Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Auch Paare ohne Trauschein können jetzt Zuschüsse für künstliche Befruchtung erhalten

19.01.2016. In jeder durchschnittlichen deutschen Schulklasse mit 30 Kindern sitzt heute statistisch ein Kind, das nach künstlicher Befruchtung zur Welt gekommen ist. Bis 2014 wurden 225.625 Wunschkindern nach In-vitro-Fertilisation (IVF) und Intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) geboren, wie das Deutsche IVF-Register ausweist.

© Paullyne Fotolia

Assistierte Reproduktion ist für jedes 6. bis 7. Paar in Deutschland die letzte Hoffnung, um ungewollte Kinderlosigkeit zu überwinden. Davon profitierten bislang zumeist verheiratete Paare, da nur bei ihnen die Hälfte der Kosten einer Kinderwunschbehandlung von der gesetzlichen Krankenkasse getragen wird und - je nach Wohnsitz - die andere Hälfte überwiegend durch staatliche Zuschüsse. Jetzt ist Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig dieser Benachteiligung ungewollt kinderloser Paare ohne Trauschein mit einer Änderung der Förderrichtlinie entgegengetreten: Im Grundsatz können fortan auch Unverheiratete eine finanzielle Unterstützung des Bundes für reproduktionsmedizinische Behandlungen erhalten.
Nach Einschätzung der Bundesministerin belasten Dauer und Kosten dieser Behandlungen die Betroffenen nicht nur seelisch sondern auch finanziell: „Der Kinderwunsch von Eltern darf nicht am Geld scheitern“, so Schwesig. In Zeiten, in denen jedes dritte Kind in einer Familie geboren werde, in der die Eltern nicht verheiratet seien, sollte moderne Familienpolitik dieser Lebenswirklichkeit Rechnung tragen und unverheiratete Paare mit unerfülltem Kinderwunsch nicht anders behandeln als Verheiratete.  
 
Voraussetzungen für die Bundesförderung sind für alle Paare die Bestimmungen des Paragrafen 27a SGB V, hier insbesondere die Altersgrenzen - die Frau zwischen 25 und 40 Jahren, der Mann zwischen 25 und 50 Jahren. Außerdem ist neben einem Hauptwohnsitz im Bundesgebiet auch die Durchführung der IVF- oder ICSI-Behandlung in einer reproduktionsmedizinischen Einrichtung im Bundesland des Wohnsitzes vorgeschrieben. Haupthürde für Zuschüsse des Bundesfamilienministeriums dürfte jedoch die Forderung sein, dass sich das Bundesland, in dem das Paar seinen Hauptwohnsitz hat, in gleicher Höhe finanziell beteiligt. Bislang haben nur Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin eigene Landesförderprogramm. In allen anderen Bundesländern gibt es selbst für ungewollt kinderlose Ehepaare keine staatliche Unterstützung für die assistierte Reproduktion. Nur Sachsen-Anhalt fördert bislang auch unverheiratete Paare. Ministerin Schwesig will nun die anderen fünf Länder überzeugen, ihre Förderung ebenfalls auf Unverheiratete zu erweitern - und die verbleibenden zehn Bundesländer überhaupt eine Förderung zu etablieren.  
 
Auch wenn die Kosten für Kinderwunschbehandlungen je nach Methode und Anbieter in Deutschland variieren, ist ein Behandlungszyklus kaum unter 2000 Euro zu bekommen. Für gesetzlich versicherte Ehepaare übernimmt die Krankenkasse 50 Prozent der Kosten für die ersten drei Versuche einer künstlichen Befruchtung. Die anderen 50 Prozent Eigenanteil können sie bei „günstigem“ Wohnsitz durch staatliche Zuschüsse, so allein bis zu 25 Prozent vom Bund, weiter reduzieren.  
 
Bei Paaren ohne Trauschein werden reproduktionsmedizinische Behandlungen von den gesetzlichen Krankenkassen weiterhin nicht bezahlt. Wenn jedoch alle gesetzlichen Bedingungen erfüllt sind, also auch die finanzielle Beteiligung des Bundeslandes ihres Wohnsitzes, erhalten sie fortan für die ersten drei Behandlungen 12,5 Prozent, für die vierte bis zu 25 Prozent ihres 100-Prozent-Eigenanteils zurück. Privat versicherte unverheiratete Paare können abhängig von gewählten Tarifen und Zusatzleistungen von ihren Versicherungen Kostenerstattungen für assistierte Reproduktion erhalten, außerdem die staatlichen Zuschüsse.
 
Den Finanzierungs-Wirrwarr um künstliche Befruchtung hat die Bundesfamilienministerin mit ihrer Änderung der Bundesförderrichtlinie sicher nicht aufgelöst, aber es ist ein richtungsweisender Schritt. Das Land braucht Nachwuchs.
Mehr Informationen zum Thema gibt es unter www.informationsportal-kinderwunsch.de.  

Text: DGU/BDU-Pressestelle
 


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