Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 03. Dezember 2006|Aktualisiert am 06. April 2017

Dr. Martin Bloch - Das Portrait

Dr. med. Martin Bloch

Dr. Martin Bloch - Wer ist der neue Mann an der Spitze des Berufsverbandes der Deutschen Urologen? Fachzeitschriften haben ihn bereits als Amtsträger mit seinen berufspolitischen Zielen portraitiert. In einem Gespräch mit der Pressestelle - Bettina-C. Wahlers und Sabine M. Glimm - gibt der auf dem DGU-Kongress in Hamburg gewählte Verbandspräsident Seiten von sich preis, die es erlauben, ein ganz persönliches Bild von ihm zu zeichnen.

„Er trägt dezente blaue Blazer, ist liberal, vornehm und gediegen, dezent und weltoffen, fällt niemals aus der Rolle und er ist dem Wasser sehr verbunden“ – diese Beschreibung für die norddeutsche Spezies, den typischen Hanseaten, könnte auch auf Dr. Martin Bloch zutreffen, wenn man ihn das erste Mal „in Augenschein“ nimmt. Doch weit gefehlt: Dr. Bloch ist gebürtiger Rheinländer, der in der Bayrischen Hauptstadt aufwuchs - er trägt auch gerne Jeans, dicke Pullover und einen Ostfriesennerz.

„Ich bin da nicht einseitig geprägt, mit einer Mutter aus dem Rheinland, einem Vater aus Westpreußen, der Kindheit in München und verheiratet mit einer Bremerin“, sagt er. Dennoch sei Hamburg, die Stadt, in der er seit 23 Jahren lebt, für ihn ein Glücksgriff gewesen. „Die Alster, die Elbe, das wechselhafte Wetter, die Nähe zu der Nordseeinsel Sylt, mein Ruderclub, meine Familie“ – das ist Dr. Blochs spontane Auflistung auf die Frage, was er an dieser Stadt besonders schätzt.

Die Reise durch die medizinischen Fächer führte ihn 1983 in die Hansestadt. „Ich habe eine fundierte fachliche und wissenschaftliche Ausbildung genießen dürfen. Den Drang zur universitären Laufbahn habe ich nie wirklich verspürt, da hätte mir die Theologie eher gefallen“, sagt der 53-Jährige. Zurückblickend möchte er insbesondere die zwei Jahre im Pathologischen Institut der Universität Heidelberg, kurz vor dem Wechsel nach Hamburg, nicht missen. „Pathologe konnte ich damals aufgrund eines Augenproblems nicht werden, das aber mittlerweile behoben ist.“ Dr. Bloch, der mit seinem Namensvetter aus der ARD-Krimireihe wenig gemein hat, wollte eigentlich in die Chirurgie, bekam dann aber in Hamburg am Universitätskrankenhaus (UKE) eine Halbjahresstelle in der Anästhesie. „Operativ tätig zu sein, war bezüglich der Wahl des Fachs entscheidend, der Weg in die Urologie war dann natürlich die Folge, nachdem mir die große Chirurgie durch zweite Assistenzen und Schraubendreher linksherum gründlich verleidet war.“ Der Entschluss zur Niederlassung 1991 in einer etablierten Hamburger Praxis sei aus familiären Gründen erfolgt. Denn: „Auch in der Karriereplanung hatte die Familie für mich immer erste Priorität“, sagt der Vater dreier erwachsener Söhne.

„Mein Theologiestudium, das parallel zum Studium der Humanmedizin in Heidelberg lief, konnte ich leider nicht beenden, weil es dort hieß: ‚Einen Doktor der Theologie, der kein Altgriechisch beherrscht, den wird es in Heidelberg nicht geben.’ “ Nach dem Ende der akademischen Auseinandersetzung mit der Theologie, folgte die Praktische. „Man bleibt natürlich seinem Glauben treu und so stiegen wir dann in Hamburg mit unserer Familie aktiv in das Gemeindeleben ein, denn Glaube im stillen Kämmerlein funktioniert nicht.“ Als Synodaler, Mitglied des Kirchenkreisvorstandes engagierte sich Dr. Bloch über ein Jahrzehnt. „Dass das persönliche Leben aus dem Glauben heraus geprägt ist, liegt auf der Hand. Glaube ist nicht eine intellektuelle Möglichkeit, sondern eine Qualität für sich: Wenn man einmal diese Stütze hat, auch in der Familie und in der Partnerschaft, weiß man, wo man steht und handelt von recht sicherem Boden.“

Auf ein Lebensmotto möchte sich der neue Präsident nicht festlegen, aber das Glück im Augenblick – das könne er „absolut genießen und dankbar dafür sein.“ Zwei Dinge seien ihm ganz besonders wichtig und die empfinde er als puren Luxus: „Zeit und Raum. Deshalb bin ich wohl auch so gerne auf dem Wasser, weil ich dort Zeit und Raum empfinde und mir kein Berg im Weg steht. Ich gönne mir Rückzugsmöglichkeiten: Früher war es das Segeln, heute ist es das Rudern. Es sind lange Spaziergänge oder ein Wochenende auf Sylt. Dieses Auftanken ermöglicht mir, an anderen Tagen so ‚ranzuklotzen’ wie nötig.“ Ja, er lege eine gewisse Hartnäckigkeit an den Tag, die man ihm auch als Verbissenheit oder Sturheit auslegen könnte. „Wenn ich mir etwas vornehme, einen Entschluss fasse, ziehe ich ihn von Anfang bis Ende konsequent durch, ohne anderen dabei auf die Füße zu treten.“ Diese Hartnäckigkeit könne man als einen seiner herausragenden Charakterzüge sehen. Doch Martin Bloch, der als 18-jähriger Schüler ein Jahr in Connecticut/USA studierte, hat für dieses spezielle Persönlichkeitsmerkmal ein passenderes Wort, sein Lieblingswort so zusagen, für das es keinen deutschen Ausdruck gibt: „Wenn jemand etwas committed, dann heißt das: Er steht dazu. Auf das, was er gesagt hat, ist Verlass.“ Das kann seine Frau nur bestätigen: Die Blochs feiern demnächst silberne Hochzeit. Eine weitere Eigenschaft, die ihn ausmache sei, dass er in Strukturen, also recht analytisch denkt: „Und beides zusammen“, so scherzt er, „ist der schnörkellose Pragmatiker.“

Als solcher kann sich der neue BDU-Chef als Erstes gleich auf ein Thema konzentrieren, das ihm bereits auf dem DGU-Kongress in Hamburg „mitgegeben“ wurde und „das in der Tat sehr viel Kraft bindet, aber an dem auch sehr viel hängt: Die Auseinandersetzung mit dem Korbmodell“, so Bloch. Das Korbmodell stehe für den Erhalt der Freiberuflichkeit, die ohne freie Arztwahl des Patienten nicht denkbar sei. „Ich bin sicherlich jemand, der sofort aufschreit, wenn es um Individual- und Exclusivvertragslösungen geht, denn da steckt ja manchmal ein vermeintlicher pekuniärer Vorteil dahinter, der aber langfristig - wenn man diese Schiene der Feiberuflichkeit und der freien Arztwahl verlässt - nicht trägt. Das Korbmodell hilft mir jetzt in idealer Weise, genau das zu transportieren. Selbst wenn sich die Körperschaften anders strukturieren, wird es andere Formen einer Vertretung und von Zusammenschlüssen von freien Ärzten geben. Um die freie Ärzteschaft ist mir nicht Bange und das ist auch ein wichtiges Pfund, das wir in die Diskussion werfen werden.“ Insofern sei er dem Korbmodell gegenüber auch nicht neutral. „Wobei ich sagen muss: Das Präsidium hat klare Strategiemöglichkeiten. Wir propagieren das Korbmodell und versuchen Mehrheiten zu finden oder, diese Haltung vertrete ich, wir sagen, dass es eine regionale Entscheidung ist, da die regionalen Bedingungen zu unterschiedlich sind. Die Regionen können sich aber trotzdem sicher sein, dass sie die volle Unterstützung haben, egal ob sie im Korb sind oder nicht. Das muss sich das Präsidium offen halten und klar die Prämisse setzen: Wir sind die Vertretung aller Urologen.“ Mit dem Ergebnis und der regionalen Auswertung der geplanten Umfrage zum Korbmodell unter den Mitgliedern des Berufsverbandes rechnet er Ende Januar 2007.

Ein weiterer Punkt, der ganz oben auf seiner Prioritätenliste im Amt des Präsidenten steht, ist die Verbesserung der Kommunikation innerhalb des Berufsverbandes. Und die dritte Frage, die möglichst zügig bearbeitet werden soll: Wie kann man den regionalen Verbünden unter dem Dach des Berufsverbandes ein gemeinsames Forum zum Austausch bieten, „um die singulären hoch kompetenten Zusammenschlüsse in den Regionen zu bündeln und die Synergie zu nutzen.“

Sein persönlicher Amtsstil: „Ich bin kein Team Mensch - toll, ein anderer machts. Eine starke Führung nach außen, die muss sein, weil es die einzige Möglichkeit ist, wie wir überhaupt gehört werden. Nach „innen“ braucht man einen Kreis von Personen, in dem die Politik besprochen, beraten und beschlossen wird. Diese Gruppe wird sich finden. Das mag jemand anders dann wieder Team nennen.“

Von den Mitgliedern wünscht sich der neue Berufsverbands-Chef: „Dass sie in der Tat ein bisschen mehr ihren eigenen Verband in Anspruch nehmen, bei den führenden Leuten aktiv nachfragen, nach dem Motto: ‚Was macht ihr eigentlich?’ Dann habe ich auch einmal die Gelegenheit, zu begründen, was ich für sie tue. Der Berufsverband würde so bei vielen Mitgliedern sicher wieder in ein anderes Licht geraten und das könnte dazu führen, dass sie aktiv mitwirken, sodass sich die Gemeinsamkeit der Urologen nicht nur darauf beschränkt, dass ihr Mitgliedsbeitrag einmal im Jahr erhoben wird. In diesem Sinne hoffe ich auf viele aktive Verbandsmitglieder.“