Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 04. Dezember 2014|Aktualisiert am 06. April 2017

66. DGU-Kongressnachlese 2014: Imagewandel in Düsseldorf

Düsseldorf. Zeitenwende in der DGU! Den Beweis dafür hat DGU-Präsident Prof. Dr. Jan Fichtner in Düsseldorf angetreten, der dem 66. Kongress der altehrwürdigen Deutschen Gesellschaft für Urologie ein neues Image und seiner Präsidentschaft damit die ganz eigene Handschrift gegeben hat. Die nahezu 7000 Teilnehmer aus aller Welt konnten sich vom 1. bis 4. Oktober 2014 im Düsseldorfer Congress Center (CCD) davon überzeugen: Der DGU-Kongress „wird grün“ und hat den Sprung ins digitale Zeitalter endgültig geschafft.

Die neue Kongress-Philosophie offenbarte sich bereits im Vorfeld mit papierloser Kongressadministration, und wer bei sommerlichen Temperaturen im CCD eincheckte, erhielt eine recycelte Kongresstasche aus einem südafrikanischen Charity Township-Projekt. Deren bunte Vielfalt machte die Schultertaschen übrigens umgehend zu begehrten Tauschobjekten. Namensschilder ohne Plastikhüllen und Umhängebänder aus Naturmaterialien sprachen ebenso für die neue Nachhaltigkeit wie Mülltrennungsinseln und der Verzicht auf Plastikgeschirr. Hinter den Kulissen wurde die Düsseldorfer Tafel bedacht.

Neudeutsch „refreshed“ präsentierte sich die DGU-Kongress-App: Die rund 1700 Nutzer konnten in diesem Jahr auf innovative Features zugreifen, die eine elektronische Frageeinreichung zu jedem Vortrag sowie eine elektronische Evaluierung ermöglichten. Für noch mehr Integration der Zuhörer dank weiterer Digitalisierung sorgten interaktive iPad Sessions, die zusätzlich zu den TED-Sitzungen eingeführt wurden, und passender Weise feierte auf dem 66. DGU-Kongress das erste Forum zu den sozialen Medien Premiere. Diese hatte Prof. Fichtner, unterstützt von der GeSRU, schon im Vorwege genutzt und natürlich wurde auch in Echtzeit aus dem CCD, wo Ladestationen für mobile Endgeräte gut ins Bild passten, gezwitschert.

Markenzeichen: grün und digitalisiert 

Kurzum Prof. Fichtner ist es unter dem Motto „Demografischen Wandel gestalten“ in Düsseldorf gelungen, das Alter thematisch zu fokussieren und gleichzeitig den Kongress zu verjüngen. Mit der Nachhaltigkeit und der Digitalisierung hat er dabei zwei neue Markenzeichen etabliert, die zweifelsohne für eine moderne DGU stehen. Das tat auch sein schnörkelloses, aber umso herzlicheres Willkommen, mit dem der 52-Jährige einen rheinisch-fröhlichen Eröffnungsabend in der Brauerei Schlösser in der Düsseldorfer Altstadt einläutete.

Zuvor hatte der erste Kongresstag den Teilnehmern bereits eine Fülle von Informationen und den Verantwortlichen zahlreiche Termine gebracht. DGU-Generalsekretär Prof. Dr. Oliver Hakenberg, der DGU-Präsident und BDU-Präsident Dr. Axel Schroeder hatten sich in einem Pressegespräch den Fragen der Journalisten gestellt, am Mittag hatte die DGU-Prominenz dem Berufsverband zum 60-jährigen Bestehen gratuliert und auf dem kurzen Empfang hochrangige BDU-Gäste wie den KBV-Vorsitzenden Andreas Gassen begrüßt. Die PatientenAkademie konnte sich am ersten Kongresstag schon über ein bis auf den letzten Platz gefülltes Patientenforum im Haus der Universität freuen: Die gut 150 Besucher wurden von Prof. Dr. Christian Wülfing, dem stellvertretenden Vorsitzenden der PatientenAkademie, gleichermaßen sensibel wie humorvoll durch das Programm geführt, das von Prof. Dr. Andres J. Schrader (Prostataerkrankungen), Prof. Dr. Tim Schneider (Sexualität im Alter) und Prof. Dr. Daniela Schultz-Lampel (Inkontinenz) verständlich und trotz heikler Themen locker bestritten wurde. Rege Nachfragen aus dem Publikum zeigten, dass sie einen sehr guten Job gemacht hatten.

Im Eröffnungsplenum tags darauf widmete sich Prof. Fichtner in seiner Begrüßung dem demografischen Wandel: „Die Herausforderungen liegen nicht nur auf medizinischem Gebiet, sondern umfassen auch ethische und ökonomische Aspekte der Allokation begrenzter Ressourcen. Fragen der Indikationsstellung und Sinnhaftigkeit einer Intervention bei einem älteren Patienten werden zunehmend unseren Therapiealltag bestimmen.“ Antworten gelte es zu entwickeln, bevor die Politik sie vorgebe. Dafür sei neben klinischer Forschung vor allem mehr Versorgungsforschung notwendig, appellierte der DGU-Präsident. Sichtliche Freude bereitete ihm die Botschaft, dass „die DGU gegen den Trend wächst“, derzeit 5678 Mitglieder hat und unter den 238 neuen Mitgliedern des letzten Jahres 40 Prozent Frauen waren.

Bevor Gastredner Prof. Dr. Christoph Englert - nach eigenem Bekunden froh über den Erstkontakt mit den Urologen - das Auditorium über das Rätsel des Alters aufklärte, oblag es dem Präsidenten, die diesjährigen drei Eisenberger-Stipendiaten der DGU und das erste Eisenberger-Forum eines DGU-Kongresses bekanntzugeben. Höchste Ehre zollte die DGU im Eröffnungsforum schließlich dem diesjährigen Träger der Maximilian Nitze-Medaille: Prof. Dr. Dr. Manfred Wirth. Der Präsident würdigte die unschätzbare Leitlinienarbeit des „internationalen Botschafters der deutschen Urologen“.

Gefragt: der frühe Vogel

Die folgenden Tage ließen keinen Zweifel: Prof. Fichtner und die Programmkommission hatten einen thematischen Hochkaräter zusammengestellt, der Fachbesuchern und Journalisten viele schwere Entscheidungen zwischen den Veranstaltungen abverlangte, die erstmals durchgängig von DGU und BDU moderiert wurden und im Sinne der Transparenz Disclosure Statements der Referenten vorsahen. Themen rund um den älteren urologischen Patienten, Infektiologie, aktualisierte Leitlinien zum PCa, zur BPH und der Kinderurologie, die männliche Infertilität oder die Etablierung der Jungensprechstunde hielten die Besucher auf Trab. Die Spannung hielt bis hinein in den Samstag, der mit Foren zur Active Surveillance bei Nierenzell-, Prostata- und Blasenkarzinom, Gendermedizin in der Urologie, dem PREFERE-Forum, Evidenz und Wissenstransfer und natürlich mit dem Forumsneuzugang zu den sozialen Medien in der Urologie ausnehmend interessant besetzt war. Dessen Premiere vor vollem Haus gelang auf der ganzen Linie. GeSRU-Vorsitzender Dr. Hendrik Borgmann benannte Do’s and Dont’s bei der Nutzung sozialer Medien. Prof. Dr. Thomas Vögeli stellte erstaunliche urologische Apps für die digitalisierte Medizin von Morgen vor und appellierte, diese Chancen zu nutzen: „Seien Sie der frühe Vogel!“ Dass Facebook ein attraktiver Kommunikationskanal für Kliniken sein kann, demonstrierte Prof. Dr. Christian Stief mit dem sehenswerten Facebook-Auftritt seiner Klinik, der das Auditorium begeisterte.

Volle Säle verzeichneten auch die, wieder mit Spannung erwarteten, Öffentlichkeitsforen. Klare Worte fanden die Referenten - Prof. Dr. Joachim Steffens, Prof. Dr. Paolo Fornara, Prof. Dr. Stephan Roth und Prof. Dr. Oliver Hakenberg - angesichts aktueller Kontroversen um „Ärztepfusch“, Hirntotdiagnostik, internetbasierte Krankenhaussuche und Bezahlung nach Qualität. Sie trafen bei Kollegen und Journalisten ins Schwarze und provozierten zahlreiche, natürlich per App eingereichte Fragen und nachfolgende Diskussionen. Zugpferd im zweiten Öffentlichkeitsforum zum PCa waren, so unsere Teilnehmerbefragung, fraglos die News zur Aktualisierung der S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom. Ganz nebenbei erfuhren die Forumsbesucher bei der dortigen Verleihung des erstmals von der DGU ausgeschriebenen „Medienpreis Urologie“, dass der berühmte Dr. Sommer, seines Zeichens seit Generationen Sexualberater des Jugendmagazins BRAVO, derzeit in Maschen bei Hamburg lebt und im wirklichen Leben Marthe Kniep heißt. Die freie Journalistin und Diplom-Pädagogin wurde für ihre Online-Berichterstattung über die Beschneidung von Jungen ausgezeichnet.

Veröffentlicht: News aus Düsseldorf 

Apropos Medienvertreter: Sie kamen gewohnt zahlreich zur Pressekonferenz der DGU, die von Pressesprecherin Prof. Dr. Sabine Kliesch souverän moderiert wurde. Der Präsident lieferte Fakten zum demografischen Wandel, Prof. Hakenberg warnte davor, das Prostatakarzinom zu verharmlosen, Prof. Roth präsentierte mit der Gendermedizin in der Urologie ein Novum auf einer DGU-Pressekonferenz, und die Fachjournalisten bewiesen mit dezidierten Nachfragen ihre große fachliche Expertise. Druckfrisch konnte der Presse in Düsseldorf außerdem die DGU-Broschüre zur Jungensprechstunde präsentiert werden.

Der Schüleraktionstag erwies sich erneut als Kameramagnet und sorgte u.a. für einen attraktiven TV-Beitrag im WDR. Dr. Dr. Stefan Buntrock und zahlreiche GeSRU-Vertreter hatten sich auch in diesem Jahr für die Nachwuchsaktion intensiv engagiert. Tolle Vorträge und vor allem praktische Übungen an hochwertigen medizinischen Geräten konnten die Oberstufenschülerinnen und -schüler begeistern. O-Töne potentieller Medizinstudenten wie „überraschend gut“ oder „viel interessanter als erwartet“ zeigen, dass die DGU die Zielgruppe und die gewünschte Wirkung erreicht.  

Auf der DGU-Mitgliederversammlung, die einen ereignisreichen zweiten Kongresstag beschloss, wurde Prof. Dr. Tilmann Kälble aus Fulda als 2. Vizepräsidenten in den Vorstand der Fachgesellschaft gewählt. Ebenfalls neu im DGU-Vorstand ist Prof. Dr. Maximilian Burger aus Regensburg, der Prof. Dr. Bernd Wullich, Erlangen, als Leiter des Ressorts Forschungsförderung folgt. Für weitere zwei Jahre in ihren Ämtern bestätigt wurden: DGU-Schatzmeister Prof. Dr. Jan Lehmann, Prof. Dr. Jan Roigas als Leiter des Vorstandsressorts Wissenschaft und Praxis sowie Prof. Dr. Maurice-Stephan Michel als Leiter des Ressorts Fort- und Weiterbildung.

Weitere Nachrichten aus Düsseldorf folgten: etwa aus dem prominent besetzten berufspolitischen Forum von DGU und Berufsverband, das sich gegen Grauzonen bei der erwarteten rechtlichen Neuregelung zur Korruption aussprach oder aus der BDU-Mitgliederversammlung. „Präsident Schroeder für eine zweite Amtszeit gewählt“, twitterte die Pressestelle imagegerecht noch vor der Veröffentlichung der entsprechenden Pressemitteilung. Weiter gab es eine Buchvorstellung aus dem CCD zu melden. Die historische Ausstellung der DGU nahm die rheinische Urologieentwicklung nicht nur mithilfe vielfältiger medizinhistorischer Objekte und Dokumente in den Blick. Der Kurator des DGU-Museums Dr. Friedrich Moll M.A. und Medizinhistoriker Thorsten Halling M.A. präsentierten mit „Urologie im Rheinland“ überdies ihr neues Buch, das Ort und Raum in der Medizingeschichte beleuchtet.

Sportliche News gab es bereits am frühen Freitagmorgen vom Benefiz-Lauf der Urologen zugunsten der „Ärzte für Afrika“, der mit 70 Läuferinnen und Läufern einen neuen Teilnehmerrekord und Spitzenleistungen über fünf Kilometer verbuchte. Der Sieg ging an

Dr. Melanie Kaufmann aus Frankfurt in 21.10 Minuten und den weitgereisten Dr. Shunsuke Yamaguchi aus Joetsu in Japan mit einer Zeit von nur 17.59 Minuten!

Vom diesjährigen Pflegekongress unter dem Dach der DGU-Jahrestagung können wir gute 800 Teilnehmer vermelden, die viele neue, verständlich aufbereitete Informationen lobten. Die Industrieausstellung war mit 180 Firmen außerordentlich gut aufgestellt. Gleiches gilt einmal mehr für Kongressveranstalter Interplan, der die urologische Großveranstaltung in die bewährten Hände von Tanja Langmesser gelegt hatte, die in gewohnter Ruhe alles perfekt im Griff hatte - natürlich einschließlich des Festabends, der dank präsidialer Anti-Aging-Kur allerdings inzwischen „DGU-Abend“ heißt.  

Sehenswert: Ein Präsident im Kaftan

Wasserspiele, spektakuläre Industrie-Architektur und eine erfrischend sympathische Familie Fichtner empfingen die Gäste in den Alten Schmiedehallen der Böhler Werke, wo mit den „Besten für die Urologie“ der aufstrebende Nachwuchs vorgestellt wurde und anlässlich der Vergabe des Ritter von Frisch-Preises eine Zeitreise durch das ebenso erfolgreiche wie musikalisch bewegte Leben Prof. Dr. Jan Rassweilers führte. Mit dem Preis des Präsidenten würdigte Prof. Fichtner ganz persönlich das große Engagement mit dem sich Prof. Dr. Reinhold Horsch im Rahmen der „Ärzte für Afrika“ seit Jahren für die urologische Versorgung in Ghana einsetzt. Der Dank des Preisträgers bescherte dem Publikum schließlich den unvergessenen Anblick eines DGU-Präsidenten im Kaftan und zeugt von einem ausgesprochen kurzweiligen offiziellen Programm. Dann wurde gefeiert. Dass die Urologen auch in dieser Disziplin spitze sind, ist hinlänglich bekannt.

Letzte medizinische Highlights setzte das gut besuchte Abschlussplenum; die traditionelle Amtsübergabe beendete die DGU-Jahrestagung unter der Leitung von Prof. Jan Fichtner, der sie „mit Herz und großer Leichtigkeit“ bestritt - so das vielstimmige Echo. Durch und durch Teamplayer dankte der Chefarzt der Urologischen Klinik des Johanniter Krankenhauses in Oberhausen allen Mitstreitern - vor allem in seiner Klinik und dem nun dauerhaft eingerichteten Kongressteam in Düsseldorf. Die Präsidentschafts-Insignien übergab er an Prof. Dr. Stephan Roth, der analog zu einem bekannten deutschen Autohersteller, ein großes Ziel hat. „Umparken im Kopf“ will der Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Helios Klinikum in Wuppertal, schließlich drehe sich in der Urologie nicht alles um die Prostata. „Urologie umfasst mehr“ heißt folgerichtig das Motto der 67. DGU-Jahrestagung vom 23. bis 26. September 2015 in Hamburg, die beste Aussichten für das neue moderne Kongress-Image verspricht, denn besagte Automarke ist, um nochmals das Neudeutsche zu bemühen, inzwischen „hip“.

Text: DGU-Pressestelle/Sabine Glimm

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