Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Das 1x1 der männlichen Fruchtbarkeit

09.02.2016. Wenn es mit dem Kinderwunsch nicht klappt, ist die Ursache der Unfruchtbarkeit eines Paares immer häufiger beim Mann zu finden: Eine geringe Anzahl von Spermien und die wenigen auch noch öfter von unterdurchschnittlicher Beweglichkeit und Qualität werden zunehmend für männliche Infertilität verantwortlich gemacht. Eine einzige Ursache für diese Entwicklung gibt es nicht, jedoch ein ganzes Ursachen-Allerlei. Seit einigen Jahren wird mit Studien versucht, Ursachen und Auslöser zu erkennen. So fanden dänische Forscher jetzt heraus, dass Übergewicht zu einer Veränderung des Erbgutes führt.

© KristijanZontar Fotolia

In ihrer Studie wiesen sie veränderte genetische Codes in Spermien von Übergewichtigen (BMI über 30) nach, die den Appetit steuern. Aber hatte das Übergewicht die DNA verändert, oder eine veränderte DNA das Übergewicht ausgelöst? Dies wurde an sechs adipösen Männern geklärt, die eine extreme Gewichtsreduktion durch einen Magenbypass erreichten. Vor und nach der OP wurde die DNA ihrer Spermien untersucht - und mehr als 5000 epigenetische Veränderungen festgestellt. Fazit: Übergewicht verändert das Erbgut. Derzeit werden in Kooperation mit einer Fertilitätsklinik auch die Embryonen von Vätern unterschiedlichen Körpergewichts epigenetisch untersucht.   

Bereits frühere Studien hatten negative Einflüsse von Übergewicht auf die männliche Fertilität aufgezeigt: 2012 hatten Forscher in den Niederlanden festgestellt, dass Männer mit einem Hüftumfang von mehr als 102 Zentimetern eine deutliche schlechtere Spermienkonzentration und geringere Gesamtzahl beweglicher Spermien hatten. Abnehmen schafft Abhilfe.   
Österreichische Studienautoren schrieben 2012, die Kombination von Alter, Gewicht, sexueller Aktivität und der Menge des Kaffeekonsums hätte wesentlichen Einfluss auf Motilität und Morphologie der Spermien. Entsprechend könne der Mann bis zu einem gewissen Grad selbst die Qualität seiner Samen steuern.   

US-Forscher erkannten nach einer 2014 veröffentlichten Studie, dass Stress ebenfalls negativ auf Quantität und Qualität von Spermien wirkt - allerdings kaum berufliche, sondern überwiegend private Belastungen. Männer, die während der Studie arbeitslos waren, hatten eine besonders schlechte Spermienqualität.  

Zwischen schlechtem Schlaf und Spermienqualität wurde 2012 in Dänemark ein Zusammenhang nachgewiesen. Bei Männern mit Schlafstörungen wurde im Ejakulat ein Rückgang der Spermienkonzentration von gut 30 Prozent gegenüber Normalschläfern festgestellt. Eine verminderte Spermienqualität verbesserte sich bei regelmäßigem Schlaf von sieben Stunden erheblich.
In Argentinien wurde darüber geforscht, wie sich WLAN-Strahlung - also das Handy in der Hosentasche oder das Notebook auf dem Schoß - auf die männliche Fertilität auswirkt. Spermienproben gesunder 25-Jähriger wurden der Strahlung ausgesetzt. 25 Prozent der Spermien waren danach bewegungslos, neun Prozent wiesen Schäden am Erbgut auf. Unbestrahlt waren es nur je 14 und drei Prozent. In der Ukraine wurden 100 Studien zu den Gefahren der Mobilfunkstrahlung analysiert: 93 kamen zu dem Ergebnis, dass WLAN- und Handystrahlung Zellschäden verursachen können.

Pkw-Sitzheizungen eilt der Ruf voraus, negative Effekte auf die Spermienqualität zu haben. Befragungen und Spermiogrammen ergaben in Österreich, dass 62 Prozent der häufigen Sitzheizungsnutzer einen unauffälligen Spermienzustand haben, bei seltenen Nutzern waren es 53 Prozent und bei Nichtnutzern nur 46 Prozent. Für den Umkehrschluss positiver Sitzheizungseffekte bedarf es jedoch weiterer Forschung.
Nachgewiesen ist der negative Einfluss von Drogen, Anabolika, übermäßigem Alkoholkonsum und der des Rauchens auf die Spermienqualität: Nikotinkonsum etwa reduziert das Befruchtungspotenzial der Spermien um die Hälfte.
Ein gesunder Lebensstil mit Normalgewicht, ausgewogener Ernährung und regelmäßigem, aber nicht übertriebenem Sport, der die Hormonproduktion ankurbelt, dagegen hält die Spermien fit.

Text: DGU/BDU-Pressestelle/(ing)


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