Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Studie: Aspirin halbiert Mortalitätsrisiko bei Prostatakrebs

25.11.2010 - Das Sterberisiko von Patienten mit lokal begrenztem Prostatakrebs kann durch Blutgerinnungshemmer um mehr als die Hälfte verringert werden – am wirkungsvollsten durch einfaches Aspirin. Das hat eine Untersuchung in den USA ergeben.

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Für die Untersuchung waren die Fälle von fast 5300 Patienten berücksichtigt worden, bei denen ein lokal begrenztes Prostatakarzinom durch Bestrahlung oder Operation behandelt worden war. Knapp 2000 dieser Patienten hatten während und nach ihrer Behandlung Antikoagulantien (landläufig: „Blutverdünner“) wie Warfarin, Clopidogrel, Enoxaparin oder meistens Aspirin erhalten. Das Ergebnis: Nach zehn Jahren lag das tumorbedingte Mortalitätsrisiko bei den Patienten, die Blutgerinnungshemmer erhalten hatte, bei vier Prozent gegenüber zehn Prozent bei den anderen. Auch das Risiko für Knochenkrebs, der sich häufiger aus den Metastasen des Prostatakarzinoms entwickelt, war in der „Aspirin“-Gruppe deutlich niedriger.

Schon in früheren Studien hatte sich angedeutet, dass Antikoagulantien positiv auf die Verhinderung des Tumorwachstums und der Metastasenbildung wirken können. Weil klinische Daten dazu aber begrenzt waren, hatte der Strahlenmediziner Kevin Choe von der University of Texas Southwestern Medical School in Dallas gemeinsam mit seinem Team eine US-Datenbank von Prostatakrebspatienten (CaPSURE) ausgewertet. Das Ergebnis dieser Studie stellte Choe am 3. November 2010 beim 52. Jahreskongress der Amerikanischen Gesellschaft für radiologische Onkologie (ASTRO) in San Diego vor.

Die Datenauswertung ergab weiter, dass bei Männern mit höherem Erkrankungsrisiko die Gabe von Antikoagulantien besonders deutlich wirkte: Ihr Risiko, binnen zehn Jahren nach der Behandlung durch ein wiederkehrendes Prostatakarzinom zu sterben, sank laut Studie von 22 auf vier Prozent. Eine neuerliche Erkrankung an Prostatakrebs nach Bestrahlung oder Operation wurde durch den PSA-Wert ermittelt. Im Vergleich der verabreichten Blutgerinnungshemmer war Aspirin (Wirkstoff: Acetylsalicylsäure) nach Angaben von Studienleiter Choe am wirkungsvollsten.

Choe vermutet, dass die Blutgerinnungshemmer hauptsächlich auf den Prozess der Bildung von Metastasen wirken. Wenn der Prostatakrebs erst einmal Metastasen streue, sei Aspirin nicht mehr so nutzbringend. Um das zugrundeliegende Wirkprinzip zu erklären, sind laut Strahlenmediziner Choe weitere Untersuchungen notwendig.

Angesichts der Studienergebnisse warnen die Experten der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) Prostatakrebspatienten, die versucht sein könnten, in Selbstmedikation nun unkontrolliert Aspirin einzunehmen. Auch Aspirin habe, über längere Zeiträume eingenommen, ernste Risiken und Nebenwirkungen, insbesondere innere Blutungen. Um Risiken zu vermeiden, sollten Patienten mit ihrem behandelnden Urologen über den Nutzen einer möglichen kontrollierten Verordnung reden. (ing)

Eine kurze Übersicht in englischer Sprache zu Details der Studie „Aspirin-Gabe und das Sterblichkeitsrisiko bei  Männern mit Prostatakrebs nach Prostatektomie oder Strahlentherapie“ findet sich im Internet:

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