DAK-Digitalisierungsreport 2018: Ärzte begrüßen E-Health-Anwendungen

Autor: |Veröffentlicht am 04. April 2018|Aktualisiert am 08. Januar 2019

30. März 2018. Digitalisierung ist zwar in aller Munde, aber digitale Versorgungslösungen sind längst noch nicht im deutschen Gesundheitssystem angekommen. An den Ärzten scheint das nicht zu liegen: Sie stehen der Digitalisierung im Gesundheitssektor durchaus positiv gegenüber und wünschen sich mehr E-Health-Anwendungen in der Praxis wie der DAK-Digitalisierungsreport 2018 zeigt. Für die Studie hatten die DAK-Gesundheit gemeinsam mit der Ärzte Zeitung, dem Hartmannbund und dem Ärztenetzwerk esanum.de im September und Oktober 2017 online insgesamt 1147 Ärzte aus Praxis und Klinik befragt und erstmals Meinungen und Wissensstand der Ärzteschaft zur Digitalisierung des Gesundheitswesens erhoben.

Rund 80 % der Teilnehmer halten demnach zum Beispiel Videosprechstunden und Online-Coachings für nützliche Ansätze. Die Hälfte der Befragten sieht einen klaren Nutzen in der schnelleren Verbreitung von Leitlinien unter Ärzten; 42 % sehen klare Vorteile in einer besseren Nachvollziehbarkeit der Therapietreue der Patienten; 36 % erwarten eine Zeitersparnis oder wirtschaftlichen Nutzen von digitalen Versorgungslösungen. Unter jungen Ärzten ist die Zustimmung zu E-Health erwartungsgemäß höher.

Die höchste praktische Verbreitung unter den digitalen Versorgungsangeboten ist laut DAK-Digitalisierungsreport der E-Arztbrief, mit dem bereits 24 % der Teilnehmer zu tun gehabt haben; 67 % haben zumindest bereits davon gehört. Am bekanntesten ist die Video- Sprechstunde (82 %); Anwendung findet sie bisher aber nur bei acht Prozent der Befragten. Am wenigsten bekannt ist erstaunlicherweise die Online-Patientenakte: Nur jeder zweite befragte Arzt hat schon von ihr gehört.

Damit die Digitalisierung des Gesundheitswesens in Fahrt kommt, fordert die DAK einen Masterplan. Widrige Rahmenbedingungen wie fehlenden Abrechnungsmöglichkeiten und rechtliche Hürden wie das Verbot einer Fernbehandlung, wenn der Patient dem Arzt unbekannt ist, behinderten digitale Versorgungslösungen. Auch die deutsche Gesundheitswirtschaft mahnt die Politik. Die vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) initiierte German Healthcare Partnership (GHP) forderte jüngst zügige Veränderungen und eine Digitalstrategie von einer neuen Bundesregierung.

Die digitale Realität jedenfalls ist, vor allem im Vergleich mit anderen Ländern, ernüchternd: So verfügen laut Ärzte Zeitung 73 % der bundesdeutschen Kliniken über keinen IT-Verantwortlichen – in den Niederlanden sind es 14 %, in Großbritannien nur sechs Prozent. Und während in den USA 62 % der Kliniken telemedizinische Leistungen anbieten, sind es in Deutschland nur zehn Prozent. Rezepte (758 Millionen!) werden hierzulande übrigens allesamt noch auf Papier gedruckt, während in Estland zehn Jahre nach Einführung des elektronischen Rezepts die Digitalisierung eine Quote von 98 % erreicht hat.


Text:
Bettina-Cathrin Wahlers
Sabine Martina Glimm
Pressestelle