Die DGU-Kolumne 01/2021

Autor: |Veröffentlicht am 20. Februar 2021|Aktualisiert am 20. Februar 2021

Virus und Mensch – wer ist Herr, wer ist Hund?

20.01.2021. „Die Erde hat uns auf’s Zimmer geschickt, damit wir darüber nachdenken, was wir mit ihr anstellen.“  (Unbekannter Verfasser) Spirituelle Verblendung? Sozialromantische Spinnerei?

Wer in die biologischen Regeln der Evolution eintaucht, findet viel Evidenz für die Validität dieser These. Praktisch alle vermeintlichen „Katastrophen“ der Erdgeschichte lassen sich auf biologisch sinnhafte Grundlagen zurückführen. Geobiophysikalische Veränderungen wie die Entstehung der Kontinentalplatten, Vulkane, Eiszeiten, Meteoriteneinschläge, Hitzewellen, Dürrezeiten, Flutwellen, Insekten“plagen“, Hunger- und Durstperioden mit der Folge der Völkerwanderungen und auch die jahrtausendealten zyklischen Pandemien wie Pest, Cholera, Typhus, Spanische Grippe und Pocken  mit Todeszahlen bis zu 500 Millionen Menschen belegen die Selbstregulationskraft des sensiblen Ökosystems Erde.

Erst durch den massiven Eingriff der Menschen geriet diese Balance in Schieflage – zunehmende Zerstörung der Atmosphäre, Ausbeutung der Rohstoffe, Nuklearunfälle, Ausrottung von Pflanzen und Tieren wie auch gegenseitige Tötungen zum Zweck der endlosen Triebbefriedigung dieser Sackgasse der Schöpfung bringen unsere Welt an ihre Grenzen. Gier macht fragil und ängstlich.

Wenn ich den Blick wende, bleibt die Natur völlig unbeeindruckt: beim Spaziergang über die fast menschenleere Insel begegne ich den friedlich-zufrieden wiederkäuenden Galloways ebenso wie Tausenden auf ihrer jahresrhythmischen Wanderung rastender Wildgänse und Seevögel – das Meer bewegt sich zwischen Flaute und Sturm, unabhängig von Viruslasten, Inzidenz und Reproduktionszahlen. Von diesem Erlebnis werde ich tief beeindruckt und lerne, meinen Kompass neu auszurichten – in der Hoffnung, dass viele diese Chance ebenso nutzen. Wir brauchen die Erde, nicht umgekehrt.
Das Virus entlarvt die hilflos-hirnlose Agitation unserer politischen Leitung ebenso wie deren deutsch-französische Träume eines zusammengekauften, „geeinten“ Europas, in dem jeder sich selbst der Nächste ist, wenn es um Impfstoff geht, jedoch gerne Geld nimmt von den Reichen.
Der Balkon-Applaus an unsere Pflegekräfte als „Held*innen des Alltags“ ist verklungen, ohne dass sich irgendjemand des Versprechens erinnert, dieses Engagement irgendwie finanziell anzuerkennen. Inzwischen dürfen Schwestern und Ärzt*innen in 12-Stunden-Schichten arbeiten – gleichgültig, ob sie infiziert, krank oder völlig überlastet sind. Bravo für die gesellschaftliche Solidarität!

Und wir? Urologische Kliniken haben Eingriffe verschoben, Praxen haben ihren Beitrag ebenfalls durch Drosselung ihrer Routineversorgung geleistet – natürlich ohne jeden Anspruch auf Teilhabe an der Bazooka von Olaf Scholz, weil Ärzt*innen wegen ihres natürlichen Reichtums das ja grundsätzlich nicht brauchen.

Statt die Impfung paramilitärisch wie die zivile Gefahrenabwehr eines Strahlenunfalls oder Bürgerkrieges in Cowboymanier in Zelten und Blaulichtmobilen zu planen, überlassen wir doch das Impfen allen rund 400.000 approbierten Ärzt*innen in beheizten Kliniken und Praxen, die sämtlich impfen dürfen, über eingespielte Abläufe verfügen und die Risikoprofile ihrer Patienten kennen. Bei 80 Millionen Menschen müsste jeder nur 2 x 200 Menschen impfen – das sollte in acht Wochen komfortabel erledigt sein, sobald der Impfstoff da ist. Panik ist nicht angesagt.
Parallel dazu empfehle ich, über ein absolut unbestreitbares, mit höchster Evidenz versehenes Zitat meines „Lieblings-Virologen“ Christian Drosten nachzudenken:
„Das Virus überlebt nur durch Kontakt zwischen Menschen. Wenn Alle sich für drei Wochen so verhalten würden, als seien sie infiziert, wäre die Pandemie vorbei.“
Meine Ergänzung: jede davon nachgebende Abweichung verlängert die Einschränkungen für Alle und kostet Leben. Das gilt es, abzuwägen und zur Leitkultur des Handelns zu erheben.

Und das Menschliche? Dazu zitiere ich den Dramatiker und Strafrechtler Ferdinand von Schirach: „Alles ist jetzt möglich, das Strahlende und das Schreckliche. Nichts stimmt mehr. Das, was wir für den sicheren Grund hielten, ist weggebrochen."

Beides exponiert sich gerade überdeutlich – ich wünsche uns innig, dass das Strahlende sich durchsetzt.

Sollten Sie die Frage aus dem Titel noch nicht beantworten können, nehmen Sie Thomas Mann’s bezaubernde Novelle „Herr und Hund“ zur Hand – nur 96 Seiten…

Wählen Sie – bitte - weise!

Herzlich

Ihr

Wolfgang Bühmann