Lexikon - H

Autor: Dr. Arne Tiemann|Veröffentlicht am 24. November 2006|Aktualisiert am 06. April 2017

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Hämatospermie

Blutbeimengung im Sperma

Hämaturie

Blutbeimengungen im Urin

Harnblase

Die Harnblase befindet sich im Unterleib und dient ausschließlich als Speicherorgan für Urin. Die Aufnahmemenge beträgt beim erwachsenen Mann ca. 300 bis 800ml. Der Harnleiter befördert den Urin vom Nierenbecken in die Harnblase. Ist die Harnblase gefüllt, erfolgt die Entleerung über die Harnröhre (Urethra).

Harngriess

Mit bloßem Auge sichtbare kleinste Harnsteinchen

Harninkontinenz

Unwillkürlicher, nicht kontrollierbarer Urinverlust. Siehe Patientenratgeber zum Thema Harninkontinenz

Harnleiter

Der Harnleiter (Ureter) ist zirka 25 bis 30 cm lang und stellt die Verbindung von der Niere zur Harnblase her. Da die Nieren in der Regel paarig angelegt sind, gibt es einen linken und rechten Harnleiter, die links bzw. rechts neben der Wirbelsäule im Bauchraum liegen. Der Weg zur Blase hin führt den Harnleiter an einigen natürlichen Engstellen vorbei. Durch Kompression von nebenliegenden Strukturen oder Verstopfung des Harnleiterlumens, z.B. durch einen Harnleiterstein, kann der Urinabfluss von der Niere behindert werden. Die Muskulatur des Harnleiters transportiert den Harn aus der Niere in kleinen Portionen (peristaltische Wellen) in die Blase. Wenn sich die Muskulatur der Harnblase aufgrund des Wasserlassens zusammenzieht, wird das Ende des Harnleiters durch veränderte Druckverhältnisse normalerweise verschlossen. Ist der Verlauf des Harnleiters in der Blasenwand nicht richtig angelegt, so kann es zum Zurückfließen des Urins aus der Blase in den Harnleiter kommen.

Harnröhre

Die Harnröhre (Urethra) stellt den untersten Abschnitt der Harnwege dar. Sie führt den in der Harnblase gesammelten Urin aus dem Körper. Die Harnröhre bei Frauen ist mit einer Länge von 3 bis 4 cm sehr kurz und mündet im Scheidenvorhof. Bei Männern beträgt die Länge der Harnröhre 20 bis 25 cm und sie mündet an der Eichel des männlichen Gliedes (Glans penis).

Harnröhrenephitel

Mehrreihiger Zellverband zum Schutz der Harnröhre

Harnsperre

siehe Harnverhaltung

Harnsteine

Durch Kristallisationsprozesse entstandene Fremdkörper im Bereich des Nierenbeckens, Harnleiters oder Harnblase. Siehe auch Patientenratgeber zum Thema Harnsteine

Harnverhaltung, akute

Unmöglichkeit, die gefüllte Harnblase zu entleeren. Ursachen können eine große Prostata, ein Blasenstein, eine Verletzung im Bereich der Harnröhre mit Verengung oder ein Beckenbruch mit Verletzung der Harnröhre sein. Die Harnblase füllt sich zunehmend mit Urin und es kann zu einem stark schmerzhaften Harndrang kommen. Die schnelle Behandlung erfolgt durch Entleerung der Harnblase mittels eines Blasenkatheter.

Harnwegsinfekt

Bakterielle Infektion der ableitenden Harnwege. Es kann sich um Blasen- oder Nierenbeckenentzündungen handeln. Siehe auch Patientenratgeber zum Thema Harnwegsinfekt

Hepatitis A

Die Hepatitis A tritt in Deutschland hauptsächlich im Sommer und Herbst auf. In wärmeren Ländern (zu denen viele der bevorzugten Reiseländer zählen) ist sie ganzjährig weit verbreitet. Beschwerden treten ca. 2 bis 6 Wochen nach der Ansteckung auf; Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit mit Erbrechen, Fieber und (nur in etwa der Hälfte der Erkrankungsfälle) ausgeprägte Gelbsucht (gelbe Haut und Augen) mit bierbraunem Urin. Etwa die Hälfte der in Deutschland vorkommenden Erkrankungen ist auf einer Reise erworben. Dies ist unabhängig von der Art des Reisens (sowohl beim Trekken mit Teilnahme an der landesüblichen Ernährung als auch der Aufenthalt im 5- Sterne-Hotel) möglich.

Eine Hepatitis A heilt in der Regel vollständig aus. Die Schwere der Erkrankung ist altersabhängig. Bei Kindern verläuft die Erkrankung meist unbemerkt. Mit zunehmendem Alter kann es meist Wochen, ja sogar Monate dauern, bis der Erkrankte wieder gesund und arbeitsfähig ist. Das Hepatitis-A-Virus wird in der Regel nicht sexuell, sondern durch verunreinigte Lebensmittel oder verunreinigtes Trinkwasser übertragen. Bei genital-analen und anal-oralen Kontakten kann es aber auch zu sexuell übertragenen Infektionen kommen. Zur Verhütung der Hepatitis A gibt es eine wirksame und gut verträgliche Impfung.

Hepatitis B

Die Hepatitis B ist die häufigste Hepatitisform. Die Zahl der sich jährlich in Deutschland ereignenden Hepatitis-B-Infektionen wird auf 50.000 bis 60.000 geschätzt. Die Mehrzahl dieser Zahlen ist durch sexuelle Kontakte erworben.

Ca. 2 bis 6 Monate nach der Ansteckung treten uncharakteristische Oberbauchbeschwerden auf sowie grippeähnliche Erscheinungen (Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Gliederschmerzen). Bei vielen Patienten verläuft die Krankheit ohne das Auftreten einer Gelbsucht (gelbe Augen, Haut). Sie kann innerhalb von 3 bis 5 Monaten wieder ausheilen. Nur etwa die Hälfte der Infektionen verursacht Beschwerden, die zum Arztbesuch und zur Diagnose der Hepatitis führen.

Die Erkrankung kann zu schweren Spätfolgen führen: Etwa zehn Prozent der Erkrankten bleiben ihr Leben lang Überträger des Hepatitis-B-Virus, ein Teil davon entwickelt eine chronische Leberentzündung und als Folge davon eventuell Leberzirrhose und Leberkrebs. Eine Ansteckung und Erkrankung in der Schwangerschaft kann zur Ansteckung und schweren Erkrankung des Kindes führen. Der häufigste Übertragungsweg ist der sexuelle Kontakt. Darüber hinaus kann man sich an virushaltigem Blut anstecken (z.B. Kontakt mit gebrauchten Rasierapparaten und anderen Instrumenten zur Körperpflege, mit Injektionsspritzen und -nadeln, beim unprofessionellen Tätowieren, Piercen und Ohrlochstehen). Die Übertragung durch Bluttransfusionen und Gabe von Blutprodukten wird in Deutschland heute durch einen sehr empfindlichen Test auf das Hepatitis-B-Virus weitestgehend verhindert. Die für Arztpraxen und Krankenhäuser vorgeschriebenen Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen verhindern eine Übertragung des Virus bei diagnostischen und therapeutischen Eingriffen.

Für die Hepatitis B steht eine wirksame und gut verträgliche Impfung zur Verfügung. Sie wird heute für alle Säuglinge und ungeimpfte Jugendliche zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr empfohlen. Sie wird in dieser Altersgruppe durch die Krankenkasse bezahlt. Empfohlen wird sie auch für medizinisches Personal (hier trägt meist der Arbeitgeber die Kosten) und Menschen mit wechselnden Sexualpartnern. Hepatitis B kann im Frühstadium teilweise medikamentös behandelt werden, was die Wahrscheinlichkeit einer chronischen Leberentzündung verringert. Ca. 90 Prozent der im Erwachsenenalter erworbenen Hepatitis-B-Erkrankungen heilen gut aus, im Gegensatz zu im Säuglingsalter erworbenen Infektionen, z.B. bei der Mutter- Kind- Übertragung.

 

Hepatitis C

Wie die Hepatitis C übertragen wird, ist derzeit zu einem hohen Anteil unbekannt. Bekannte Übertragungsweisen sind verunreinigte Spritzen und medizinische Instrumente. Daneben war in der Vergangenheit eine Übertragung mit Blut und Blutprodukten möglich. Da diese Infektion erst seit 1990 nachweisbar ist, wurde auch erst in den letzten Jahren das Ausmaß der Verbreitung dieses Virus erkannt. Eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus führt häufig zu chronischen Verläufen und zur Leberzirrhose. Durch die seit einigen Jahren eingesetzten Tests kann die Verbreitung über Bluttransfusionen mittlerweile weitestgehend verhindert werden. Bessere Hygienebedingungen im medizinischen Bereich (z.B. Einmalspritzen) haben ebenfalls zu einer Verminderung von Infektionsrisiken geführt. Eine sexuelle Übertragung des Virus ist möglich, aber relativ selten. Die weiteren heute bekannten Formen von Hepatitis-Viren (Typen D, E, G ) spielen in Deutschland als Auslöser von Krankheiten praktisch keine Rolle.

Hernie

Als Hernie ("Bruch") bezeichnet man das Austreten von Baucheingeweiden, meist Darm, durch eine Lücke der Bauchwand. Die Leistenregion ist wegen der vorgebildeten Durchtrittsstellen (Gefäße, Samenstrang) besonders anfällig für Bauchwandbrüche. Männer sind bei Leistenbrüchen wesentlich häufiger betroffen als Frauen. Neben Leistenbrüchen gibt es Nabelbrüche, Narbenbrüche und weitere Stellen der Bauchwand, die von einem Bruch betroffen sein können.

Herpes

Herpes ist eine weitverbreitete Infektion. "Herpesbläschen" sind wohl den meisten Menschen gut bekannt. Hervorgerufen werden Herpesinfektionen durch Herpesviren. Hierbei werden im wesentlichen das Humane Herpes Virus Typ 1 und Typ 2 unterschieden (HHV-1, HHV-2). Bei der Ersterkrankung treten 5 bis 10 Tage nach der Ansteckung schmerzhafte, evtl. mit Fieber und Lymphknotenschwellungen verbundene Hauterscheinungen auf: Kribbeln der Haut, Jucken, Rötung, dann Bläschenbildung, Öffnung der Bläschen und Bildung von kleinen Geschwüren, die innerhalb von 2 bis 4 Wochen wieder abheilen. Die Flüssigkeit in den juckenden offenen Bläschen ist höchst ansteckend. Wer sich einmal mit dem Herpesvirus angesteckt hat, bleibt sein Leben lang Virusträger.

Während HHV-1 vernehmlich für den Lippenherpes (Herpes labialis) verantwortlich ist, führt HHV-2 oft zum sog. Genitalherpes (Herpes genitalis). Beide Virustypen können jedoch grundsätzlich jede Körperregion infizieren. In Deutschland liegen keine verlässlichen Zahlen zur Häufigkeit von Infektionen mit genitalem Herpes vor, es dürfte sich aber um die häufigste sexuell übertragbare Infektion handeln (in der USA soll z.B. etwa jeder 4. im sexuell aktivem Alter mit genitalen Herpesviren infiziert sein). Bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem, zum Beispiel nach Operationen, durch Stress oder schwerwiegende andere Krankheiten, kann sich das Virus im ganzen Körper ausbreiten und lebensbedrohliche Krankheitsbilder auslösen. Während der Schwangerschaft kann der Ausbruch einer Infektion mit Herpes genitalis zu schweren Erkrankungen, ja sogar zum Verlust des ungeborenen Kindes führen.

Infektionen während der Geburt durch eine aktive Herpesinfektion können beim Neugeborenen ebenfalls sehr schwere Krankheiten verursachen: z.B. Hirnentzündung oder allgemeine Blutvergiftung. Herpes-Infektionen gelten bei Frauen auch als Risikofaktor für späteren Gebärmutterhalskrebs. Jede Form des intimen Kontakts (auch Küssen) kann zur Ansteckung führen. Genitaler Herpes wird häufig oder sogar meistens durch Virusausscheider übertragen, die keine Herpesbläschen ausweisen! Die Ausscheidung von Herpesviren kann lebenslang bestehen bleiben. Infizierte sind meist nicht erkennbar. Kondome sind ein guter Schutz bei oralem, vaginalem oder analem Verkehr.

Es gibt heute virushemmende Medikamente, die um so wirksamer sind, je früher sie eingesetzt werden. Das Wiederauftreten von Bläschen und die Ausscheidung von Viren mit den Körpersekreten können sie aber nicht dauerhaft verhindern.

 

Histologie

Lehre von den Zellen und Geweben des Körpers, ihrem Normalzustand und ihren krankhaften Veränderungen (Histopathologie).

Hoden

Inneres männliches Geschlechtsorgan, das zu den so genannten Gonaden (Keimdrüsen) gehört. Herstellungsort von Spermien (Samenfäden), Androgenen (Geschlechtshormone, hier vor allem Testosteron). Die Hoden entstehen im Embryo in der Bauchhöhle, wandern etwa zum Geburtszeitpunkt durch den Leistenkanal in den Hodensack.

Hodendrehung

siehe Hodentorsion

Hodentorsion

Plötzliche Drehung des Hodens bzw. Samenstranges. Führt zu starken Schmerzen im Hoden, Leiste und evtl. Unterbauch. Der Hodensack kann anschwellen und ist oft stark berührungsempfindlich. Betroffen sind meist Kinder und Jugendliche. Die Drehung vermindert die Durchblutung im Hoden. Es besteht die Gefahr seines Absterbens des Hodengewebes. Bei Verdacht auf eine Hodentorsion ist meist eine operative Freilegung unumgänglich. Die Hodentorsion gehört zu den urologischen Notfällen.

Hormone

Vom Körper gebildete Signalstoffe, die an den Erfolgsorganen biochemische Reaktionen (Stoffwechselveränderungen) auslösen.

Hormon-Analoga

Künstlich hergestellte hormonähnliche Substanzen, die im Rahmen einer Hormontherapie zum Einsatz kommen können.

Hormontherapie

Anwendung von Hormonen als Heilmittel z.B. die Gabe von Antiandrogenen zur Hemmung des Prostatakarzinoms.

Hydrocele

Flüssigkeitsansammlung innerhalb der Hodenhüllen. Die Hydrocele kann angeboren sein oder oft auch ohne erkennbare Ursache entstehen. Die Diagnose wird durch eine körperliche Untersuchung und eine Ultraschalluntersuchung gestellt. Behandlungsbedarf in Form einer Operation besteht, wenn die Hydrocele aufgrund ihrer Größe für den Patienten eine Beeinträchtigung darstellt.

Hypophyse

Die Hirnanhangdrüse ist etwa haselnußgroß und Teil des Gehirns. Sie produziert Hormone, über welche andere Organe im Körper (z.B. Schilddrüse, Nebenniere und Hoden) gesteuert werden.

Hysterektomie

Operative Entfernung der Gebärmutter durch Öffnung der Bauchhöhle oder von der Scheide aus.