Harnblasenspiegelung (Zystoskopie)

Autor: Dr. Arne Tiemann|Veröffentlicht am 23. November 2006|Aktualisiert am 08. August 2016

Warum Ihr Urologe die Harnblasenspiegelung (kurz auch Blasenspiegelung) durchführen möchte

Der Urologe empfiehlt die Blasenspiegelung, wenn er eine Erkrankung der Harnblase oder der Harnröhre vermutet. Blutbeimengungen im Urin, häufiger Harndrang und häufige Blasenentzündungen können z.B. Gründe sein, eine Blasenspiegelung zu veranlassen. Die Spiegelung kann dabei zum Erkennen von Blasentumoren, Blasensteinen, einer Vergrößerung der Prostata oder Verengungen der Harnröhre beitragen. Die Zystoskopie kann ambulant in einer Praxis durchgeführt werden und dauert in der Regel nur wenige Minuten.

Das Untersuchungsgerät - der Harnblasenspiegel (Zystoskop)

Das Wort Zystoskop kommt aus dem Griechischen und bedeutet „in die Blase schauen“. Das Zystoskop ist ein bleistiftdickes starres Rohr, in dem sich mehrere Kanäle befinden. Durch einen Lichtkanal wird Licht in das Innere des Körpers geleitet. Ein weiterer Kanal kann Arbeitsgeräte aufnehmen um beispielsweise Gewebeproben zu entnehmen oder Behandlungen durchzuführen. Der größte Kanal dient als Spül- und Absaugvorrichtung um während des Beobachtens die Blase entleeren und füllen zu können. Je nach dem geplanten Vorgehen wird der Urologe ein passendes Zystoskop mit entsprechender Ausstattung auswählen.

Bei modernen Geräten handelt es sich oft um ein sog. flexibles Zystoskop. Dies ist mit einem dünnen Schlauch vergleichbar und elastisch. Diese Geräte werden ebenfalls durch die Harnröhre eingeführt, wobei die Spitze des Zystoskops steuerbar ist. Dies erlaubt dem Urologen eine verbesserte Rundumsicht in der Blase. Zudem ist eine Blasenspiegelung mit einem flexiblen Gerät besonders für männliche Patienten weniger unangenehm als einer Spiegelung mit einem starren Gerät.

Ablauf der Blasenspiegelung

Abb. 1: Schematische Darstellung der Zystokopie beim Mann

Vor dem Einführen des Zystoskops wird die Umgebung der Harnröhrenöffnung gründlich gesäubert. Bei der Frau ist die Zystoskopie aufgrund der kürzeren Harnröhre einfacher durchzuführen als beim Mann. Damit die Untersuchung schmerzfrei erfolgen kann, wird ein Gleitmittel, dem ein örtliches Betäubungsmittel zugesetzt ist, in die Harnröhre eingebracht. Anschließend wird das Zystoskop langsam über die Harnröhre in die Harnblase geschoben. Gleichzeitig wird die Blase mit einer wässrigen Flüssigkeit aufgefüllt, damit sie immer gut entfaltet ist. Hierdurch und durch die helle Ausleuchtung des Hohlorgans kann der Urologe die Blasenschleimhaut unter besten Bedingungen untersuchen. Eine spezielle Vorbereitung seitens des Patienten, z.B. eine vorherige Blasenentleerung, ist nicht notwendig.

Mit welchen Risiken ist eine Harnblasenspiegelung verbunden?

Durch die Reizung der Harnröhre im Rahmen der Untersuchung kann es anschließend zu Schmerzen beim Wasserlassen und leichter Blutbeimengung im Urin kommen. Viele Patienten berichten nach der Untersuchung von einem Brennen im Bereich der Harnröhre während des Wasserlassens. Dies hält meist nur Stunden bis wenige Tage an. Erfahrungsgemäß lässt sich durch eine gesteigerte Trinkmenge das Beschwerdebild lindern.

Bakterien können durch die Blasenspiegelung in die Blase oder Prostata gelangen und dort zu Entzündungen führen. Diese können mit starken Schmerzen, häufigem Wasserlassen und teils Fieber einhergehen. Eine solche Infektion bedarf einer antibiotischen Behandlung.

Als Folge der Blasenspiegelung können weiterhin narbige Harnröhrenverengungen auftreten. Diese machen sich durch einen abgeschwächten Harnstrahl bemerkbar und können auch lange nach einer Blasenspiegelung auftreten. Derartige Verengungen bedürfen meist einer operativen Korrektur und können auch wiederholt auftreten. Insgesamt sind Harnröhrenengen eine selten Komplikation nach einer Blasenspiegelung.

Wenige Patienten entwickeln einen vorübergehenden unwillkürlichen Harnabgang, der sich in der Regel nach kurzer Zeit wieder zurückbildet. Dauerhafte Schädigungen des Blasenschließmuskels sind jedoch sehr selten.