltender Mitgliederzuwachs auf inzwischen rund 7000 Urologinnen und Urologen, Erfolge bei der Onkologie-Vereinbarung, mehr Facharztausbildungen, mehr Frauen in der Urologie und mehr angestellte Urologen in den Praxen, der Erfolg von UroTube, das Relaunch des Urologischen Studienregisters, der DGU-Image-Film, der nun mit englischer Tonspur von der EAU in Lizenz verbreitet wird, nicht zu vergessen die neue Webseite www.fut-uro.de, die von Pressesprecher Prof. Dr. Christian Wülfing und der AG Junge Urologen an den Start gebracht wurde und Studierende für die Urologie begeistern soll: Prof. Michel hatte eine Fülle guter Nachrichten und mit dem neuen Musterweiterbildungs-Curriculum der DGU schließlich noch ein ganz besonderes Bonbon im Gepäck.

Das neuartige zertifizierte Weiterbildungs-Curriculum, mit dem die DGU als erste unter den Fachgesellschaften die neue Musterweiterbildungsordnung umsetzt, hat eine bundesweit homogenere, progressivere und transparentere Weiterbildung zum Ziel und bildet die deutliche Verlagerung einiger Weiterbildungsinhalte in den ambulanten Bereich ab. Damit werde eine Struktur für eine gute Weiterbildung angeboten, deren Implementierung natürlich Veränderungswillen und Flexibilität bei allen Beteiligten voraussetze.

Als eine wesentliche und sehr geglückte Strukturveränderung bezeichnete der DGU-Generalsekretär die Besetzung der Position eines medizinischen Geschäftsführers mit Dr. Holger Borchers neben dem langjährigen administrativen Geschäftsführer Frank Petersilie.

Ob all dieser jüngsten Entwicklungen legte sich Prof. Michel auf eine steile Prognose für die Urologie 2030 fest: Er sieht die Attraktivität des Faches beim Nachwuchs steigen, einen Zuwachs der Arztgruppe um 20 Prozent, eine nachhaltig verbesserte Ausbildung und Uro-Tube als größte deutschsprachige urologische Video- und Webinarplattform. Seine Vorhersage prognostiziert 9000 DGU-Mitglieder, eine noch partnerschaftlichere ambulante und stationäre Urologie, die Breite und Tiefe des Faches ausfüllt, immer bessere Forschungsförderungsstrukturen und vertrauensvoll zusammenarbeitende urologische Verbände.

Dem Grußwort von BvDU-Präsident Dr. Axel Schröder folgte – schon wieder etwas Neues – die offizielle „Kongress-Eröffnung mit Gong“, die dank Prof. Rassweiler fortan in der DGU Tradition werden soll und vom Generalsekretär, inzwischen vor Live-Publikum, vollzogen wurde.

Mit den TV-Formaten „Dr. House“ und der deutschen Arzt-Serie „In aller Freundschaft“ brachte Prof. Rassweiler die Rolle der Medien in der Medizin und damit ein besonderes Anliegen seiner Präsidentschaft in das Eröffnungsplenum. Anstelle  des erkrankten deutschen Dr. House, Prof. Dr.  Jürgen R. Schäfer, der 2013 das Zentrum für unerkannte und seltene Erkrankungen am Universitätsklinikum Marburg gründete,  berichtete, dessen Stellvertreter, PD Dr. Andreas Jerrentrupp, über den nachhaltigen Erfolg der „Dr. House Vorlesung“ in der medizinischen Ausbildung und dem Wert valider Information, die gute Unterhaltung der Bevölkerung vermitteln könne. Gemeinsam mit den Schauspielern Bernhard Bettermann und Udo Schenk zeigte Prof. Rassweiler wie professionell die Ärzte der Sachsenklink quotenstarke Aufklärung rund um Blase, Niere und Prostata leisten – von der Prostatavergrößerung bis zur Bilharziose.

Mit den ersten wissenschaftlichen Foren zum Prostata-Screening und der Crossfire-Session zu operativen Techniken nahm der Webcast Fahrt auf und steigerte sich zu digitaler Höchstform: In den Live-Sessions waren durchgängig über 1200 Online-Besucher anwesend, im Chat wurde lebendig debattiert, und immer bessere Klickzahlen im virtuellen Angebot machten die Runde. Teils mehrfach täglich sorgten Interplan und DGU für die wichtige Ansprache der Kongress-Teilnehmer per Newsletter. Die Fachpresse lobte den Hybrid-Kongress mit seiner komprimierten Information und guter Orientierung in der digitalen Kongresswelt bereits an Tag 1, äußerte Bedauern, würde dieser Ansatz nicht erhalten bleiben und befand schließlich: Das Konzept ging auf, der notwendige fachliche Austausch kam zustande.

Aufbruchstimmung im Congress Center Leipzig

Vor Ort herrschte längst Aufbruchstimmung. Während leere Congress-Hallen, Maskierte, die sich erst auf den zweiten Blick erkannten und ungewohnte Stille, wo üblicherweise ein DGU-Präsenz-Kongress brummt, anfangs noch zu denken gaben, hatte das positive Feedback Begeisterung Platz gemacht. „Ich freue mich sehr, dass sich Urologinnen und Urologen in so großer Zahl gegenüber dem neuen digitalen Format aufgeschlossen gezeigt und aktiv an unserem Konzept teilgenommen haben“, sagte Präsident Rassweiler.

Nach der Devise alles bleibt anders hat auch die DGU-Pressestelle gemeinsam mit Pressesprecher Prof. Dr. Christian Wülfing die Chancen des Hybrid-Formats wahrgenommen und das Best-Of DGU 2020 mit einem neuen Medienkanal begleitet und unter #dgu20 in den sozialen Medien und auf dem Urologenportal laufend aus dem CCL berichtet. Alle Experten-Interviews zu den Kongress-Highlights, Video-Botschaften und Info-Clips finden sich auf der Webseite der DGU. Einen digitalen Vorteil generierte auch die erste von Prof. Wülfing moderierte Online-Pressekonferenz der Fachgesellschaft, mit der die DGU mehr als 100 Teilnehmer erreichte, und - trotz technischer Luft nach oben - vielfachen Dank für das neue Angebote erfuhr.

Weil die DGU auch in digitalen Zeiten an ihre Patientinnen und Patienten denkt, haben der Vorsitzende der PatientenAkademie, Prof. Dr. Dr. Johannes Huber, und DGU-Pressesprecher Wülfing das erste digitale Patientenforum mit Experten der Fachgesellschaft im CCL aufgezeichnet, das nun allen Interessierten online zur Verfügung steht. 

Nicht zuletzt hat die Pressestelle die Gelegenheit genutzt, die DGU-Vorstandsmitglieder vor die Kamera zu bitten und ihr Ressort vorzustellen. Auch diese Videos sind auf www.urologenportal.de anzuschauen, das sich nun persönlicher denn je präsentiert.

Preise und Ehrungen wurden auf dem 72. DGU-Kongress sowohl vor Ort als auch per Video-Einspieler verliehen. Mit der höchsten Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., der Maximilian Nitze-Medaille für besondere Verdienste für das Fach Urologie wurde in Leipzig der international renommierte Experte für Nierentransplantation Prof. Dr. med. Paolo Fornara, Halle, geehrt. Prof. Dr. med. Daniel Nettersheim, Düsseldorf, erhielt mit dem Maximilian Nitze-Preis die höchste wissenschaftliche Auszeichnung der Fachgesellschaft für seine experimentellen Arbeiten zum Einsatz von innovativen CDK-Inhibitoren bei der Therapie von Hodentumorzellen, die gegen eine Behandlung mit einer konventionellen Chemotherapie bereits resistent geworden sind.

Zum siebten Mal in Folge vergeben wurde der Medienpreis Urologie: Für besonders hörenswert befand die Jury 2020 die Podcast-Folge „Penis-Gesundheit und Beschneidung“ der „Kanackischen Welle“ vom 14. Juli 2020 an, in der Malcolm Ohanwe und Marcel Aburakia ein sensibles Thema in einem außergewöhnlich offenem Format beleuchten. Die Preisvergabe in Corona-Zeiten geriet zur Herausforderung für DGU-Pressesprecher Prof. Wülfing: ein Preisträger vor Ort, der andere aus Israel und Promi-Juror Hajo Schumacher aus Berlin zugeschaltet. Das Ergebnis? Ist natürlich sehenswert und ebenfalls auf dem Urologenportal anzuklicken.

Der Preis des DGU-Präsidenten ging an den Schauspieler Udo Schenk, der in seiner Rolle als TV-Urologe „Dr. Rolf Kaminski“ in der Serie „In aller Freundschaft“ Information und Aufklärung über urologische Erkrankungen einem breiten Publikum nahe bringt. „Es ist mir ein großes Anliegen, die Präsenz der Urologie in den Medien zu stärken und die wie im Falle der Sachsenklinik professionelle Darstellung unseres Fachgebietes herauszuheben, mit der wir Millionen von Menschen erreichen“, sagte Prof. Dr. Dr. Rassweiler bei der Preisverleihung von Angesicht zu Angesicht.

Präsenz war auch auf der DGU-Mitgliederversammlung am 24. September 2020 im Congress Center Leipzig angezeigt. Dort wurde bei den turnusgemäßen Neuwahlen Prof. Dr. Martin Kriegmair, Co-Leiter der Urologischen Klinik München-Planegg, zum 2. Vizepräsidenten gewählt. Damit rückten Prof. Dr. Margit Fisch, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zur 1. Vizepräsidentin und Prof. Dr. med. Dr. h.c. Arnulf Stenzl, Direktor der Urologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Tübingen, in das Amt des DGU-Präsidenten auf.

Prof. Dr. med. Christian Wülfing, Hamburg, wurde in Leipzig für eine weitere Amtszeit als Schriftführer gewählt, ebenfalls wiedergewählt wurde Prof. Dr. med. Susanne Krege,Essen,für das Vorstandsressort Leitlinien- und Qualitätssicherung.

Mit Zukunftsthemen wie KI, virtueller Realität in der Medizin und intraoperativer Medizintechnik trotzte die Live-Übertragung des Abschluss-Plenums schließlich dem zweiten Spieltag in der Bundesliga. Amtskette und Pokal wanderten traditionsgemäß weiter, und Prof. Stenzl beendete am 26. September 2020 als neuer DGU-Präsident mit dem Gongschlag den ersten Online-Kongress der DGU, der das Attribut historisch tatsächlich verdient hat. Er bescheinigte Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler in der über 100-jährigen Historie des DGU-Kongresses Geschichte geschrieben zu haben und zeigte sich fest entschlossen, den größten deutschsprachigen Urologen-Kongress 2021 in Stuttgart face to face auszurichten. Beim 73. DGU-Kongress unter dem Motto „eurologie“ vom 15. bis 18. September 2021 wird die europäische Integration der deutschen Urologie im Mittelpunkt stehen. Gerade angesichts der Pandemie gelte es, medizinisch in Europa zusammenzurücken.

Mit dem Ende des virtuellen Best-of DGU 2020 live aus Leipzig war das neue Kapitel in der Geschichte der Deutschen Urologie, das die Fachgesellschaft so erfolgreich unter ihrem „Corona-Präsidenten“ aufgeschlagen hatte, indes noch nicht gelesen: Im Post-Best-of DGU 2020 warteten im Laufe des Oktobers noch zehn weitere Webinare, die das wissenschaftliche Programm des 72. DGU-Kongresses komplettierten. Allen, die das Best-of DGU 2020 noch einmal erleben möchten, steht die virtuelle Kongresswelt bis Ende des Jahres offen. Das Motto 2020 wird darüber hinaus in der DGU Bestand haben: Es ist Zeit für mehr Digitales!

Text: DGU-Pressestelle

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