Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 15. Dezember 2006|Aktualisiert am 06. April 2017

"Wunderheilmittel" aus dem Versand

28.12.2004 - Verbraucherzentralen und Urologen nehmen den Kampf dagegen auf - Gefährliches Spiel mit der Angst vor Prostatakrebs - Gesundheitsministerium schweigt beharrlich

Berlin / Düsseldorf. Alarmstufe Rot: Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände (BVZV) warnt eindringlich vor den "Wunderheilern", die unter den Namen „Dr. Zimmermann“ und „Dr. Weissenberg“ deutschlandweit per Brief Werbung für Wunderpräparate machen, die angeblich vor Prostatabeschwerden schützen. Damit schließt der BVZV sich der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und dem Berufsverband der Urologen (BDU) an, die sich seit einem Jahr bemühen, den Geschäftemachern der VitaminShop Direct Inc. - eine Briefkastenfirma mit Sitz im niederländischen Kerkrade - das Handwerk zu legen.

In den Werbeschreiben werden in unverantwortlicher Weise Männer dazu aufgefordert, einzig und allein auf Präparate zu vertrauen, deren Wirkung in keiner Weise belegt ist, und sie werden eindringlich vor der Konsultation von Schulmedizinern gewarnt. Aus diesem Grund hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen gegen "Dr. Zimmermann" und "Dr. Weissenberg" Strafanzeige gestellt.

Der BVZV, der im Gegensatz zur DGU auch in Wettbewerbsangelegenheiten klagebefugt ist, hat darüber hinaus eine Unterlassungsklage angestrengt, um den weiteren Versand der Werbebriefe zu unterbinden, und recherchiert jetzt europaweit über ein Netz der Verbraucherzentralen in Sachen VitaminShop Direct Inc.

"Wir sind erleichtert, dass nun auch die Verbraucherzentralen unsere Ansicht teilen und sich bemühen, Patienten vor diesen selbst ernannten Wunderheilern zu schützen", sagt DGU-Pressesprecherin Dr. Margit Fisch, Leiterin des Urologischen Zentrums Hamburg. Sicherlich wird es nicht möglich sein, den Vertrieb der Präparate als solches zu untersagen; es wäre aber schon äußerst hilfreich, wenn die bisherige gesundheitsgefährdende Werbestrategie untersagt würde.

An anderer Stelle haben die Sorgen der Urologen um die Gesundheit ihrer Patienten offenbar nicht so viel Eindruck gemacht: Trotz diverser Schreiben an das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung in Berlin wartet die DGU vergeblich auf eine Antwort. Ministerin Ulla Schmidt (SPD) und ihr Ministerium hüllen sich hartnäckig in Schweigen.

Dabei schüren die "Wunderheiler" nicht nur in perfider Weise die Ängste der Männer vor Prostatakrebs, sie zerstören auch das Vertrauensverhältnis vieler Patienten zu ihrem Arzt. Es ist zu vermuten, dass "Dr. Zimmermann" und "Dr. Weissenberg" Zugriff auf datengeschützte Patienteninformationen haben, da gezielt Männer angeschrieben werden, die gerade eine Prostatauntersuchung mit PSA-Test hinter sich haben oder bei denen eine Prostatakrankheit diagnostiziert wurde.

In der Pressestelle der DGU und des BDU steht seit Wochen das Telefon nicht mehr still, weil sich Urologen und auch Hausärzte melden, deren Patienten vermuten, ihr Arzt habe ihre Daten weitergegeben. "Das ist selbstverständlich nicht der Fall, aber alleine eine solche Vermutung kann begreiflicherweise das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt zerstören", sagt Dr. Margit Fisch. Auch deshalb wollen DGU, BDU und der Bundesverband der Verbraucherzentralen alles tun, was in ihrer Macht steht, um die Patienten vor den Briefen der Wunderheiler zu schützen - notfalls auch ohne Rückendeckung aus dem Gesundheitsministerium.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Pressestelle:
Bettina-Cathrin Wahlers