Autor: |Veröffentlicht am 05. September 2016|Aktualisiert am 06. April 2017

DGU-Präsident kritisiert Pläne zur qualitätsorientierten Krankenhausplanung

68. Urologen-Kongress zwischen Ökonomie und Qualität

Düsseldorf. Mit dem diesjährigen Kongressmotto „Qualität vs. Ökonomie“ rückt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), Prof. Dr. Kurt Miller, ein Dilemma in den Fokus der 68. DGU-Jahrestagung, das den beruflichen Alltag nahezu aller medizinischen Fachgruppen bestimmt und bereits im Frühjahr den Kongress der Chirurgen beschäftigte. Wege aus dem Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Qualität in der Medizin will die DGU auf ihrer Jahrestagung vom 28. September bis 1. Oktober 2016 im Congress Center Leipzig (CCL) diskutieren.

Einen ersten Schritt aus dem Dilemma hat das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) im Rahmen des Krankenhausstrukturgesetzes kürzlich getan und im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) planungsrelevante Qualitätsindikatoren vorgelegt, die eine qualitätsorientierte Krankenhausplanung ermöglichen sollen. Demnach soll schlechte Qualität künftig anhand der „Patientengefährdung“ bewertet werden. Kritik daran kommt nicht nur aus der Bundesärztekammer. „Qualität abzubilden und dargestellte Exzellenz zu fördern und leistungsgerecht zu vergüten, kann einen Weg aus der derzeitigen Misere bieten. Wenn statt einer ausgezeichneten Patientenversorgung aber Fehler und Risiken gemessen werden, setzen wir die von der Ärzteschaft inzwischen aufgebaute Sicherheitskultur zur Fehlervermeidung aufs Spiel“, sagt DGU-Präsident Prof. Dr. Kurt Miller. Auch die Urologen bauen mit CIRS-Urologie auf einen offenen Umgang mit Fehlern zur Steigerung der Patientensicherheit. „Es geht um Prävention, nicht um Bestrafung, die alte Muster des Vertuschens provoziert“, so Prof. Miller.

Damit ist auf dem DGU-Kongress in Leipzig für brandaktuellen Diskussionsstoff gesorgt, wo, neben Vertretern der Krankenkassen und Prof. Matthias Schrappe als Experte im Gesundheitswesen, auch der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Prof. Josef Hecken, erwartet wird. „Es muss unser Ziel sein, gemeinsam mit anderen Fachrichtungen auf Fehlanreize des DGR-Systems aufmerksam zu machen und nach besseren Lösungen für den Konflikt zwischen Ökonomie und Qualität in der Medizin zu suchen“, bekräftigt Prof. Miller sein Anliegen. Unter diesem Aspekt werden neben dem „Fehlermanagement“ auch die Themen „Ökonomie und Forschung“, „Versorgungsforschung“, „Mehr Qualität durch Zentren“ und „Lebensqualität“ im CCL in eigenen Foren diskutiert. Medienvertreter sind herzlich eingeladen, diese Debatten zu verfolgen.

Ein „Weiter so“ im Klinikalltag kann es für den DGU-Präsidenten nicht geben: „Wir müssen die anhaltende Spirale durchbrechen. Heute geben die Klinikleitungen den ökonomischen Druck an den ärztlichen und pflegerischen Bereich weiter und versuchen, mit möglichst wenig Ressourcen möglichst viel zu machen.“ Ein Pflegepersonalschlüssel für Krankenhäuser wie ihn der Deutsche Ethikrat fordert, ist auch für Prof. Miller eine notwendige Maßnahme, um der aktuellen Lage in den Krankenhäusern zu begegnen und die Patientensicherheit zu gewähren. „Eine gesetzliche Regelung für eine vorgeschriebene Mindestzahl von Ärzten gibt es ebenso wenig“, beklagt der DGU-Präsident. Der Trend, immer mehr Leistung mit immer weniger Ressourcen zu erbringen, muss auf der Basis nachvollziehbarer Berechnungsgrundlagen gestoppt werden.

Der DGU-Kongress ist die weltweit drittgrößte urologische Fachtagung, zu der in Leipzig rund 7000 internationale Teilnehmer erwartet werden. Aktueller Wissenschaftsaustausch und ein breites Fortbildungsprogramm zeichnen die Jahrestagung der Fachgesellschaft aus. Den inhaltlichen Schwerpunkt des Fortbildungsangebots bildet die Uroonkologie, da Urologen rund ein Viertel aller Krebserkrankungen in Deutschland behandeln. 

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