Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Nierenspender Steinmeier setzt auf „Entscheidungslösung“ gegen Organmangel

21.11.2010 - Die aktive Bereitschaft zur Organspende ist in Deutschland gering. Mit einer Initiative zur Änderung des Transplantationsgesetzes will SPD-Fraktionschef und Nierenspender Frank-Walter Steinmeier hier gegensteuern.

Durch den Fall Steinmeier ist das Thema Organspende wieder in den Fokus gerückt: Einmal mehr wurde auch daran erinnert, dass Deutschland im Europa-Vergleich einen hinteren Rang einnimmt, wenn es um die Bereitschaft geht, nach dem Tod seine Organe zu spenden. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation zählte 2009 bundesweit nur 1217 Menschen, die das taten. Das will Steinmeier, der seiner schwer erkrankten Frau eine Niere gespendet hatte, mit einer Initiative für eine Modifizierung des Transplantationsgesetzes ändern. Derzeit warten in Deutschland etwa 12000 Menschen auf ein Spenderorgan, darunter mehr als 8000 urologische Patienten - in der Regel länger als fünf Jahre - auf eine Niere.

In der Ursachendiskussion wird immer wieder die gesetzlich festgeschriebene „Zustimmungslösung“ genannt. Hierzulande muss zu Lebzeiten aktiv die Bereitschaft zur Organspende erklärt werden oder posthum von den Angehörigen. Dass sich niemand gern vorzeitig mit dem eigenen Tod auseinandersetzt und die Angehörigen sich nach dem Todesfall mit einer zügigen Entscheidung oft überfordert fühlen, könnte die geringe Spenderzahl erklären. In Spanien und Österreich gilt dagegen die „Widerspruchsregelung“. Dort zählt jeder Verstorbene zunächst als Organspender, es sei denn, er hatte zuvor ausdrücklich widersprochen.

In Umfragen votiert eine große Mehrheit in Deutschland für Organspenden, aber aktiv wird nur ein Bruchteil. Steinmeiers Initiative zielt nun darauf, dass alle Bürger sich zu Lebzeiten pro oder contra einer Organspende nach ihrem Tode entscheiden. Seine „Entscheidungslösung“ sieht vor, dass sich jeder - nach verpflichtender Information – gegenüber seiner Krankenkasse frei erklären soll. Wichtiger als die Frage, wie eine solche Entscheidung ausfällt, ist der Umstand, dass sie überhaupt getroffen wird. Das entlastet besonders auch die Angehörigen, auf die sie sonst abgewälzt würde.     
   
Eine Alternative etwa zur postmortalen Nierenspende könnte die Lebendnierenspende – wie im Fall Steinmeier - sein, die unter Nahestehenden möglich ist. Aber auch dabei ist Deutschland im internationalen Vergleich mit knapp 20 Prozent weit abgeschlagen, so Prof. Dr. Paolo Fornara von der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU). Der Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie in Halle sieht weniger in der Diskussion um Zustimmungs- oder Widerspruchsregelung die Lösung, sondern eher in der Aufklärung der Öffentlichkeit. Außerdem müssten auch kleinere Krankenhäuser fachlich und logistisch in die Lage versetzt werden, Spender zu melden und Organentnahmen durchzuführen. (ing)

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