DGU-Kolumne

Die DGU-Kolumne

Schwarz-weiß trifft es selten, in der Regel braucht es eine differenzierte Meinung, gerne auch eine Prise Humor und manchmal muss der Daumen in die Wunde – auch in der Urologie. Deshalb spitzt Dr. Wolfgang Bühmann in der „DGU-Uro-Kolumne“ den Stift und nimmt in dieser Rubrik des Urologenportals regelmäßig aktuelle Themen ins Visier.

Kontakt zum Autor

Dr. med. Wolfgang Bühmann
Facharzt für Urologie - Andrologie
Med.Tumortherapie - Qualitätsmanagement

Terpstig 55, 25980 Sylt OT Morsum
Tel.: 04651-8364818, Fax 04651-8364836
 E-Mail: post(at)urologie-sylt.de

Autor: |Veröffentlicht am 20. Juni 2019|Aktualisiert am 20. April 2021

Das Trommeln des Königs – Urologie und Silberrücken

20.04.2021. In den Dschungel rufen kann jeder. Männliche Berggorillas in ihrer kongolesischen Heimat machen daher noch auf andere Art und Weise auf sich aufmerksam: Ein- oder zweimal am Tag richten sie sich auf und schlagen sich für ein paar Sekunden wiederholt auf die Brust. Dieses Trommeln kann man oft noch in einem Kilometer Entfernung hören – eine klare Ansage, wer im Busch das Sagen hat.

Biologen vermuten, dass erwachsene Tiere damit Rangkämpfe ausfechten und letztlich Weibchen beeindrucken wollen. Jedenfalls trommeln Silberrücken während der Brunftzeit und in Anwesenheit unbekannter Gorillafrauen besonders häufig. Verhaltensmuster, die der Einschüchterung dienen, umfassen neben lautem Gebrüll auch das Laufen auf zwei Beinen, das Schütteln von Ästen, das Ausreißen und Wegschleudern von Pflanzen (meist in Richtung des vermeintlichen Gegners) und das Schlagen auf den Boden.

Ziel dieser Rituale ist jedoch nicht ausschließlich hominides Parshippen, sondern eine umfassende Kommunikation über Aufenthaltsort, Körpergröße und Stimmung innerhalb der Gruppe.

Das berichtet der Diplom-Physiker Robert Gast aus Forschungen von Edward Wright vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

Sollten gerade analoge Gedanken an aktuelles, (un)menschliches Gebaren  in Politik und Gesellschaft aufkommen, sind diese weder unbeabsichtigt noch zufällig.

Allerdings gibt es einen Unterschied: während die Menschenaffen sich „ nur“ der Fortpflanzung und bestmöglichen Arterhaltung sowie sozialer Kompetenz verpflichtet fühlen, üben sich die (un)menschlichen Affen in egomanem Narzissmus und zynischem Sadismus – Eigenschaften, die unseren nahen Verwandten im Tierreich völlig fremd sind. Sie vermeiden diese schlichtweg, bevor sie sich schämen müßten.

Sollten dem Rudel externe Gefahren wie Freßfeinde oder Epidemien drohen, stellt sich reflexartig eine unverbrüchliche Solidarität ein, die ihren (un)menschlichen Verwandten gänzlich abhanden gekommen ist.

Unsere großartigen biologischen und ethologischen Mentoren  Charles Darwin, Gregor Mendel, Jakob Johann von Uexküll und Konrad Lorenz mahnen uns seit zwei Jahrhunderten durch ihre herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten zum achtsamen und demütigen Umgang mit den globalen natürlichen Ressourcen wie auch allen Lebewesen. Leider verhallen ihre Rufe bis heute ganz überwiegend ungehört. Zur appetitlich-mundgerechten Repetition propädeutischer Allgemeinbildung empfehle ich die Lektüre von „Der Abbau des Menschlichen“.

Urolog*innen fällt aufgrund ihrer profunden Kenntnisse hormoneller Regelkreise sofort die Ursache des  kollektiven – überwiegend übrigens männlichen – Fehlverhaltens ein: eine durch Neid und Egomanie getriggerte Entkoppelung der sonst fein balancierten Hypophysen-Gonaden-Achse. Setzt diese aus, geraten alle fälschlicherweise als „menschlich“ definierten sozialen Interaktionen komplett außer Rand und Band: „ICH“ fasst diese komplexe Dysfunktion recht treffend und einfach zusammen.

Natürlich sind es wieder wir Urolog*innen, die Rat wissen : nach Abschluß der angemessenen Fortpflanzungsperiode bieten wir allen triebdefizitären Männern eine die Körperintegrität wahrende, wohldosierte und nach – wenn auch rarem - Einsetzen  geistig-seelischer Reife reversible Behandlung mit LHRH-Analoga (= chemische Unterdrückung des Testosterons) an.

Damit könnten zeitnah alle männlichen Scheußlichkeiten wie Kindesmißhandlung, Gewalt gegen Frauen und gegenseitige Tötung aus niederen Motiven, ob individuell oder kriegerisch, nachhaltig verhindert werden – gleichermaßen übrigens wirksam bei katholischen Priestern wie bei Atheisten oder Agnostikern. Als Kollateralnutzen würde das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, signifikant gesenkt.

Bevor jetzt etwa Protest loskläfft: gerne können wir das in einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie mit zwei statistisch validen Armen prüfen. Sicher würde sich unser nimmermüder Harvard-Studienprediger Karl Lauterbach anbieten, die Entwicklung des Studiendesigns zu begleiten.

Auch wenn ich beim Wetten selten gewinne: ich würde ohne Zögern ein Kästchen feinen roten Bordeaux-Weines in sicherer Erwartung darauf setzen, dass meine Ergebnisprognose zutrifft.

Einen Vorteil gegenüber den Hominiden weisen wir in unserem leidlich demokratischen Gemeinwesen übrigens auf, für den es aktuell ebenfalls ein Beispiel gibt: wir dürfen eine Frau wählen, die die richtigen Prioritäten setzt, um unsere Welt nicht weiter zu ruinieren. Daran Kritik zu üben, ist selbstverständlich zulässig, jedoch kurzsichtig und nicht zielführend.

Wählen Sie – weise.

Herzlich

Ihr

Wolfgang Bühmann

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