Krebsfrüherkennung beim Mann

Autor: Dr. Wolfgang Bühmann|Veröffentlicht am 22. November 2006|Aktualisiert am 31. Januar 2022

Prostatakrebs ist gegenwärtig der häufigste bösartige Tumor des Mannes –58.780 Männer erkrankten im Jahr 2016 in Deutschland, 14.417 Männer starben 2016 daran. Das mittlere Erkrankungsalter für Prostatakrebs lag 2016 in Deutschland bei 72 Jahren. Bis zum Jahr 2050 wird die Anzahl der über 60- jährigen Männer in Deutschland auf ca. 28 Millionen anwachsen und damit doppelt so hoch sein wie heute. Im gleichen Umfang ist daher auch mit einem Anstieg der Prostatakarzinomerkrankungen zu rechnen.

Obwohl bereits 1971 in Deutschland die Krebsfrüherkennungsuntersuchung für Männer ab 45 Jahren als Angebot der gesetzlichen Krankenversicherung eingeführt wurde, nahmen nach Angaben des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung im Jahr 2014 nur 24,5 Prozent der anspruchsberechtigen Männer diese Möglichkeit der Früherkennung wahr. Sie umfasst eine Tastuntersuchung der Prostata, der regionären Lymphknoten und der äußeren Genitalien. Eine Bestimmung des PSA-Wertes gehört nicht dazu.

Um Prostatakrebs wirkungsvoll behandeln zu können, ist das rechtzeitige Erkennen der Erkrankung von entscheidender Bedeutung. Da eine Prostatakrebserkrankung meist nur in fortgeschrittenen Krankheitsstadien zu Beschwerden führt, kommt der Prostatakrebsfrüherkennung eine entscheidende Rolle zu. Als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung wird eine Tastuntersuchung mit dem Finger angeboten. Allgemeiner Expertenkonsens ist jedoch, dass Männern, die nach ausführlicher ergebnisoffener Beratung eine Früherkennungsuntersuchung wünschen, eine Kombination aus der Tastuntersuchung und der Bestimmung des PSA-Wertes angeboten wird.

Was bedeutet die Krebsfrüherkennungsuntersuchung beim Mann?

Ziel der Krebsfrüherkennungsuntersuchung bezüglich der Prostata ist es, schon frühzeitig verdächtige Veränderungen des Organs zu entdecken, um eine mögliche Erkrankung in einem Stadium zu erkennen, in dem optimale Heilungschancen bestehen. Oftmals ist auch von einer „Vorsorgeuntersuchung“ die Rede. Diese Formulierung ist insofern missverständlich, als einer Krebserkrankung durch die Untersuchungen nicht vorgebeugt oder diese vermieden werden kann. Die Bezeichnung Krebsfrüherkennung ist daher treffender.

Für Männer, die eine urologische Krebsfrüherkennungsuntersuchung wünschen, empfiehlt sich daher eine Tastuntersuchung durch den Urologen in Kombination mit einer PSA-Bestimmung im Blut. Nach derzeitigen Empfehlungen sollten Männer ab dem 45. Lebensjahr mit einer mutmaßlichen Lebenserwartung von mehr als zehn Jahren über die Möglichkeit einer solchen Früherkennung informiert werden. Bei Männern, die ein möglicherweise erhöhtes Erkrankungsrisiko (z.B. Prostatakrebserkrankung des Vaters, Erkrankung des Bruders) tragen, kann die Altersgrenze um fünf Jahre vorverlegt werden.

Vor einer Früherkennungsuntersuchung sollten die Betroffenen über Vor- und Nachteile einer Früherkennungsuntersuchung informiert werden.

Nach einer erstmaligen PSA-gestützten Früherkennungsuntersuchung, empfiehlt die S3-Leitlinie Prostatakarzinom (Version 6.2. Oktober 2021) folgendes Vorgehen:

Für Männer, die weiterhin eine PSA-Früherkennungsuntersuchung wünschen, sollte sich das Intervall der Nachfolgeuntersuchung am aktuellen PSA-Wert und am Alter der Patienten orientieren, sofern keine Indikation zur Biopsie gegeben ist.

Altersgruppe ab 45 Jahren und einer Lebenserwartung > 10 Jahre

  • PSA < 1 ng/ml: Intervall alle 4 Jahre
  • PSA 1-2 ng/ml: Intervall alle 2 Jahre
  • PSA > 2 ng/ml: Intervall jedes Jahr 


Für Männer über 70 Jahre und einem PSA-Wert < 1ng/ml wird eine weitere PSA- gestützte Früherkennung nicht empfohlen.

Unstrittig ist, dass durch Früherkennungsuntersuchungen auch Prostatakrebserkrankungen entdeckt werden, die keiner Behandlung bedürfen, da diese insbesondere in höherem Lebensalter zu keiner Verkürzung der Lebenszeit oder Beeinträchtigung der Lebensqualität führen. In solchen Fällen können die Nebenwirkungen einer Therapie größer sein als ein potentieller Nutzen. Sollte im Rahmen der Früherkennung ein auffälliger Befund bei der Tastuntersuchung oder beim PSA-Wert festgestellt werden, können weitere Untersuchungen wie eine Prostatabiopsie notwendig werden, um letztlich den sicheren Nachweis eines Prostatakarzinoms zu erbringen.

Die Schwierigkeit stellt nicht nur der alleinige Nachweis des Prostatakrebses, sondern auch dessen korrekte Bewertung für den individuellen Patienten und die Wahl der Therapieoption dar.

Zur Beurteilung und Planung der weiteren Schritte empfiehlt sich in jedem Fall die vertrauensvolle Beratung durch einen Urologen/eine Urologin.

Da die gesetzlichen Krankenkassen nur die Kosten für die Tastuntersuchung tragen, müssen Patienten die Kosten für die Bestimmung des PSA-Wertes nach gegenwärtigem Stand selber übernehmen. Die Kosten hierfür bewegen sich im Rahmen von ca. 20 Euro, zzgl. eventuell einer Beratungsgebühr von 10,72 Euro.

Zur weiteren Information hat die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. eine Broschüre zur Prostatakrebsfrüherkennung herausgegeben:

Broschüre: 
Hier downloaden

(Quelle: S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Version 6.2 – Oktober 2021).

Die aktuell empfohlene Früherkennungsuntersuchung - wenn wahrgenommen - minimiert das Risiko, am Prostatakarzinom zu versterben, denn sie bezieht neben den diagnostischen Ergebnissen auch die persönlichen Risikofaktoren des Patienten und familiäre Dispositionen mit ein.

Wie beurteilen die Fachleute den Nutzen der Früherkennung?

Das Ziel der Früherkennung besteht darin, das Prostatakarzinom frühest- möglich – noch vor dem Auftreten von Symptomen - zu diagnostizieren, denn nur organbegrenzte Tumoren sind heilbar. Solche Tumoren verursachen aber im frühen Stadium keine Symptome, sodass sie bei einem beschwerdefreien Patienten ausschließlich durch eine Früherkennungsuntersuchung aufgedeckt werden können. Die Schwierigkeit in Diagnostik und Therapie liegt nun darin, dass sich das Wachstum des Prostatakarzinoms sehr langsam vollzieht. Ist der Tumor noch sehr klein oder wenig aggressiv im Wachstum, ist eine Therapie oft gar nicht notwendig. Hat die Geschwulst jedoch ein bestimmtes Stadium überschritten, ist Heilung nicht mehr möglich. Sinn der Früherkennung durch den Urologen/die Urologin ist es also, die Karzinome zu erfassen, die aus dem unauffälligen Stadium herausgetreten sind, aber noch nicht die Grenze zu den nicht mehr komplett heilbaren Tumoren überschritten haben. Dieses Feld der organbegrenzten, heilbaren Karzinome kann nur durch regelmäßige Untersuchungen beim Urologen erfolgreich eingegrenzt werden. Denn nur die frühzeitige Diagnose des Prostatakarzinoms und die angemessene Beratung hinsichtlich der sinnvollen Behandlungsstrategie wahren die Chancen einer für den Patienten möglichst langen Lebenserwartung bei maximaler Lebensqualität.