Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 07. Dezember 2009|Aktualisiert am 06. April 2017

Die Roths: Zwillings-Mission für den Sieg über Prostatakrebs

Zwillings-Mission für den Sieg über Prostatakrebs: Michael (links) und Uli Roth.

Im Gespräch mit der Pressestelle der Urologen: Ex-Handballstar Michael Roth über Krebsfrüherkennung, Aufklärungsbedarf, PSA-Test und ein Buch

Michael und Uli Roth, in den 1980er-Jahren gefeierte Stars in der deutschen Handball-Nationalmannschaft, haben eine Mission: Die Zwillinge engagieren sich, um Männern die Furcht vor der Krebsvorsorge, speziell der zur Früherkennung von Prostatakrebs zu nehmen. Sie wollen das Thema aus dem Dunst vermeintlicher Tabus herausholen. Warum, das beschreiben sie in ihrem Buch „Unser Leben unsere Krankheit – Vom richtigen Umgang mit dem Prostata-Krebs“. Binnen einiger Wochen hatten die Zwillingsbrüder, erst Michael, dann Uli, im Frühjahr 2009 die niederschmetternde Diagnose Prostatakrebs erhalten. „Nach dem Schock waren schnell Ängste da, die mich regelrecht lähmten“, sagt Michael Roth im Gespräch mit der gemeinsamen Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. und des Berufsverbands der Deutschen Urologen e.V..
Schlagworte wie Impotenz, Inkontinenz und Haarausfall gingen dem 47-Jährigen durch den Kopf, der immer noch wie ein Modellathlet aussieht. „Am härtesten war es, sich ständig mit der eigenen Situation zu befassen, ohne wirklich etwas zu wissen“, sagt Michael Roth über die schwere Zeit nach der Diagnose. Er begann, Informationen zu sammeln und mit anderen Menschen über die Erkrankung zu reden. Die Reaktionen darauf seien zu 99 Prozent unglaublich positiv ausgefallen. „Je tiefer ich in das Thema kam, desto mehr wirkte es für mich wie eine Art Therapie“, so Michael Roth. Aber erst nach den notwendigen Prostata-Operationen, denen er und später sein Bruder sich unterzogen, und nach deren guten Verläufen beschlossen die Brüder, an die breite Öffentlichkeit zu gehen und mit einem Buch ihren Beitrag zur Aufklärung über das Thema Prostatakrebs zu leisten.

Nun denke niemand, die beiden einstigen Weltklassesportler hätten wohl nichts Besseres zu tun: Im Gegenteil, sie sind heute im Berufsleben ähnlich erfolgreich und eingespannt wie früher – Uli als Manager der bekannten deutschen Popband Pur, Michael als Trainer des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar. Mit der positiven Kraft aus ihrem Happy-End-Gefühl vom Sieg über den Krebs wollen die Brüder, die 1984 in Los Angeles mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft olympisches Silber gewannen, anderen Männern Mut machen und der unseligen Allianz von Unwissenheit und Scham Paroli bieten. Die Zwillinge sind gern gesehene Gäste bei Presse, Funk und Fernsehen, denn noch ist es die Ausnahme, dass sich zwei kerngesund und robust wirkende Männer, die mitten im Lebens stehen, sympathisch-offen über ihre Erkrankung, deren Folgen sowie die persönlichen Ängste äußern.    

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebsart unter Männern in Deutschland. Früh erkannt, solange der Tumor noch auf die Vorsteherdrüse begrenzt ist, sind die Heilungschancen wie bei den Roth-Zwillingen sehr gut. Deshalb sei die  Früherkennungsuntersuchung so wichtig, betont Michael Roth öfter im Verlauf des Gespräches. Aber selbst in seinem eigenen Bekanntenkreis erlebe er, wie nachlässig viele Männer mit dem Thema Krebsfrüherkennung umgingen.

Frauen sind da offener, rund 60 Prozent nutzen Früherkennungsuntersuchungen. Vielleicht seien sie vorbereiteter, weil sie schon von jungen Jahren an regelmäßig zum Frauenarzt gingen, mutmaßt Michael Roth. Und: „Wenn dann auch noch prominente Frauen wie die Sängerinnen Kylie Minogue und Anastacia oder die TV-Moderatorin Sylvie van der Vaart öffentlich über ihre Erkrankungen reden, entwickelt sich eine Selbstverständlichkeit.“ Eine derartige Selbstverständlichkeit gebe es unter Männern nicht. Außer zum Zahnarzt oder nach Sportverletzungen gingen Männer nur selten zum Arzt, so Michael Roth. Die Zahlen geben ihm Recht: Nur rund 15 Prozent der deutschen Männer lassen beispielsweise ihre Prostata vorsorglich auf Krebs untersuchen. Hier wollen die Roth-Zwillinge durch ihre Geschichte und durch ihren offenen Umgang mit der Erkrankung ohne oberlehrerhafte Attitüde etwas bewegen.

Aufklärung ist nach Ansicht von Michael Roth am wichtigsten, denn es gebe viel Unwissenheit über die Früherkennungsuntersuchung: „Es kursieren ziemlich unsinnige Fehlinformationen. Manche Männer glauben, dass sie beim Urologen mit fürchterlichen Instrumenten malträtiert werden und dass ihnen für die Untersuchung irgendetwas abgeklemmt werden muss.“ Mit leicht fränkischem Akzent folgen einige exemplarische Schilderungen wie sie der männliche Volksmund kolportiert. Indes die Botschaft bleibt haften: Aufklärung tut not. 

Michael Roth schwört auf den PSA-Test, für den nur etwas Blut abgenommen werden muss. Darin wird der Anteil des sogenannten prostataspezifischen Antigens, kurz PSA, gemessen und die Höhe dieses PSA-Wertes als ein mögliches Indiz für einen Tumor an der Prostata gesehen. Wiederholte Messungen zeigen den Verlauf des PSA-Wertes und geben wichtige Anhaltspunkte über eine eventuell bösartige Erkrankung der Prostata. Dass der PSA-Test selbst unter Urologen nicht unumstritten ist, weiß auch Michael Roth heute. Denn weder gibt es einen genauen PSA-Grenzwert, noch kann der Test eindeutig zwischen weniger aggressiven und aggressiven Tumoren unterscheiden, noch ist der PSA-Test so zuverlässig, dass definitiv kein Karzinom übersehen wird. Aus diesem Grund empfehlen die Experten meistens eine Kombination des Tests mit einer Tastuntersuchung.

Gleichwohl hält der Mann aus Leutershausen an der Bergstraße viel von dem Test. „In unserem Fall wurde der Krebs durch den PSA-Test entdeckt, oder besser gesagt durch die Regelmäßigkeit, mit der wir ihn gemacht haben.“ Dadurch habe der Urologe immer einen Vergleich gehabt, und als der PSA-Wert dann deutlicher anstieg, habe er die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) empfohlen, die schließlich die dramatische Gewissheit brachte. „Der Urologe schickt aber nicht jeden nach einem PSA-Anstieg gleich zur Biopsie. Und ein erhöhter PSA-Wert bedeutet ja nicht automatisch Krebs.“ 

Im Gespräch mit der Pressestelle der Urologen berichtet Michael Roth weiter, dass es für ihn nach seiner Krebsdiagnose sehr hilfreich war, sich aus dem Stress des Alltags etwas zurückzuziehen und die Situation mit Vertrauten zu besprechen. Selbst wenn man mit 47 Jahren für diese Krebserkrankung statistisch noch zu jung sei, müsse man sie trotzdem kämpferisch annehmen. „Ich wollte diesen Fremdkörper sofort aus mir raushaben“, so der frühere Nationalmannschaftskapitän. Absolut falsch sei es, in der Situation „den Starken zu mimen und zu verdrängen“.

Nach der erfolgreichen Operation hatte sich für Michael Roth alsbald alles um die Fragen gedreht, die nach der Diagnose für Ängste und Befürchtungen gesorgt hatten: Wie stand es um Kontinenz und Potenz? Auch wenn sein entfernter Tumor wegen der frühen Erkennung noch klein war und keine Metastasen gestreut hatte, so war der Eingriff doch mit den üblichen Risiken verbunden. Aber schon nach zehn Tagen konnte er auf Sicherheitssysteme gegen Inkontinenz verzichten, und auch mit dem Sex klappt es, wenngleich ein „trockener“ Orgasmus anfangs gewöhnungsbedürftig sei. Einen Samenfluss gibt es nicht mehr und somit auch keine Fruchtbarkeit.

„Wir hatten richtig Glück im Unglück“, sagt Michael Roth, jedoch nicht, ohne betont nachzuschieben: „Aber wir haben vorher auch alles dafür getan.“ Er erinnert sich noch gut, an seinen ersten PSA-Test mit Ende 30. Der Urologe habe ihn – im lockeren Scherz - wieder nach Hause schicken wollen, weil er doch noch zu jung dafür sei. Was damals Anlass für eine flachsende Bemerkung gab, gilt inzwischen als vorbildlich. Heute empfehlen die medizinische Fachgesellschaft und der Berufsverband der Urologen den PSA-Test ab 40 Jahren.

Nun könnte man meinen, dass Michael Roths frühzeitiger Gang zum Urologen mit der größeren Sensibilität des ehemaligen Hochleistungssportlers für seinen Körper zu tun haben könnte. Aber da bremst er ab und gibt unumwunden zu, dass er damals von seiner Frau zur ersten Früherkennungsuntersuchung geschickt worden sei. Kein Wunder also, dass seine Hoffnungen für einen selbstverständlicheren Umgang von Männern mit der Krebsfrüherkennung und für mehr Aufklärung, um das Thema Prostata zu enttabuisieren, nicht nur auf den Männern selbst, sondern ebenso auf deren Frauen ruhen.
Interview + Text: Matthias Heining

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