Lexikon - U

Autor: Dr. Arne Tiemann|Veröffentlicht am 24. November 2006|Aktualisiert am 06. April 2017

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Überlaufblase

Der Begriff beschreibt den Zustand einer ständig stark gefüllten Blase. Ursache hierfür ist die Unfähigkeit, die Blase zu entleerten. Gründe können beim Mann vor allem eine stark vergrößerte Prostata und bei der Frau in erster Linie eine Funktionsstörung des Blasenmuskels und dessen Nervenversorgung sein.

Folge ist, dass eine kontrollierte Blasenentleerung oft unmöglich ist. Man spricht dann von Überlaufinkontinenz. Der Zustand bedarf einer eingehenden Diagnostik und Therapieplanung, welche sich individuell nach den Ursachen richtet. Unbehandelt ist eine teilweise Entleerung der Harnblase oft nur mit starkem Einsatz der Bauchmuskulatur (pressen) möglich. Hierdurch können die Nieren und der obere Harntrakt Schaden nehmen. Zudem kann ein sog. Harnverhalt auftreten. Hier ist dann eine spontane Blasenentleerung gar nicht mehr möglich. Es muss ein Blasenkatheter gelegt werden.

 

Überlaufkontinenz

Harninkontinenz nennt man die Unfähigkeit, den Urin in der Blase zu halten. Die Entleerung der Blase funktioniert durch ein kompliziertes Zusammenspiel von Muskeln und Nerven: Der eine Teil wird über das Gehirn gesteuert. Ein grosser unwillkürlicher Anteil wird vom Rückenmark bestimmt. Dieses Zusammenspiel kann an verschiedenen Punkten gestört werden: So spricht man von der neurogenen Blasenentleerungsstörung bei krankhaften Veränderungen der Nervenversorgung, die die Blasenentleerung kontrollieren. Die Stressinkontinenz beschreibt die Blasenschwäche, bedingt durch einen zu schwachen Schließmuskel. Von der Drang oder auch Urgeinkonkürlich erfolgt bzw. ein starker Harndrang zu einer nicht unterdrückbaren Blasenentleerung führt. Die Überlauf- Inkontinenz schließlich entsteht, wenn der Urin durch ein Hindernis hinter der Blase nicht richtig abfließen kann und die Blase schließlich "überläuft". Auch eine Schädigung des Nervensystems (durch Diabetes, Alkoholismus) kann zum Überläufen führen. Eine häufige Krankheit, die diese Form der Inkontinenz auslöst, ist die eine Prostata- Vergrößerung (Hypertrophie).

Ulcus molle (weicher Schanker)

Geschlechtskrankheit. In Mitteleuropa selten, aber in tropischen Ländern verbreitet. Erste Symptome treten 2 bis 6 Tage nach der Ansteckung auf. Am Ort der Ansteckung finden sich rötliche Geschwüre, oft mit zackigem Rand. Die Lymphknoten in der Nähe dieser Entzündung können geschwollen und schmerzhaft sein. Frauen sind oft Überträger, d.h. sie haben keine Beschwerden, sind aber ansteckend. Unbehandelt können sich in manchen Fällen sogenannte Fisteln ausbilden, also zusätzliche Gänge oder Kanäle im erkrankten Gewebe; zum Beispiel beim Mann ein "Nebenausgang" der Harnröhre zur Eichel. Übertragung erfolgt fast ausschließlich durch Geschlechtsverkehr. Eine indirekte Übertragung (Schmierinfektion) ist möglich. Kondome und normale Körperhygiene schützen. Die Therapie erfolgt mit Antibiotika. Wichtig ist die Behandlung beider Partner.

Ultraschalluntersuchung

Siehe Sonographie

Ureter

Fachbegriff für den Harnleiter. Verbindet Nierenbecken mit der Harnblase und sorgt damit für den Urintransport.

Ureterocutanneostomie

Operative Verlagerung des Harnleiterendes in die Haut zur dauerhaften Urinableitung.

Urethra

Fachbegriff für die Harnröhre.

Urethritis

Harnröhrenentzündung

Urgeinkontinenz

Andere Bezeichnung für eine Dranginkontinenz. Kennzeichnend sind ein plötzlich einsetzender, nicht mehr zu kontrollierender Harndrang und Urinverlust. Abzugrenzen ist eine Belastungsinkontinenz, bei der ein Urinverlust in erster Linie bei körperlicher Belastung (Husten, Niesen, Heben, Hüpfen) auftritt und nicht von einem Harndrang begleitet wird. Eine genauere Erklärung liefert unser Patientenratgeber Harninkontinenz.

Urin

Der Urin (Harn) besteht hauptsächlich aus Wasser. Im Harn finden sich Stoffwechselprodukte des Köpers wie Harnstoff, Harnsäure, Salze und Säuren. Die gelbe Farbe des Harns kommt vom Gallenfarbstoff (Bilirubin), welcher ein Produkt der sich ständig erneuernden roten Blutkörperchen ist. Bei geringer Trinkmenge ist der Urin konzentrierter und damit stärker gefärbt. Bei hoher Trinkmenge eher klar und weniger stark gefärbt. Brauner oder rötlicher Urin weist auf eine Blutung im Bereich der Nieren oder der ableitenden Harnwege hin (Hämaturie). Bereits wenige rote Blutkörperchen erwecken den Eindruck einer starken Blutung, da Blut in diesem Fall ein starker Farbstoff ist. Der tatsächliche Blutverlust ist allerdings meist sehr gering. Befinden sich viele weiße Blutkörperchen im Urin, ist die Farbe weißlich oder cremig (Leukozyturie). Dies kann ein Zeichen für eine Entzündung im Bereich der ableitenden Harnwege sein.

Urinkultur

Dient zum Bakteriennachweis und Bakteriendifferenzierung im Urin. Auf einen Nährboden wird frisch gewonnener Harn aufgebracht und anschließend über 24 Stunden in einem Wärmeschrank bebrütet. So lässt sich feststellen, ob ein Wachstum von Keimen stattgefunden hat. Bei einem Keimwachstum erfolgt die Feststellung und Austestung des Erregers. Nach Vorliegen des Ergebnisses kann der Patient gezielt mit dem für ihn bestmöglichen Medikament behandelt werden.

Uroflow

Siehe Harnflussmessung

Urosepsis

Lebensbedrohliche Komplikation einer bakteriellen Infektion der Harnwege. Auf dem Boden einer Harnabflussstörung bei gleichzeitig bestehendem Harnwegsinfekt kommt es zu Fieber, Schüttelfrost, Krankheitsgefühl und Schmerzen. Die Urosepsis ist durch den Übertritt von Bakterien aus dem Urin in die Blutbahn bedrohlich und führt unbehandelt häufig zum Tode.

Urostoma

Operativ angelegte Urinableitung über die Bauchdecke.

URS = Ureterorenoskopie (Harnleiterspiegelung)

Rein diagnostisch zur Abklärung der oberen Harnwege (Harnleiter, Nierenbeckenkelchsystem der Niere) oder zur Therapie von Harnsteinen eingesetzt. Das Instrument wird in Narkose über die Harnröhre in den Harnleiter eingeführt. Es stehen flexible und starre Instrumente zur Verfügung. Im Harntrakt können die Harnsteine unter direkter Sicht an Ort und Stelle mit entsprechenden Geräten (z.B. Laser) zertrümmert und entfernt werden. Bei kleinen Steinen können diese oft auch ohne Zertrümmerung mit speziellen kleinen Zangen oder Fangkörpchen geborgen werden.