Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 03. August 2016|Aktualisiert am 06. April 2017

Im Fokus des 4. Parlamentarischen Abends der DGU: Medizin zwischen Ökonomie und Qualität

Berlin, 25.11.2015. Rund 30 geladene Gäste aus Politik, Gesundheitswesen, Fachpresse und natürlich hochrangige Vertreter der Urologie waren am 24. November 2015 der Einladung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) zu einem Parlamentarischen Abend der Fachgesellschaft gefolgt: Mit dem wachsenden Konflikt zwischen Ökonomie und Qualität in der Medizin rückte die DGU in Berlin ein heißes Eisen der Gesundheitspolitik in den Fokus – und beleuchtete das Dilemma mithilfe dreier Impulsreferate aus unterschiedlichen Perspektiven, denen sich eine lebhafte Diskussion anschloss.

DGU-Präsident Prof. Dr. Kurt Miller begrüßte die Anwesenden im Haus der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft und gab eine Einführung in das Thema des Abends, das natürlich vor dem Fachbereich der Urologie nicht Halt macht. Dass die Politik dem Konflikt zwischen Ökonomie und Qualität und seinen Auswirkungen mit der Gründung des Instituts für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) begegnete, sieht die DGU als ein Anzeichen dafür, dass Qualität wieder stärker in den Mittelpunkt rückt.

In seinem Impulsreferat warnte Prof. Dr. Kurt Miller mit Blick auf den VW-Abgas-Skandal: „Der ökonomische Druck macht Dinge möglich, die niemand für möglich gehalten hätte.“ Engagiert schilderte der Direktor der Urologischen Klinik und Poliklinik, Charité, Universitätsmedizin Berlin die Probleme in den Kliniken und kritisierte falsche Belohnungsanreize im Gesundheitssystem nach dem Motto „nur der operierte Patient ist ein guter Patient“. Es sei zwar richtig auf die Ökonomie zu gucken, aber das dürfe nur in der richtigen Dosis geschehen. Unabdingbar für eine gute Qualität sei für ihn die Festschreibung der Personal-Ressource. Der DGU-Präsident begrüßte schließlich ausdrücklich, dass wir in einer Phase der Transition von der reinen Ökonomie hin zur Qualität sind und gab damit eine Steilvorlage an seinen Nachredner, Lösungswege aufzuzeigen.

Die Replik kam aus frisch berufenem Munde, denn den von der Politik angestrebten Weg zu mehr Qualität skizzierte niemand anderes als Dr. med. Christof Veit, Leiter des neu gegründeten Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) und nach eigenem Bekunden Mediziner mit urologischen Wurzeln. Seine Forderung nach einem Wandel im Hochleistungsbereich Medizin war klar formuliert. Angesichts von Patienten, die zu zwei Dritteln Angst vor Problemkeimen und zur Hälfte vor einer falschen Behandlung hätten, sei es notwendig, Qualität messbar zu machen, um eine gute Versorgung in der Fläche anbieten zu können. Das sei zwar schwierig, mithilfe planungsrelevanter Qualitätsindikatoren aber lasse sich Qualität abbilden. Weiter sprach Dr. Veit die Möglichkeiten leistungsorientierter Vergütung aufgrund dargestellter Exzellenz und die Notwendigkeit von Transparenz zur Orientierungshilfe für die Patienten an – all das werde mit Augenmaß vorbereitet. Das Krankenhausstrukturgesetz hätte die erforderliche Ausgewogenheit zwischen Qualitätsförderung und Sanktionierung. In der anschließenden Diskussion wurde der Leiter des IQTIG konkret: Vier bis fünf Prozent der Kliniken werde man, nach seinen Worten, auf die Füße treten müssen und mit 95 Prozent gemeinsam an einer Verbesserung der Qualität weiterarbeiten.

Auch Franz Knieps, seines Zeichens Jurist und Vorstand des BKK Dachverbands e.V., mahnte in seinem Impulsreferat große Mängel im System an - verursacht durch falsche Anreize. Wer, wie in der Ära Ulla Schmidt, Tage bezahlt, bekomme Tage. Wer im Steuerungssystem Fälle belohnt, bekomme Fälle, denn egal in welcher Betriebsform, es sei immer eine Frage der Ökonomie. Die Krux im Spannungsverhältnis von Qualität, Medizin und Ökonomie liegt nach Franz Knieps darin, dass die Summe betriebswirtschaftlicher Rationalitäten keine volkswirtschaftliche Rationalität im Gesundheitswesen ergäbe, und dass selbst eine volkswirtschaftliche Rationalität nicht immer eine gesundheitspolitische Rationalität bilden könne. Er beschwor die Notwendigkeit einer ständigen Anpassung des Systems an veränderte Herausforderungen. Es gäbe keine bessere Alternative, als es immer wieder zu versuchen. Dafür brauche es gegenseitigen Respekt unter Politikern, Ökonomen und Ärzten sowie organisierte Dialoge wie diese. Mit ihrer inzwischen vierten parlamentarischen Runde hat die DGU zweifellos ein starkes Signal in diese Richtung gesendet.

In einem Statement des Bundesverbands Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. (BPS) forderte dessen Vertreter Jens-Peter Zacharias schließlich die Schaffung einer ordentliche Evidenz für die angebotenen Behandlungspfade, mehr Versorgungsforschung und optimale Klinikstrukturen - es müssten nicht viele Hundert Kliniken das Prostatakarzinom operieren. Eine angeregte Diskussion mit dem Publikum folgte erwartungsgemäß auf dem Fuße und wurde im Laufe des weiteren Abends in persönlichen Gesprächen fortgesetzt.

Text: DGU-Pressestelle/ Sabine Glimm
Fotos: Bettina Wahlers

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