Krebsfrüherkennung beim Mann

Autor: Dr. Susanne Otto, Dr. Wolfgang Bühmann|Veröffentlicht am 22. November 2006|Aktualisiert am 09. August 2016

Der Prostatakrebs ist gegenwärtig der am häufigsten diagnostizierte bösartige Tumor des Mannes – etwa 58.000 Männer erkranken jedes Jahr in Deutschland, etwa 12.000 sterben jährlich daran. Das mittlere Erkrankungsalter für Prostatakrebs in Deutschland liegt bei 69 Jahren. Bis zum Jahr 2050 wird die Anzahl der über 60 jährigen Männer in Deutschland auf ca. 28 Millionen anwachsen und damit doppelt so hoch sein wie heute. Im gleichen Umfang ist daher auch mit einem Anstieg der Prostatakarzinom-erkrankungen zu rechnen.

Lage der Prostata im männlichen Becken.

Obwohl bereits 1971 in Deutschland die Krebsfrüherkennungsunterschung für Männer ab 45 Jahren als Angebot der gesetzlichen Krankenversicherung eingeführt wurde, nehmen nach bisherigen Erfahrungen maximal 15 Prozent aller Männer diese Möglichkeit der Früherkennung wahr.

Um Prostatakrebs wirkungsvoll behandeln zu können ist das rechtzeitige Erkennen der Erkrankungen von entscheidender Bedeutung. Da eine Prostatakrebserkrankung meist nur in fortgeschrittenen Krankheitsstadien zu Beschwerden führt, kommt der Prostatakrebsfrüherkennung eine entscheidende Rolle zu. Als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung wird eine Tastuntersuchung mit dem Finger angeboten. Allgemeiner Expertekonsens ist jedoch, dass Männern welche eine Früherkennungsuntersuchung wünschen eine Kombination aus der Tastuntersuchung und der Bestimmung des PSA-Wertes angeboten wird.

Was bedeutet die Krebsfrüherkennungsuntersuchung beim Mann?

Ziel der Krebsfrüherkennungsuntersuchung bezüglich der Prostata ist es, schon frühzeitig verdächtige Veränderungen des Organs zu entdecken, um eine mögliche Erkrankung in einem Stadium zu entdecken, in welchem optimale Heilungschancen bestehen. Oftmals ist auch von einer „Vorsorgeuntersuchung“ die Rede. Diese Formulierung ist in sofern missverständlich, als das einer Krebserkrankung durch die Untersuchungen nicht vorgebeugt oder diese vermieden werden kann. Die Bezeichnung Krebsfrüherkennung ist daher treffender. Für Männer, welche eine urologische Krebsfrüherkennungsuntersuchung wünschen empfiehlt sich daher eine Tastuntersuchung durch den Urologen in Kombination mit einer PSA-Bestimmung im Blut. Nach derzeitigen Empfehlungen sollten Männern ab dem 45 Lebensjahr mit einer mutmaßlichen Lebenserwartung von mehr als 10 Jahren über die Möglichkeit einer solchen Früherkennung informiert werden. Bei Männern die ein möglicherweise erhöhtes Erkrankungsrisiko (z.B. frühe Prostatakrebserkrankung des Vaters, Erkrankung des Bruders) tragen kann die Altersgrenze um 5 Jahre vorverlegt werden.

Vor einer Früherkennungsuntersuchung sollten die Betroffenen über Vor- und Nachteile einer Früherkennungsuntersuchung informiert werden.

Unstrittig ist, dass durch Früherkennungsuntersuchungen auch Prostatakrebserkrankungen entdeckt werden, welche keiner Behandlung bedürfen, da diese insbesondere in höherem Lebensalter zu keiner Verkürzung der Lebenszeit oder Beeinträchtigung der Lebensqualität führen. In solchen Fällen können die Nebenwirkungen einer Therapie größer sein als ein potentieller Nutzen. Sollte im Rahmen der Früherkennung ein auffälliger Befund bei der Tastuntersuchung oder beim PSA-Wert festgestellt werden, können weitere Untersuchungen wie eine Prostatabiopsie (siehe dort) notwendig werden, um letztlich den sicheren Nachweis eines Prostatakarzinoms zu erbringen.

Die Schwierigkeit stellt nicht nur der alleinige Nachweis des Prostatakrebs, sondern auch dessen korrekte Bewertung für den individuellen Patienten und die Wahl der Therapieoption dar.

Zur Beurteilung und Planung der weiteren Schritte empfiehlt sich in jedem Fall die vertrauensvolle Beratung durch einen Urologen.

Da die gesetzlichen Krankenkassen nur die Kosten für die Tastuntersuchung tragen müssen Patienten die Kosten für die Bestimmung des PSA-Wertes nach gegenwärtigem Stand selber übernehmen. Die Kosten hierfür bewegen sich im Rahmen von ca. 20 Euro.

Für weitere Informationen hat die Deutsche Gesellschaft für Urologie eine Broschüre sowie einen Flyer zur Prostatakrebsfrüherkennung herausgegeben:

Broschüre: Hier downloaden

Flyer: Hier downloaden 

(Quelle: S3 Leitlinie Prostatakarzinom, Konsultationsfassung 2014).

Der tastende Finger hilft dem Urologen bei der Beurteilung der Prostata

Die aktuell empfohlene Früherkennungsuntersuchung - wenn wahrgenommen - minimiert  das Risiko, am Prostatakarzinom zu versterben, denn sie bezieht neben den diagnostischen Ergebnissen auch die persönlichen Risikofaktoren des Patienten, familiäre Dispositionen sowie den Einfluss von Ernährungsgewohnheiten in das Untersuchungskonzept mit ein.

Wie beurteilen die Fachleute den Nutzen der Früherkennung?

Das Ziel der Früherkennung besteht darin, das Prostatakarzinom frühest- möglich – noch vor dem Auftreten von Symptomen - zu diagnostizieren, denn nur organbegrenzte Tumoren sind heilbar. Solche Tumoren verursachen aber im frühen Stadium keine Symptome, so dass sie bei einem beschwerdefreien Patienten ausschließlich durch eine Früherkennungsuntersuchung aufgedeckt werden können. Die Schwierigkeit in Diagnostik und Therapie liegt nun darin, dass sich das Wachstum des Prostatakarzinoms sehr langsam vollzieht. Ist der Tumor noch sehr klein oder wenig aggressiv im Wachstum, ist eine Therapie oft gar nicht notwendig. Hat die Geschwulst jedoch ein bestimmtes Stadium überschritten, ist Heilung nicht mehr möglich. Sinn der Früherkennung durch den Urologen ist es also, die Karzinome zu erfassen, die aus dem unauffälligen Stadium herausgetreten sind, aber noch nicht die Grenze zu den nicht mehr komplett heilbaren Tumoren überschritten haben. Dieses Feld der organbegrenzten, heilbaren Karzinome kann nur durch regelmäßige Untersuchungen beim Urologen erfolgreich eingegrenzt werden. Denn nur die frühzeitige Diagnose des Prostatakarzinomes und die angemessene Beratung hinsichtlich der sinnvollen Behandlungsstrategie wahren die Chancen einer für den Patienten möglichst langen Lebenserwartung bei maximaler Lebensqualität.