Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Erste Behandlungserfolge bei Allergie gegen eigenes Sperma

07.02.2011 - Schlagzeilen wie „Grippe-Symptome nach Sex“ oder “Triefnase nach dem Orgasmus“ sind in den vergangenen Jahren immer wieder einmal zu lesen gewesen: Jetzt ist es Forschern aus den Niederlanden gelungen, der Erklärung dieses Phänomens unter Männern und seiner Behandlung ein gutes Stück näher zu kommen.

© KristijanZontar - Fotolia.com

Sie wiesen nach, dass die Ursache dieses Erkrankungsbildes nicht wie oft vermutet im psychischen Bereich liegt, sondern in einer Allergie des Mannes gegen sein eigenes Sperma. Durch Hyposensibilisierung - eine klassische Therapie etwa bei Pollenallergie – gelangen erste Behandlungserfolge.

Bei den Betroffenen traten grippeähnliche Symptome schon zwischen fünf und 30 Minuten nach der Ejakulation auf: Schnupfen und Kopfschmerz, Fiebrigkeit, brennende und gerötete Augen, Abgeschlagenheit und Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und verstärkte Stimmungsschwankungen. Unbehandelt verschwanden diese Symptome in den untersuchten Fällen günstigstenfalls binnen eines Tages, konnten aber auch bis zu sieben Tage andauern. Schon 2002 hatten die niederländischen Forscher um Dr. Marcel Waldinger und sein Team von der Universität Utrecht erstmals über zwei derartige Fälle im „Journal of Sexual Medicine“ berichtet und die Erkrankung als „Post Orgasmic Illness Syndrome“ (POIS) definiert.

Inzwischen umfasst die Untersuchung des Waldinger-Teams 45 Probanden. 33 unterzogen sich einem Allergietest auf ihre eigene Samenflüssigkeit. In 29 Fällen legten dabei eindeutige allergische Reaktionen in Form von Hautrötungen den Schluss auf eine Autoimmunerkrankung nahe. Bisher ist bei zwei der betroffenen Männer eine Therapie abgeschlossen worden. Die so genannte Hyposensibilisierung reduzierte die Symptomatik deutlich, in einem der beiden Fälle gar um 90 Prozent. Bei dem Verfahren wird der Stoff, der die Allergie auslöst, über längere Zeiträume hinweg regelmäßig und in zunehmender Dosierung unter die Haut injiziert. In dem einen der beiden Fälle wurde die Therapie mit körpereigener Samenflüssigkeit nach 15 Monaten beendet, in dem anderen nach 31 Monaten. Auch wenn sich in beiden Fällen die Lebensqualität der Betroffenen wieder deutlich gesteigert hat, so ist es für gesicherte Resultate über die Wirkung von Hyposensibilisierung bei POIS wegen der kleinen Datenbasis noch zu früh. Weitere Therapien laufen jedoch.

Über die Häufigkeit von POIS gibt es nur Schätzungen. Sie schwanken zwischen 0,25 und einem Prozent aller Männer. Die niederländischen Forscher vermuten, dass bei diesen Männern die allergische Reaktion auf das eigene Sperma durch Kontakt von Peptiden (kleine Proteine) und T-Zellen (Gruppe weißer Blutzellen zur Immunabwehr) bei der Ejakulation in der Harnröhre ausgelöst wird. Die Symptome von POIS können bei Betroffenen so weit führen, dass sie beginnen, ihre sexuelle Aktivität einzuschränken – bis hin zum vollständigen Verzicht. (ing)


Pressestelle

Informationen zu den Meldungen:

Bettina-Cathrin Wahlers
Sabine Martina Glimm
Tel: 040 - 79 14 05 60
Fax: 040 - 79 14 00 27
Mobil: 0170 - 48 27 28 7
E-Mail: redaktion@bettina-wahlers.de
redaktion@bettina-wahlers.de
mehr dazu