Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 03. Dezember 2006|Aktualisiert am 06. April 2017

Chemoprävention

Akademie der Deutschen Urologen e.V. - Pressemitteilung

Chemoprävention des Prostatakarzinoms – eine Neubewertung

Stellungnahme des Arbeitskreises Prävention, Umwelt und Komplementärmedizin (PUK) und des Arbeitskreises Onkologie (AKO) der Akademie der Deutschen Urologen

Düsseldorf, 30.10.2006
Vor drei Jahren wurden die Ergebnisse des Prostate Cancer Prevention Trial (PCPT) veröffentlicht. In einer Studie an 18.882 amerikanischen Männern konnte damals gezeigt werden, dass die Einnahme der Substanz Finasterid (Proscar®) über sieben Jahre das Auftreten von Prostatakrebs im Vergleich zu einer Kontrollgruppe um 25 Prozent senkte. Die Studie wurde, wegen der Eindeutigkeit dieses Ergebnisses, vorzeitig abgebrochen.

Kritisch betrachtet wurde jedoch die Tatsache, dass der Anteil an besonders aggressiven Tumoren bei den Männern, die Finasterid eingenommen hatten, höher lag, als bei den unbehandelten Männern. Diese Beobachtung wurde in den letzten drei Jahren einer umfassenden Analyse unterworfen. Als Ergebnis dieser Untersuchungen darf heute als hoch wahrscheinlich gelten, dass es sich um ein Artefakt handelt, das sich über die bekannte Verminderung des Prostatavolumens unter Finasterid erklärt und deshalb durch eine systematische Prostatabiopsie (in der PCPT-Studie waren es jeweils 6 Proben) aggressive Tumoren wahrscheinlicher erkannt werden können.

Im Rahmen einer Konferenz der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) am 19.12.2005 in Paris wurde von 35 Experten aus 13 europäischen Ländern konsensual Empfehlungen zur Bewertung der Daten aus der PCPT-Studie verabschiedet.

Der Arbeitskreis Prävention, Umwelt und Komplementärmedizin (PUK) sowie der Arbeitskreis Onkologie (AKO) der Akademie der Deutschen Urologen kommen auf Grund der vorliegenden Informationen und unter Berücksichtigung der Ergebnisse dieser Konferenz zu den folgenden Schlußfolgerungen:

  1. Die PCPT-Studie ist eine der wichtigsten Studien zur Prävention und zum Verständnis der Biologie des Prostatakarzinoms.
  2. Die in der PCPT-Studie beobachtete Häufung aggressiver Prostatakarzinome beruht vermutlich auf einem verbesserten Nachweis.
  3. Die Ergebnisse aus der PCPT-Studie sollten in der derzeit entwickelten S3-Leitlinie zur Behandlung des Prostatakarzinoms der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) Berücksichtigung finden.
  4. Eine kritische Information von Ärzten und Laien über die Ergebnisse der PCPT-Studie ist erforderlich.
  5. Männer, die eine Information zur Prävention eines Prostatakarzinoms wünschen, sind über die Ergebnisse der PCPT-Studie zu informieren.

Das zentrale Ziel künftiger Forschung besteht nun darin, herauszuarbeiten, wie die Erkenntnisse aus der PCPT-Studie in die klinische Praxis umgesetzt werden können. In diesem Zusammenhang werden weitere wichtige Informationen aus der noch laufenden REDUCE-Studie erwartet.

Weitere Informationen:

DGU-Pressestelle
Bettina-Cathrin Wahlers & Sabine Martina Glimm
Tel.: (040) 79 14 05 60
eMail: info(at)wahlers-pr.de