Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 18. Januar 2012|Aktualisiert am 06. April 2017

Aktualisierung der S3-Prostatakarzinom-Leitlinie

Düsseldorf, 12.09.2011 - Prostatakrebspatienten nach dem aktuellsten Stand der Wissenschaft behandeln: Fast genau zwei Jahre nach ihrer Veröffentlichung wird die „Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms“ nun bereits aktualisiert. Ab sofort ist die Konsultationsfassung online auf den Internetseiten der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU), der beteiligten Fachgesellschaften sowie des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) einzusehen und kann vier Wochen lang kommentiert werden. Stellungnahmen und Änderungsvorschläge werden berücksichtigt, sofern sie begründet und mit Literatur hinterlegt sind und können per E-Mail an info(at)azq.de gesendet werden.

Mit der Aktualisierung verfolgen die beteiligten Fachgesellschaften ihr Konzept der „lebendigen Leitlinie“, das neue wissenschaftliche Erkenntnisse möglichst schnell in der medizinischen Versorgung verankern soll. „Die Leitliniengruppe hat eine modulare Aktualisierung vorgenommen“, sagt der Vorsitzende der Leitliniengruppe Prostatakarzinom Professor Dr. med. Dr. h. c. Manfred Wirth. „Das heißt, es wurden Themen priorisiert, für die eine mögliche Veränderung von Empfehlungen gesehen wurde, wie etwa bei der Früherkennung, der Behandlung des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms oder der Behandlung von Knochenmetastasen. Hier war bereits nach zwei Jahren wesentliche neue Literatur zu berücksichtigen“, so der Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden. Aber auch neue Themen wurden bearbeitet, darunter der Stellenwert der Protonentherapie, die Prävention von Kiefernekrosen bei Behandlung von Knochenmetastasen sowie bildgebende Verfahren.

Konkret enthält die Leitlinie, nach Auskunft von Professor Wirth, nun detaillierte Empfehlungen, welche bildgebende Diagnostik für welche Indikation in Primärdiagnostik und Ausbreitungsdiagnostik empfohlen wird - aber auch, was nicht empfohlen wird. Für die Behandlung von Knochenmetastasen und insbesondere für die Zweitlinientherapie des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms werden neue medikamentöse Optionen benannt, aber auch die Prävention von Komplikationen adressiert. Für die aktive Überwachung (Active Surveillance) wurden die Indikationen eines Abbruchs der Therapie präzisiert. Bei der Strahlentherapie des high risk bzw. lokal fortgeschrittenen Karzinoms wird auch die Option einer kürzeren Hormontherapie als bisher eingeräumt. Bei der Früherkennung hat sich dagegen lediglich das Statement zur Studienlage, nicht aber das grundsätzliche Vorgehen geändert. Der Dresdner Urologe: „Die Änderungen sind für Ärzte und Patienten relevant. Es wird verstärkt darauf ankommen, dass die Ärzte ihren Patienten den Nutzen und auch einen möglichen Schaden der Maßnahmen verständlich erläutern, so dass die Patienten gut informiert über die gewünschten Behandlungsmaßnahmen entscheiden können.“

Da bereits während der Aktualisierung weiterer Überarbeitungsbedarf identifiziert wurde, will die rund 50-köpfige Leitliniengruppe das Projekt der „lebendigen Leitlinie“ fortführen und beantragte beim onkologischen Leitlinienprogramm nun Mittel für weitere jährliche modulare Aktualisierungen für die nächsten vier Jahre. „Dieser Antrag bedeutet eine konsequente Umsetzung unseres Konzeptes und ist der erste dieser Art“, betont Professor Wirth, der auf dem 63. DGU-Kongress vom 14. bis 17. September 2011 in Hamburg über Änderungen in der Leitlinie referieren und damit eine breite Fachöffentlichkeit informieren wird.

Hintergrundinformation: Die Erstellung sowie die laufende Aktualisierung der interdisziplinären S3-Prostatakarzinom-Leitlinie erfolgte unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. in Kooperation mit dem ÄZQ im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG) und der Deutschen Krebshilfe e.V. (DKH). Dabei haben folgende beteiligte Organisationen mitgewirkt: der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V., die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO), die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO), der Berufsverband Deutscher Strahlentherapeuten (BVDST), die Deutsche Gesellschaft für Pathologie (DGP), die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN), die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG), sowie der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS).

Hier finden Sie die Konsultationsfassung

Journalisten können sich zum 63. DGU-Kongress in Hamburg
unter www.dgu-kongress.de akkreditieren.

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