Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 04. Dezember 2014|Aktualisiert am 06. April 2017

Feminisierung in der Medizin erreicht die Urologie

66. DGU-Kongress in Düsseldorf zeigt Chancen und Handlungsbedarf

Düsseldorf.
War die Humanmedizin früher eine männliche Domäne, sind heute rund 70 Prozent aller Medizinstudierenden weiblich. Diese Entwicklung stellt auch die Urologie vor große Herausforderungen. Dort verschärfen ein steigender Versorgungsbedarf und eine überalterte Fachärzteschaft den Ärztemangel und machen die Integration junger Ärztinnen in das Fachgebiet dringend notwendig. Auf ihrer 66. Jahrestagung vom 1. bis 4. Oktober 2014 im Congress Center Düsseldorf thematisiert die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) deshalb erforderliche Strategien für eine Feminisierung ihres Fachgebietes. 

Um eine flächendeckende Versorgung auch weiterhin zu gewährleisten, stehen die DGU und der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU) vor der Aufgabe, für mehr medizinischen Nachwuchs zu sorgen, wobei vor allem mehr Frauen für das Fachgebiet interessiert werden sollen. „Angesichts des demografischen Wandels in der Ärzteschaft und der großen Zahl an Medizinstudentinnen ist die Integration von Ärztinnen in das Fachgebiet der Urologie eine Chance und eine Notwendigkeit“, sagt DGU- und Kongresspräsident Prof. Dr. Jan Fichtner. Noch sind die Frauen in der Urologie deutlich unterrepräsentiert. „Im Vergleich zu einem weiblich dominierten Fachbereich wie der Gynäkologie ist der Frauenanteil in unserem Fachbereich zwar immer noch gering, dennoch haben wir in den letzten Jahren deutlich aufgeholt“, sagt die Pressesprecherin der DGU, Prof. Dr. Sabine Kliesch. So lag die Quote 1998 noch bei 6,9 Prozent und beträgt heute rund 14 Prozent. 

Dass die Urologie durch ihren operativen Schwerpunkt eine langwierige Ausbildung verlangt, die zum Beispiel von jungen Müttern nur mit Mühe und viel Organisation zu realisieren ist, erschwert angehenden Ärztinnen den Weg in das Fachgebiet. Überdies ist die Ausbildung noch immer stark von Männern dominiert, was dazu führt, dass frauenspezifische Ausbildungsanforderungen wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und geregelte Arbeitszeiten nicht immer gegeben sind. „Wir brauchen sowohl in der Ausbildung als auch in der Berufsausübung in Klinik und Praxis veränderte Strukturen und differenzierte Arbeitszeitmodelle, die eine ausgeglichene Work-Life-Balance und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen - und zwar genderübergreifend, denn die gesamte Generation Y, und damit auch viele junge Ärzte, fordert bessere Arbeitsbedingungen, geregelte Arbeitszeiten und mehr Freizeit“, betont Prof. Kliesch. Gleichzeitig bedürfe es eines Kulturwandels, der auch jungen Frauen in der Urologie den Weg in Führungspositionen erleichtert. 

DGU und BDU haben das Problem erkannt und arbeiten gemeinsam an Lösungen. Auf dem 66. DGU-Kongress stellt zum Beispiel die Vereinigung von jungen Assistenzärztinnen und -ärzten in der Urologie, die German Society of Residents in Urology (GeSRU), eine Umfrage zur Geschlechterneutralität in der Ausbildung mit dem Titel „Does sex matter?“ zur Diskussion. Der Berufsverband der Urologen informiert in Kooperation mit der GeSRU und der JuniorAkademie der DGU über verschiedenste Niederlassungsmodelle, die eine zufriedenstellende Lebensqualität ermöglichen. Auch auf dem Schülertag „Werde Urologe/Urologin für einen Tag“ zeigt die DGU dem Nachwuchs von übermorgen vielfältige Karrierewege in der Urologie, die auch und vor allem das Interesse potentieller Medizinstudentinnen für das Fachgebiet wecken sollen. Eine Kinderbetreuung vor Ort wird - wie in den Vorjahren - auch auf der 66. DGU-Jahrestagung im Congress Center Düsseldorf selbstverständlich angeboten, um jungen Familien den Kongressbesuch zu ermöglichen. „Allen Verantwortlichen ist klar, dass eine dramatische Veränderung der Eckdaten stattfinden muss, damit es aufgrund der Feminisierung in der Medizin und der berechtigten Ansprüche der Generation Y künftig nicht zu einer Verschlechterung der fachärztlichen urologischen Versorgung, vor allem in ländlichen Gebieten, kommt“, so DGU-Präsident Prof. Dr. Jan Fichtner.

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