Prostatabiopsie

Autor: Dr. Arne Tiemann|Veröffentlicht am 31. Januar 2007|Aktualisiert am 17. August 2016

Zusammenfassung

Eine auffällige Tastuntersuchung der Prostata beim Urologen, oder ein erhöhter bzw. schnell steigender PSA-Wert (Prostataspezifischen Antigens - PSA) können im Rahmen einer Früherkennungsuntersuchung auf das Vorliegen eines Prostatakrebses hinweisen.

Der PSA-Wert kann aber auch bei einer gutartig vergrößerten Prostata (Prostatahyperplasie) oder einer Entzündung der Prostata (Prostatitis) erhöht sein.

Da zur genaueren Beurteilung und zur Diagnosestellung Gewebe der Prostata von einem Pathologen unter einem Mikroskop untersucht werden muss, kann es notwendig sein, dieses Gewebe mittels einer sog. Prostatabiopsie zu entnehmen.

Wofür wird eine Prostatabiopsie benötigt?

Bei einer Prostatabiopsie handelt es sich um die Entnahme von Gewebe aus der Prostata zwecks anschließender Untersuchung unter einem Mikroskop. Die Prostatabiopsie ist ein etabliertes und sicheres Verfahren und stellt zurzeit die einzige Möglichkeit zur definitiven Diagnose eines Prostatakarzinoms dar.

Warum erfolgt eine Prostatabiopsie?

Bei klinischem Verdacht auf das Vorliegen einer Prostatakrebserkrankung oder bei auffälligen Befunden im Rahmen einer Früherkennungsuntersuchung kann eine Prostatabiopsie notwendig sein um die Diagnose zu sichern oder den Verdacht aus dem Weg zu räumen.

Männer, die sich nach entsprechender Aufklärung einer urologischen Früherkennungsuntersuchung unterziehen wollen, wird eine Tastuntersuchung der Prostata und die Bestimmung des PSA-Wertes empfohlen.

Sollten sich hierbei Auffälligkeiten ergeben, sollte eine Probebiopsie mit dem Patienten diskutiert werden.

Dazu ist es wichtig, dass der Patient in einem ausführlichen Gespräch mit seinem Urologen auf die Möglichkeit einer Prostatakrebsdiagnose und deren Konsequenzen und Risiken der Biopsie hingewiesen wird. Zudem sollte der Patient darüber aufgeklärt sein, dass sowohl durch eine Früherkennungsuntersuchung, als auch eine Prostatabiopsie ein geringes Restrisiko besteht, einen Prostatakrebs zu übersehen.

Welche Vorbereitungen sind zu treffen?

Vor dem Eingriff steht das Aufklärungsgespräch mit dem Urologen. Hier wird auf die gängigen Risiken des Eingriffes (s.u.) hingewiesen. Zusätzlich sollte der Patient darüber informiert werden, dass eine Biopsie zwar einen Prostatakrebs nachweisen kann, jedoch auch im Rahmen eine Biopsie übersehen werden kann, wenn er durch die Biopsie nicht „getroffen“ wird.

Der Patient sollte bereits in diesem Gespräch alle sich ihm aufdrängenden Fragen und Zweifel zur Sprache bringen.

Wichtig ist zudem den Arzt auf Medikamente hinzuweisen, die die Blutgerinnung beeinträchtigen (z. B. ASS, Plaxix, Xarelto, Marcumar etc.).

Zusätzlich wird der Urologe mit dem Patienten eine prophylaktische Einnahme eines Antibiotikum im Rahmen der Prostatabiopsie besprechen, um einer bakteriellen Infektion nach der Prostatabiopsie vorzubeugen.

Wie ist die Vorgehensweise bei einer Prostatabiopsie?

Abb.: Grafische Darstellung der Prostatabiopsie

Die Prostatabiopsie wird regelhaft ambulant im Krankenhaus oder in der urologischen Praxis durchgeführt. Standard ist heute eine ultraschallgesteuerte Entnahme von 10-12 Proben aus der Prostata. Ein stationärer Aufenthalt oder eine Narkose sind selten notwendig.

Die Biopsie erfolgt ultraschallgesteuert über den Enddarm. Das Instrumentarium ist mit dem transrektalen Prostata-Ultraschall in der urologischen Praxis vergleichbar.

Zunächst wird oft eine lokale Betäubung der Prostata vorgenommen. Die Applikation erfolgt über eine Nadel, welche durch eine Führungsschiene am Ultraschallkopf vorgeschoben wird. Unter dieser Ultraschallsteuerung kann dann ein lokales Betäubungsmittel gezielt an die Prostata gespritzt werden.

Über den gleichen Führungskanal wird danach die Punktionsnadel vorgeschoben

Diese Nadel zur Entnahme der Gewebeprobe ist innen hohl. Durch einen Federmechanismus, welcher vom Untersucher ausgelöst wird, schnellt die Hohlnadel ein Stück nach vorne und entnimmt einen Gewebszylinder aus der Prostata (daher auch der teils verwendete Begriff „Prostatastanzbiopsie“). Dieser Gewebszylinder wird aus der Nadel entnommen und an den Pathologen verschickt.

Um Proben aus allen relevanten Arealen der Prostata zu gewinnen, sind bei einer ersten Prostatabiopsie in der Regel 10-12 einzelne Proben notwendig.

Sollte eine erste Prostatabiopsie keinen Nachweis eines Prostatakarzinoms ergeben haben, jedoch aufgrund der Vorbefunde weiterhin ein hochgradiger Verdacht auf das Vorliegen eines Prostatakrebs bestehen, ist ggf. die Durchführung einer erneuten Prostatabiopsie (sog. „Re-Biopsie“) zu diskutieren, in deren Rahmen mehr Stanzzylinder entnommen werden.

Hierfür stehen an einzelnen Standorten auch spezielle ergänzende Methoden für eine noch gezieltere Entnahme von Prostataproben zur Verfügung. Hierzu zählen zum Beispiel die MRT-gesteuerte stereotaktische Prostatabiopsien oder besondere ultraschallgesteuerte Biopsieverfahren wie der C-TRUS/ANNA.

Was geschieht mit den Gewebeproben?

Abb.: Mikroskopische Untersuchung

Die Gewebeproben werden von einem Pathologen untersucht. Dazu wird das Gewebe der Biopsie eingefärbt und unter dem Mikroskop begutachtet. Im Rahmen dieser Untersuchungen können normale von bösartigen Prostatazellen unterschieden werden. Hat sich der Verdacht auf einen Prostatakrebs bestätigt, wird der Grad der Bösartigkeit der Tumorzellen bestimmt. Je mehr sich die Prostatakrebszellen von normalen Prostatazellen unterscheiden, desto unreifer und aggressiver ist der Tumor. Ein unreifer Prostatakrebs wächst in der Regel schnell und führt in kurzer Zeit zu Tumorabsiedelungen (Metastasen, Tochtergeschwülsten).

Was ist nach der Prostatabiopsie zu beachten?

Der Eingriff selbst dauert nur wenige Minuten. Nach dem Eingriff bleiben die Patienten noch für eine kurze Zeit zur Beobachtung.

Durch die eventuelle Einnahme von Schmerz- oder Beruhigungsmitteln wie auch durch die örtliche Betäubung kann die Verkehrstüchtigkeit vorübergehend eingeschränkt sein. Patienten sollten aus diesem Grund auf das Führen eines Fahrzeuges am Tag des Eingriffs verzichten.

Leichte Blutbeimengungen im Urin, Stuhl und Ejakulat sind nach einer Prostatabiopsie häufig und normal.

Patienten sollte insbesondere darauf achten, die mit dem Urologen vereinbarte antibiotische Prophylaxe genau nach Anweisung durchzuführen.

Sollte es in den Tagen nach der Biopsie zu Fieber kommen, ist umgehend der Urologe oder eine urologische Ambulanz aufzusuchen.

Mögliche Komplikationen nach dem Eingriff

In der Regel ist die Prostatabiopsie ein komplikationsarmer Eingriff.

Nach der Prostatabiopsie kann vorübergehende das Wasserlassen erschwert oder ganz unmöglich sein. Dies kann eine vorübergehende Katheterisierung notwendig machen.

Blutbeimengung in Urin, Stuhl und Ejakulat sind häufig und meist unproblematisch. Diese Beschwerden verschwinden in den Tagen nach dem Eingriff meist spontan. Eine stärkere Blutbeimengung im Stuhl durch eine Blutung im Enddarmbereich, welche nicht spontan aufhört, kann jedoch therapiebedürftig sein. Dies ist jedoch insgesamt selten.

Unmittelbar während und nach der Prostatabiopsie können Kreislaufstörungen bis hin zum Kollaps eintreten. Durch Hochlagern der Bein und Flüssigkeitszufuhr sind diese Beschwerden meist rasch zu kontrollieren.

Wie bereits erwähnt sollte der Patient in den Stunden und Tagen nach einer Prostatabiospie auf das Auftreten von Fieber achten. Dies kann Hinweis auf eine bakterielle Infektion der Prostata sein und bei fehlender Behandlung zu einer schwerwiegendem Entzündungsreaktion des gesamten Körpers (septischer Schock) führen. Bei entsprechenden Beschwerden sollte daher ohne Zeitverzug der Urologe oder die nächstgelegenen urologische Klinik aufgesucht werden.

Häufig gestellte Fragen zur Prostatabiopsie

Ist eine Prostatabiopsie nicht gefährlich?
Die Prostatabiopsie ist ein sicheres Verfahren. Nach heutigem Wissensstand kommt es nicht zur Ausbreitung der Tumorzellen im Stichkanal oder zu einer Begünstigung der Entstehung von Tumorabsiedelungen. Auch findet keine Beeinflussung des Wachstumsverhaltens des Prostatakrebses statt.

Wird die Prostatabiopsie in Vollnarkose durchgeführt?
Nein, die Biopsie wird in der Regel mit einer örtlichen Betäubung ambulant durchgeführt.

Ist die Biopsie sehr schmerzhaft?
Nein, der Eingriff findet unter örtlicher Betäubung statt. Das Stanzen mit dem Biopsiegerät geht sehr schnell und ist kaum schmerzhaft.

Kann ich nach dem Eingriff Geschlechtsverkehr ausüben?
Für die Ausübung des Geschlechtsverkehrs gibt es keine Einschränkungen