Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Einsatz von Gel: Testosteron auf Abwegen

28.01.2010 - Der sorglose und unachtsame Umgang mit Testosterongel kann unerwartete und schwerwiegende Nebenwirkungen haben: Nicht vorrangig beim Anwender selbst, sondern, wie in den USA in zahlreichen Fällen nachgewiesen, bei Personen, die in engem Kontakt zu ihm stehen - besonders auch bei seinen Kindern.

Mangelnde Beachtung der auf Beipackzetteln geforderten Vorsichtsmaßnahmen, also insbesondere das Waschen der Hände nach der Anwendung und die Bedeckung der behandelten Hautflächen mit Kleidung, war in den bekannt gewordenen Fällen die häufigste Ursache. Die Folgen für die betroffene Kinder im Alter zwischen neun Monaten und sieben Jahren waren drastisch: vergrößerte Genitalien, beschleunigte Knochenalterung, aggressives Verhalten, vorzeitige Schambehaarung und gesteigerte Libido.

Was der Anwender als angenehmen Vorteil von Hormongel empfindet, dass nämlich das Testosteron über die Haut in seinen Blutkreislauf gelangen, ist zugleich ein Risikofaktor, da es so auch unbemerkt und ungewollt von anderen aufgenommen werden kann. So sind auch Frauen gefährdet, die häufigen Körperkontakt mit Männern haben, die ihre Haut regelmäßig großflächig an Armen und Schultern mit Testosterongel einreiben. Nach dem Eintrocknen des Gels verbleibt ein großer Teil des Hormons noch mehr als acht Stunden auf der Haut, haben Studien ergeben. Erst nach einer gründlichen Wäsche mit warmem Wasser und Seife sind Risiken einer sekundären Exposition gebannt.

In den vergangenen Jahren hat die US-Gesundheitsbehörde FDA etwa ein Dutzend Fälle von Kindern registriert, bei denen schwere Testosteron-Nebenwirkungen festgestellt wurden. Allerdings war nicht bei allen eine sekundäre Exposition als Ursache sofort klar, einige wurden zunächst invasiven diagnostischen Eingriffen unterzogen. Diese Fälle veranlassten die FDA, von einigen Testosterongel-Herstellern zusätzlich Warnhinweise auf ihren Produkten zu verlangen und Anwendern des Gels die Problematik zu verdeutlichen.

Nachdem bei den betroffenen Kindern der Kontakt mit dem Testosterongel unterbunden war, normalisierten sich ihre überhöhten Testosteronwerte und die Symptome entwickelten sich wieder zurück, bei einigen jedoch nur teilweise. So wurde von einem dreijährigen Mädchen berichtet, dessen Vater die empfohlene Höchstdosis seit Jahren täglich um gut 30 Prozent überschritt und die Warnhinweise offenbar nicht ernst genug nahm. Die Testosteronwerte des Mädchens waren um das 14-Fache höher als normal. Die weitere Untersuchung der Dreijährigen ergab eine Brust- und Schamhaarentwicklung sowie eine vergrößerte Klitoris. Während sich ihre Testosteronwerte zwei Jahre später wieder normalisiert hatten, blieb die Klitoris vergrößert. In zwei ähnlichen Fällen wurde sie operativ verkleinert.

Testosteron-Produkte werden nicht nur angewendet, um krankhafte Funktionsstörungen der männlichen Gonaden samt ihrer Folgen zu behandeln. Häufig wird mit der medizinisch unkontrollierten Zufuhr von Testosteron lediglich versucht, einem Verlust von Vitalität und Muskelmasse entgegenzuwirken. (ing)


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