Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 23. September 2009|Aktualisiert am 06. April 2017

Zuweiserpauschalen - Der Gesetzgeber muss nachbessern

Urologen: Jetzt brauchen wir Lösungen

Düsseldorf. In der Diskussion um Fehlentwicklungen in der Kooperation von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten geht es jetzt um Lösungen: Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) hatte Auswüchse an der Schnittstelle von ambulanter und stationärer Behandlung als erste öffentlich gemacht und damit aus der Ärzteschaft heraus einen überfälligen gesellschaftlichen Diskurs initiiert.

Dass Kliniken für die Einweisung von Patienten Prämien an Ärzte verschiedener Fachgruppen zahlen beziehungsweise Ärzte solche Forderungen an Kliniken stellen, wurde in einem großen Medienecho mit Begriffen wie „Kopfgeld“, „Fangprämie“, sogar Bestechung und Korruption angeprangert. Mit einer Reihe von Forderungen will die DGU, nach Angaben ihres Generalsekretärs Professor Michael Stöckle, nun ihrer Zielsetzung Nachdruck verleihen, durch notwendige Transparenz und Aufklärung der Praxis der Zuweiserpauschalen den Boden zu entziehen. Dazu sei jedoch maßgeblich auch der Gesetzgeber gefordert.

Der politisch gewollte Wettbewerb im Gesundheitsbereich hat unter anderem neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit für Kliniken und Ärzte geschaffen. Allerdings hat der Gesetzgeber es bei dieser Verzahnung an der Eindeutigkeit seiner Vorgaben mangeln lassen, so dass hier eine juristische wie ethisch-moralische Grauzone entstehen konnte. Zuweiserpauschalen, die aus rein ökonomischer Sicht vielleicht noch vertretbar erscheinen mögen, verstoßen gegen das ärztliche Standesrecht und werden von den Ärzteorganisationen strikt abgelehnt. Das wurde zuletzt auf dem Forum "Der gekaufte/verkaufte Patient" beim 61. DGU-Kongress in Dresden noch einmal deutlich, wo hochrangige Vertreter aus dem Gesundheitswesen das Thema diskutierten. Nicht die sinnvolle und legitime Kooperation steht in der Kritik, sondern die Zahlung von Prämien oder Pauschalen in nicht angemessener Höhe ohne tatsächlich erbrachte Gegenleistung.

Mit dieser Sichtweise weiß sich die DGU inzwischen im Schulterschluss mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGUO). Diese fordert, jede Art der Vergütung, ganz besonders aber jede pauschale Form, für die Zuweisung von Patienten an Kliniken zu untersagen. Auch müssten die Verträge zur Integrierten Versorgung offengelegt werden. Zahlungen für Vorleistungen oder Nachuntersuchungen der einweisenden Ärzte dürften nicht unangemessen hoch sein, sondern müssten sich an der gültigen Gebührenordnung orientieren. Diese Forderungen werden von der DGU ausdrücklich unterstützt. Generalsekretär Stöckle: "Ich halte es für ein Grundgebot ärztlicher Ethik, dass der Patient darüber informiert ist, wenn wirtschaftliche Abhängigkeiten zwischen Zuweiser und Klinik bestehen - auch dann, wenn die Abhängigkeit gesetzeskonform ist."

Die von der Deutschen Krankenhausgesellschaft, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Bundesärztekammer gemeinsam empfohlene Einrichtung paritätisch besetzter Clearingstellen, kann nach Ansicht der DGU kein Lösungsansatz sein. Auf Dauer müsse es darum gehen, durch gesetzliche Nachbesserungen die zunehmende Wettbewerbsorientierung im Gesundheitswesen nicht zügellos dem freien Markt zu überlassen. Denn der Markt allein werde das Vergütungsproblem, das das Spiel seiner Kräfte mangels eines klaren gesetzlichen Regelwerkes selbst verursacht hat, kaum lösen. „Wir brauchen einen gesetzlichen Rahmen, der Wahlfreiheit, Selbstbestimmung und Sicherheit der Patienten dauerhaft wieder gewährleistet. Aktuell vorhandene Auswüchse dürfen das Vertrauensverhältnis zwischen den in der ganz überwiegenden Mehrheit rechtschaffenden Ärzten und ihren Patienten nicht erschüttern“, so DGU-Generalsekretär Stöckle.

Um der in vielen Disziplinen gegebenen Praxis der Zuweiserpauschalen effektiv entgegentreten zu können und ihren Forderungen für notwendige Nachbesserungen auf gesetzlicher Ebene durch eine möglichst breite Basis mehr Nachdruck und Gehör zu verschaffen, regt die DGU in Einklang mit dem Berufsverband der Deutschen Urologen e.V.  in einem ersten Schritt ein gemeinsames Positionspapier verschiedener ärztlicher Fachgesellschaften an. (ing)

Kontakt:

DGU/BDU-Pressestelle
Bettina-Cathrin Wahlers &
Sabine M. Glimm
Stremelkamp 17
21149 Hamburg
Tel.: 040 - 79 14 05 60
Mobil: 0170 - 4 82 72 87
Fax: 040 - 79 14 00 27
info(at)wahlers-pr.de

www.dgu-kongress.de

 

Zu den ältesten dokumentierten chirurgischen Eingriffen, die heute ins urologische Spektrum fallen, zählt die Beschneidung oder Zirkumzision. Gegen Blasenentzündungen, unter denen besonders Frauen häufig litten, wurde über Jahrhunderte mit dem Aderlass chirurgisch vorgegangen. Das frühe Wissen über die entzündungshemmende Wirkung mancher Pflanzen wie Bärentraubenblätter oder Goldrute unterstützte die Therapie medikamentös. Hinzu kamen verordnete Diäten. Dieser Ansatz wurde erst im 20. Jahrhundert durch die Entwicklung der Antibiotika abgelöst.

Professor Dr. Lothar Weißbach.

Die derzeitige Praxis hat Folgen: für die Wahrung der Unabhängigkeit ärztlichen Handelns; für das Selbstbestimmungsrecht des Patienten, sein Recht auf freie Arztwahl und das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient, der sich, wenn ihm die finanzielle Kooperation seines Arztes mit einer Klinik verschwiegen wird, „verkauft“ fühlt. Konsequenzen entstehen auch für das System, denn über diese Art Kopfprämien, die aus dem Entgelt für die stationäre Leistung bestritten werden, fließt Geld aus dem stationären Bereich in den ambulanten Bereich und es stellt sich zwangsläufig die Frage, ob die Fallpauschalen insgesamt zu hoch sind.  In der Konsequenz droht eine Kürzung derselben. Nicht zuletzt kann die gezielte Lenkung von Patientenströmen zu einer Aushebelung der Behandlungsqualität als Steuermechanismus führen, was gegebenenfalls wiederum zum Schaden der Patienten ist.

Unmoralisch, unlauter, korrupt oder regulärer Wettbewerb um Patienten? Ist die Situation in der Urologie nur die Spitze des Eisbergs? Mit dem Forum „Der gekaufte/verkaufte Patient“ eröffnet die DGU auf ihrer 61. Jahrestagung eine überfällige Diskussion und verleiht ihren Forderungen nach Engagement der Standesorganisationen und nach Transparenz Ausdruck. Die Fachgesellschaft selbst hat sich in der aktuellen Ausgabe ihres offiziellen Publikationsorgans („Der Urologe“, August 2009, Band 48, Heft 8, Seite 949) klar positioniert und lehnt finanzielle Anreize bei der Patientenzuweisung ab.

„Angesichts des politisch gewollten Wettbewerbs geht es bei dem Disput über Einweiservergütung am Ende um die Frage: ‚Wie viel Marktwirtschaft verträgt unser Gesundheitssystem‘?“,  so Professor Dr. Lothar Weißbach, der gemeinsam mit DGU-Präsident Professor Dr. Wirth im Anschluss an das Forum in der Messe Dresden, Saal 5, am Freitag, 18. September 2009, 14.30 – 16.00 Uhr zu einem Pressegespräch einlädt.

Terminhinweis für Medienvertreter:
Freitag, 18. September 2009, 14.30 – 16.00 Uhr
Forum 17, „Der gekaufte/verkaufte Patient“, Messe Dresden, Saal 5,

Im Anschluss Pressegespräch, von 16.00 – 16.30 Uhr, Konferenzraum 5
mit DGU-Präsident Professor Dr. Manfred Wirth und Professor Dr. Lothar Weißbach

Kongress-Akkreditierung und Anmeldung zu den Pressekonferenzen:
http://www.presseportal.de/otsEinladung/event/8a988089ab

Hintergrundinformationen:
Prof. Dr. O.W. Hakenberg, Urologische Universitätsklinik Rostock, Rostock
„Der verkaufte Patient - Zum ethischen Wert von Kopfprämien aus medizinischer Sicht“, Urologe 2009 · 48:858–863,DOI 10.1007/s00120-009-2030-4 Online publiziert: 9. Juli 2009, © Springer Medizin Verlag 2009

F. Schramm, Koch Staats Kickler Schramm & Partner, Kiel
„Der gekaufte Patient - Zum ethischen Wert von Kopfpauschalen aus juristischer Sicht“, Urologe 2009 · 48:858–863,DOI 10.1007/s00120-009-2030-4
Online publiziert: 9. Juli 2009, © Springer Medizin Verlag 2009

Rund 2000 Jahre lang hatte die Humoralpathologie, die Lehre von den vier Kardinalsäften – Blut, Schleim, schwarze und gelbe Galle - und ihrer Mischung untereinander, die medizinische Entwicklung bis ins 17. Jahrhundert geprägt. Parallel gewann die Harnschau, auch Uroskopie genannt, zentrale Bedeutung. Als wichtigste Ausscheidung der Kardinalsäfte musste der Harn deutliche Hinweise auf mögliche Krankheiten geben. Das Uringlas entwickelte sich zum wichtigsten Symbol des Mediziners, wie sogar Zeichnungen von Albrecht Dürer (1471-1528) attestieren. Selbst der Medizinprofessor Johann Juncker aus Halle, der um 1730 den Begriff „Urologia“ einführte und damit den Urologen als Namensgeber ihrer Fachrichtung gilt, verstand den Begriff zu seiner Zeit noch in dem Sinne, als „das Wasser besehen“. Auf heitere Weise nahm sich auch der deutsche Lyriker und Dichter Eugen Roth (1895-1976) in einem Vers des Themas an: „Zwei Dinge trüben sich beim Kranken: der Urin und die Gedanken.“     

Das Museum dokumentiert indes nicht nur die Entwicklung des professionellen Selbstverständnisses der Urologen, sondern auch die Etablierung als selbstständige Fachdisziplin, die ziemlich lange auf sich hatte warten lassen. Zu stark war die Urologie in ihrem interdisziplinären Ursprung gefangen und hing zwischen Fächern wie Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie und Dermatologie fest. Die allmähliche Emanzipation der Urologie in Deutschland war eng verbunden mit Namen wie Maximilian Nitze, Gustav Simon, Carl Posner und Leopold Casper. Gleichwohl ließen erste Lehrstühle für Urologie sowie die Anerkennung als Lehr- und Prüfungsfach an den Universitäten noch bis in die 1960er-Jahre auf sich warten. Anhand von thematischen Schwerpunkten wie zum Beispiel Chirurgie und Laserurologie, Endoskopie und Laparoskopie, Trans- und Intersexualität, aber auch Implantaten, Andrologie und Geschlechtskrankheiten wird die Entwicklung der Urologie hin zu einem eigenständigen fachärztlichen Gebiet dargestellt.

Ein Meilenstein in der Etablierung als Spezialfach war die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Urologie im Jahre 1906. Sie hatte das primäre Ziel, durch gemeinsame Arbeit ihrer Mitglieder die Urologie zu fördern. Zählte die Gesellschaft bei der Gründung gerade einmal 38 Mitglieder, so waren es ein Jahr später beim ersten DGU-Kongress in Wien unter der Präsidentschaft von Professor Dr. Anton Ritter von Frisch bereits 250.

    Die Besucherschaft des Museums in der Uerdinger Straße 64 in Düsseldorf ist bunt gemischt: Fachpublikum aus Medizin und Wissenschaft, Studenten, aber auch interessierte Laien. Naturgemäß sind physische Exponate, die die technische Entwicklung in der Urologie nachzeichnen, beim Publikum besonders gefragt. Zu den wertvollsten  Attraktionen des Museums gehört etwa ein Lichtleiter von Antonin Jean Descormeaux, dem Vater der modernen Endoskopie. Außerdem besitzt das Museum ein großes Lithotripsieset von Civiale. Von seinen wenigen, weltweit noch vorhandenen Geräten zur Zertrümmerung von Steinen gibt es in der Regel nur noch den kleinen Instrumentensatz. Um ein repräsentatives „Königlich Bayrisches Steinschnittset“ aus dem 19. Jahrhundert zu sehen, braucht der Besucher allerdings etwas Glück. Denn dieser Instrumentenkasten wird wegen seiner Besonderheit häufiger für wissenschaftliche Ausstellungen und Filmaufnahmen ausgeliehen, wie Museumsleiter Moll berichtet. Ob die urologische Geräteschau bei Besuchern wie gewünscht auch „Angst vor unseren immer etwas gefährlich aussehenden Instrumenten nimmt“, ist indes nicht verbürgt. Es gibt jedoch auch „harmlose“ Exponate wie etwa Penisfuterale, Phallusamulette oder auch den Gartenzwerg „Urologe“, original aus Gräfenroda – und mit Katheter.

    Der Besuch des Urologen-Museums ist so interessant und lohnend wie seine Thematik, mit der die Menschheit zu allen Zeiten konfrontiert war. Nicht umsonst hat die Urologie sogar Einzug in die bildende Kunst fast aller Epochen gehalten: Leonardo da Vinci, Peter Brueghel der Ältere, Rembrandt, Otto Dix, Andy Warhol oder Georg Baselitz, um nur einige zu nennen, widmeten sich in ihrer Weise Themen mit urologischem Bezug.

    Interessierte können in der DGU-Geschäftsstelle telefonisch (+0049-211-516096-0) einen Besuchstermin ausmachen oder die Museums-Schätze in der nächsten Düsseldorfer Langen Nacht der Museen im April 2010 in Augenschein nehmen.

    Besucher des 61. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. haben die Möglichkeit, einen Teil der DGU-Austellung vom 16. bis 19. September 2009 in Dresden zu sehen.

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    Der wechselvollen Geschichte der DGU vergleichbar ist teilweise auch die Geschichte ihres Archives und ihrer historischen Bestände. Schon 1909 war auf dem zweiten Urologen-Kongress die Einrichtung einer eigenen Bibliothek und einer geschichtlichen Sammlung gefordert worden. „Seit kurzem wissen wir, dass in den 1930er-Jahren eine diesbezügliche Ausstellung in Berlin stattfand“, so Museumsleiter Moll. „Aber erst von den 1950er-Jahren an begann der damalige Archivar, Dr. Johannes Keller aus Dresden, eine systematische Sammlung aufzubauen, die durch den Mauerbau und den Tod Johannes Kellers dann aber unterging.“ Erst jetzt seien einige Objekte wiederentdeckt worden. In West-Berlin habe dann Dr. Fritz Schultze-Seemann begonnen, eine neue Sammlung anzulegen, die später vom damaligen DGU-Archivar Professor Rathert vor einem neuerlichen Verlust gerettet wurde. Zwischenzeitlich in Düren untergebracht, wurde die Sammlung dann in ihrem heutigen Domizil in der DGU-Geschäftsstelle in Düsseldorf ab 2000 als Museum und Archiv zur Geschichte der Urologie kontinuierlich ausgebaut. Ein Großteil der Exponate stammt aus Nachlässen von Privatpersonen, vereinzelt kommen Sachspenden von Institutionen aus Wissenschaft und Industrie hinzu, teilweise findet auch ein Austausch mit anderen medizinischen Museen statt. Eine eigene Sammeltätigkeit ist aufgrund des engen Budgets bisher nur begrenzt möglich.

    Museumsleiter Moll, der eng mit DGU-Archivar Schultheiss, zusammenarbeitet, verweist mit Stolz darauf, dass die Historie des Fachgebietes nicht in separaten Räumen untergebracht, sondern integriert in die laufende Arbeit der Geschäftsstelle eingebunden sei: „Dieses Konzept wurde Modell sowohl für die Amerikanische als auch die Europäische Gesellschaft für Urologie.“ So werde die Zielsetzung des Museums, beim Blick auf die Geschichte und bei der wissenschaftlichen Arbeit offen für aktuelle Themen und Fragestellungen zu sein, zusätzlich unterstützt. Das Düsseldorfer Urologen-Museum, das in seiner generalistischen Ausrichtung in Europa einzigartig ist, arbeitet eng und freundschaftlich mit anderen Museen rund um den Globus zusammen. Denn: „Über den ‚Arbeitskreis medizinische Museologie’ sind wir fest in die deutsche und ausländische Museumslandschaft eingebettet“, sagt Moll.

    Kontakt:

    DGU/BDU-Pressestelle
    Bettina-Cathrin Wahlers &
    Sabine M. Glimm
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