Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 15. Dezember 2006|Aktualisiert am 06. April 2017

Jenaer Harnblase

29.11.2004 - Eine „Weltneuheit“ mit alter Geschichte - Ulmer Urologe: OP-Methode eignet sich nur für eine kleine Gruppe von Blasenkrebs-Patienten

Ein Leben ohne Potenzprobleme und Inkontinenz nach einer Blasenkrebsoperation ist die Hoffnung aller Betroffenen. Diese Hoffnung wollen die Mediziner der Universitätsklinik Jena mit ihrer „Jenaer Harnblase“ erfüllen. Doch was derzeit als „Weltneuheit“ verkündet wird, ist nach Ansicht von Professor Jürgen E. Gschwend (Uniklinik Ulm) und der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) nicht nur bereits bekannt, sondern auch nur für eine kleine Gruppe von Patienten uneingeschränkt geeignet.

Beschrieben wurde die Methode, die von den ostdeutschen Ärzten „Jenaer Harnblase“ getauft wurde, bereits vor Jahren von mehreren anderen Kollegen. Erst im August veröffentlichte eine italienische Arbeitsgruppe um Dr. Carlo Terrone erneut eine entsprechende Methode im European Journal of Urology. Von 1984 bis 1999 operierten die italienischen Ärzte 28 an Blasenkrebs erkrankte Männer. Dabei entfernte man die Harnblase komplett, Teile der Prostata und die Samenblasen sowie die Potenznervenstränge blieben erhalten. Aus einem Darmanteil wurde eine Ersatzblase gebildet. Diese Patienten wurden über einen langen Zeitraum beobachtet. Bei fast allen Operierten war die Potenz erhalten geblieben. Die Kontinenz war allerdings nur zufrieden stellend und ein hoher Anteil an Patienten konnte die Ersatzblase nicht vollständig entleeren und war auf einen Katheterismus angewiesen.

Professor Gschwend bewertete in einem Kommentar zu der Arbeit die Langzeitstudie zwar für ausgewählte Patienten als prinzipiell interessant - insbesondere für junge und sexuell aktive Männer - aber sie biete keinerlei Hinweise auf die Tauglichkeit dieser OP-Methode in Bezug auf andere Fälle mit fortgeschrittenerem Tumorleiden oder mit Tumoren an mehreren Orten in der Blase. Es bestehe die Gefahr, dass durch die nur teilweise erfolgte Entfernung der Prostata Krebszellen zurückbleiben oder verschleppt werden. Zusätzlich findet sich bei einem hohen Anteil von Patienten mit Blasenkrebs ein begleitender Prostatakrebs, der dann ungenügend behandelt ist. Der Goldstandard in den meisten Fällen von aggressivem Blasenkrebs ist die komplette Entfernung von Harnblase und Prostata in Verbindung mit einer Darmersatzblase. Diese Operation kann sehr wohl mit einer Erhaltung der Potenznerven durchgeführt werden und resultiert in sehr guter Kontinenz und einem Erhalt der Potenz in einem hohen Prozentsatz ohne die Risiken zu beinhalten, die die oben beschriebene Operationsmethode beinhalte – egal, unter welchem Namen sie ausgeführt wird.

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Bettina-Cathrin Wahlers