Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Auch Jungen immer früher geschlechtsreif

29.11.2011 - Nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen werden immer früher erwachsen – zumindest biologisch. Was für Mädchen schon lange medizinisch belegt ist, nämlich die Geschlechtsreife in zunehmend jüngeren Jahren, wurde für Jungen zwar gleichermaßen vermutet, bislang aber nicht durch Daten wissenschaftlich bestätigt.

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Jetzt hat das Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock (MPIDR) diese Lücke mit demografischen Zahlen geschlossen. Zentrale Erkenntnis der Untersuchung: Seit Mitte des 18. Jahrhunderts verschiebt sich bei Jungen das körperliche Erwachsensein pro Jahrzehnt um etwa 2,5 Monate in Richtung jüngeres Alter. „Ein heute 18-Jähriger ist körperlich so weit entwickelt wie ein 22-Jähriger um 1800", sagt Joshua Goldstein, Direktor des MPIDR.

„Jungen werden ebenso wie Mädchen wahrscheinlich deswegen früher geschlechtsreif, weil Ernährungs- und Gesundheitsbedingungen immer günstiger dafür werden“, sagt Goldstein weiter. Neben diesen biologischen Ursachen schienen technische, soziale und gesellschaftliche Veränderungen für diese Entwicklung keine Rolle zu spielen. 

Goldstein weist die zunehmend frühere Geschlechtsreife von Jungen über Sterblichkeitsdaten indirekt nach. Dabei hat der so genannte „Accident Hump“, ein Ausschlag in der Statistikkurve der Unfallhäufigkeit, eine entscheidende Bedeutung. Wenn Jungen in der Pubertät am meisten Hormone produzieren, also nach dem Stimmbruch und dem Erreichen der Zeugungsfähigkeit, steigt auch ihr statistisches Risiko zu sterben sprunghaft an. Die Phase größter Ausschüttung des Sexualhormons Testosteron ist in der Regel mit besonders riskantem Verhalten gekoppelt: Gefährliches Imponiergehabe, Unachtsamkeit und hohe Gewaltbereitschaft führen laut Goldstein vermehrt zu tödlichen Unfällen. Der „Accident Hump“, der in fast allen Gesellschaften und sogar im Tierreich beobachtet wird, ist statistisch gut erfasst.

MPIDR-Direktor Goldstein stellt weiter fest, dass Jugendliche zwar immer früher biologisch erwachsen werden, gleichzeitig aber immer später den sozialen Status des Erwachsenseins erreichen. Seit gut einem halben Jahrhundert steige das Alter, in dem junge Menschen heirateten, Kinder kriegten, ihre Karriere begännen und finanziell unabhängig von den Eltern würden. Goldstein: „Wichtige Entscheidungen im Lebenslauf werden mit immer größerem Abstand zur Sorglosigkeit der Jugend gefällt." (ing)
Quelle: http://www.demogr.mpg.de


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