Die Uro-Kolumne 06/2021

Autor: |Veröffentlicht am 20. Juli 2021|Aktualisiert am 20. Juli 2021

Müssen Urologen mehr als ein Glied haben – ja und nein

20.06.2021. Nein, nein, nein, unsere weiblichen Leser sind keineswegs benachteiligt bei der Klärung der Frage nach der Gliedanzahl eines Urologen, höchstens weil ich sie jetzt nicht „Urologinnen“ genannt habe. Da ich hinsichtlich der deutschen Sprache ein unbelehrbarer bockiger alter weißer Mann bin, werden Sie bei mir, liebe Leser, weder heute noch in Zukunft, die vom Genderwahn vergewaltigte „neue deutsche Sprache“ lesen – lieber höre ich auf zu schreiben. Doch zurück zum Thema, wieviel Glieder braucht denn nun der Urologe? Ihnen war sicher schon klar, dass es um Mit-Gliedschaften geht, oder nicht?
Sie kennen das alle, mit dem Eintritt in den Klinikdienst unterschreiben Sie auf imperative Empfehlung des Chefs den Aufnahmeantrag für die DGU und schon sind Sie Mitglied im elitären Verein der Urologie, bekommen Ihre Fachzeitschrift monatlich ins Haus und der Beitrag für den Jahreskongress wird auch noch viel günstiger. Der junge Stationsarzt im 3. Jahr nimmt Sie dann spätestens nach 14 Tagen beim Kaffee beiseite und erzählt Ihnen wie toll doch die Youngster-Organisation der Urologen, die GeSRU für Ihre jungen hippen Mitglieder sorgt und schon sind Sie Mitglied in dem zweiten urologischen Interessenverein. Jahre später, wenn der Weg Sie in die Niederlassung führen sollte, fällt Ihnen der Berufsverband auf, der sich, so erzählt man sich immer wieder „nur“ um die Niedergelassenen kümmert – also werden Sie auch hier Mitglied, auch wenn der Preis dafür mit einem Euro pro Tag ganz schön happig ist. Dann noch schnell in der regionalen Fachgesellschaft Mitglied werden, das geht für kleinen Preis und ein wenig Lokalkolorit und regionales Socialising auf den betreffenden Kongressen fördert die gute Nachbarschaft. Schlussendlich kommt der wissenschaftlich orientierte Kliniker oder Ordinarius nicht an den obligaten Mitgliedschaften bei der EAU und AUA vorbei.
Kommen wir zurück zu den großen drei: DGU, GeSRU und BvDU. Ich hätte zu meiner Assistentenzeit viel dafür gegeben, wenn es damals schon eine GeSRU gegeben hätte. Die Jungendjahre in der Urologie in einer jungen Organisation – alles fein, das kann, ja das muss so bleiben. Aber jetzt mal allen Ernstes, wofür brauchen wir eigentlich BvDU und DGU als parallele Vereine urologischer Interessenvertretung? Die DGU vertritt Forschung, Lehre und Fort- bzw. Weiterbildung, der BvDU hingegen die beruflichen und berufspolitischen Interessen aller Urologen – so steht es in den Satzungen geschrieben. Passt das heute aber noch, in einer Zeit aufweichender Sektorengrenzen, gemeinsamer Tumorboards, einer sektorenübergreifenden ASV, einer Weiterbildung, die sowohl in Klinik und Praxis absolviert werden soll? Ist diese Trennung also nicht schon längst aus der Zeit gefallen? Die letzten Jahre haben mehr als deutlich gezeigt, dass die DGU auch Berufspolitik und der BvDU auch Fortbildung kann. Die KBV spricht mit der DGU und die Ärztekammern mit dem Berufsverband. Ist der in nicht wenigen Köpfen existierende Beton, dass die DGU allein für die Kliniker und der BvDU ausschließlich für die Niedergelassenen zuständig wäre, nicht schon durch die tägliche Realität porös und einsturzgefährdet? Allein schon die permanente Mühe einem Außenstehenden den Unterschied der Vereine zu erklären, mithin haben auch danach die wenigsten die eklatanten Unterschiede beider Vereine verinnerlicht, wäre es wert, die eingesparte Lebenszeit für die gemeinsamen Interessen von uns zu investieren.
Nachdem also nun geklärt ist, dass Gemeinsames und Verbindendes überwiegt, ist es nur noch ein kleiner Schritt, die Interessen der Urologie auf dem nächsten Level zu vertreten. Hierzu bedarf es aber durchaus menschlicher Größe, indem man auf beiden Seiten nicht nur dialogbereit ist, sondern auch Animositäten und Nickligkeiten, aber auch Befindlichkeiten und Profilneurosen über Bord wirft und endlich das (wieder) zusammenführt, was zusammengehört. Die Interessen des Faches in all Ihren Facetten unter einem Dach zu vertreten, mit einer Sprache zu sprechen und eine Vertretung für alle Urologen zu sein. Klingt gut? Ist gut! Ein Fach braucht einen Verein, ohne Egoismen und Egomanen und nicht mehr. Packen wir es an, am besten auf einem Schiff, welches erst anlegt, wenn der Job erledigt ist. See- und trinkfest sind wir Urologen allemal.
Das musste mal gesagt werden.

Herzlichst Ihr

Holger Uhthoff