Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 04. Dezember 2014|Aktualisiert am 06. April 2017

Aufkaufzwang für Arztsitze und Arztzulassung auf Zeit

BDU-Präsident Dr. Axel Schroeder: „Das ist kompletter Unsinn“

Über-/Unter/-Fehlversorgung bleiben anscheinend Dauerbrenner in der Gesundheitsdebatte 

Düsseldorf, 04.08.2014. Bei einer Überversorgung von nominal mehr als 200 Prozent urologischer Arztsitze empfiehlt der Sachverständigenrat eine Aufkaufpflicht der Kassenärztlichen Vereinigungen für Arztsitze. Aus einer „Kann-Regelung fordert er eine Muss-Regelung“! Der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU) hält das Szenario einer Überversorgung für völlig überzogen.

"Der soziodemografische Wandel mit der Alterung der Gesellschaft, die Geriatrisierung der Urologie, die Chronifizierung in der Uro-Onkolgie und die zunehmende Versorgung pflegebedürftiger Patienten fordert die urologische Versorgung mehr denn je, solange die Forderung an eine qualifizierte, wohnortnahe, flächendeckende Versorgung Bestand hat", so Dr. Axel Schroeder, Präsident des BDU.

Der Gesamtversorgungsgrad bei Urologen lag 2011 bundesweit bei 131 Prozent, wenn sich auch auf Landesebene die Versorgungsgrade zum Teil deutlich unterscheiden (160 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und in Hamburg 111 Prozent). Lediglich 23 der 395 Planungsbereiche weisen in 2011 laut des Wissenschaftlichen Instituts der AOK über 200 Prozent aus. Schroeder: "Demgegenüber erleben wir eine Überalterung der Urologen. Jeder 2. niedergelassene Urologe ist über 50 und wird wohl in zehn Jahren in den Ruhestand gehen."

Die Zahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte ist zwar leicht steigend. Der Zuwachs ist vor allem auf den hohen Anteil an Ärztinnen (58 Prozent) zurückzuführen. Dem ist in der Urologie aber nicht so. Der BDU sieht in der Urologie eher eine Unterversorgung in den Vertragsarztpraxen. "Deshalb ist die Forderung der GKV-Vorstandschefin Doris Pfeiffer kontraproduktiv in puncto Arztmangel, nicht nur in der Urologie", sagt Dr. Axel Schroeder.

Der BDU-Präsident, fragt sich, ob der Arztmangel beim Sachverständigenrat und insbesondere beim GKV-Spitzenverband noch nicht angekommen ist. "Da bemängeln Politik und Kassen zu lange Wartezeiten bei Fachärzten und vermissen fachärztliche Versorgung in Alten- und Pflegeheimen, andererseits forciert man das Instrument zum gezielten Abbau von Überversorgung. Das gipfelt dann in der Äußerung des GKV Spitzenverbandes, 'Arztzulassungen nur noch auf Zeit zu vergeben'", so Schroeder. „Das ist alles andere als eine vertrauensbildende Maßnahme, von zielführend kann man hier gewiss nicht sprechen. So wird man junge Kolleginnen und Kollegen für die Niederlassung verständlicherweise kaum gewinnen."

Der Berufsverband sieht einen zunehmenden Bedarf in der ambulanten urologischen Grund- und Spezialversorgung. Es mangelt schon jetzt an Planungssicherheit, Verbindlichkeit und Nachhaltigkeit seitens Politik und Kostenträgern. Gleiches trifft auf die stationäre urologische Versorgung zu. Gerade bei drohender Unterversorgung setzt sich der BDU für eine Kooperation zwischen Kliniken und urologischen Praxen ein. Der BDU steht hier konsequent für Kooperation statt Konfrontation zwischen Kliniken und Praxen. Es gilt, die Ressourcen beider Sektoren ergänzend zu nutzen.

Für den Berufsverband ist im Gebiet Urologie die sektorübergreifende Zusammenarbeit ein versorgungspolitisches Muss. „Ein Aufkauf von Praxissitzen kommt einer Zwangsenteignung gleich und Arztzulassungen auf Zeit sind auch im Sommerloch eine irrsinnige Botschaft“, so der Präsident Dr. Axel Schroeder.

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