Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 01. Juli 2009|Aktualisiert am 06. April 2017

Was versteht man unter chronischem Beckenbodenschmerz?

Frage:
Seit mehreren Monaten leide ich unter wiederkehrenden und anhaltenden Schmerzen im Unterbauch. Ein entzündlicher Vorgang in der Prostata konnte durch Untersuchungen ausgeschlossen werden. Jetzt hat mir mein Urologe die Diagnose "chronischer Beckenbodenschmerz" (CPPS) mitgeteilt. Wie entsteht und verläuft diese Erkrankung und welche Behandlung ist möglich?

Antwort:
Dem Krankheitsbild des chronischen Beckenbodenschmerzes können viele Ursachen zugrunde liegen. Ausführliche Untersuchungen ergaben den starken Verdacht, dass ein Zusammenhang zwischen einer gestörten Funktion des Beckenbodens und dem Beckenbodenschmerz bestehen könnte. Was hierbei jedoch Ursache oder Folge ist und inwieweit diese Störung auf einer ursächlichen oder zweitrangigen Funktionsstörung des Zentralen Nervensystems beruhen, kann zurzeit noch nicht abschließend bewertet werden. Auch psychosomatische Beschwerden werden mit dem Krankheitsbild in Verbindung gebracht.

Der Beckenbodenschmerz äußert sich in Schmerzen im Bereich des Beckens, die bis in die Leistengegend ausstrahlen können. Hauptschmerzbereiche bei Männern sind Prostata (Vorsteherdrüse), Perineum (Damm zwischen Darmausgang und Hodensack), Penis, Harnblase, Unterbauch und Rücken. So können ein erhöhter Harndrang oder eine Pollakisurie (Toilettengänge mit wenig Urin), Harnträufeln oder auch eine Nykturie (vermehrtes nächtliches Wasserlassen) bestehen. Auch sexuelle Funktionsstörungen, zum Beispiel ein schmerzhafter Samenerguss, sind möglich. Oft haben Patienten eine Odyssee hinter sich und sind bei vielen Ärzten vorstellig geworden. Das Krankheitsbild ist oftmals so verschwommen, dass die eigentliche Ursache nicht gleich festgestellt werden kann.

Zur Sicherung der Diagnose "chronischer Beckenbodenschmerz" steht an erster Stelle das ausführliche Gespräch mit dem Urologen, die so genannte Anamnese. Anhand der geschilderten und erfragten Krankheitszeichen werden die weiteren Untersuchungsschritte eingeleitet. Neben dem Abtasten können auch Ultraschalluntersuchung, Blasenspiegelung, Harnflussmessung, Blut-, Urin- und Spermaproben hinzugezogen werden. Eventuell wird der Urologe eine Tagebuchaufzeichnung über die Häufigkeit des Wasserlassens und Auftretens sowie Stärke der Beckenschmerzen für sinnvoll erachten. Bevor der Urologe die Diagnose CPPS stellt, müssen Erkrankungen des Blasenbodens, Darmerkrankungen, Leistenbrüche oder Tumore ausgeschlossen werden.

Erst wenn alle Untersuchungsergebnisse vorliegen und die Krankheit CPPS gesichert ist, kann eine gezielte Behandlung einsetzen. Gute Erfolge werden mit Maßnahmen, die am Beckenboden angreifen (Biofeedback), erzielt. Zum Einsatz kommen auch Medikamente wie u.a. Antibiotika, Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente, die eine gute Wirkung auf den Harntrakt ausüben. Von zentraler Bedeutung ist eine dauerhafte und fächerübergreifende Behandlung, um eine langjährige Schmerzentwicklung zu vermeiden. Männer und Frauen können gleichermaßen von der Erkrankung "chronischer Beckenbodenschmerz" betroffen sein. Ziel ist es, eine Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen.

Weiterführende Informationen finden Sie unter:
www.ica-ev.de
www.ic-forum.de