Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Schrittmacher für schwache Blasen

29.11.2011 - Inkontinenz ist zwar keine lebensbedrohliche Erkrankung, sie kann Betroffenen das Leben jedoch unerträglich machen. Für Patienten mit Funktionsstörungen der Blase, bei denen eine medikamentöse Behandlung nicht genügend hilft, kann eine sogenannte sakrale Neuromodulation eine Alternative sein. Dafür wird ein kleiner Schrittmacher implantiert, der schwache Stromimpulse an die Sakralnerven abgibt.

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Diese Nerven sind Teil der Steuerung von Blase und jenen Muskeln, die an der Harnausscheidung beteiligt sind. 
Beim 63. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) war die sakrale Neurostimulation ein beachtetes Thema. Prof. Dr. Arndt van Ophoven, Leiter der Neuro-Urologie am Marienhospital Herne der Ruhr-Universität Bochum, erläuterte, dass weltweit bereits mehr als 100.000 Patienten mit einem Blasen- oder Beckenbodenschrittmacher lebten, allerdings in Deutschland bislang aber nur 4000 implantiert worden seien. Dabei sei die Wirksamkeit des Verfahrens durch Studien nachgewiesen und mögliche Komplikationen gut beherrschbar. 

Prof. van Ophoven implantiert jährlich rund 30 Blasenschrittmacher. Der kleine Stimulator wird - nach einer zwei- bis vierwöchigen Testphase mit einem extern getragenen Gerät - in einem minimal-invasiven operativen Eingriff im Bereich des Bauches oder des Gesäßes unter die Haut gesetzt. Ziel ist es, die natürliche Funktionalität der Blase wiederherzustellen. Denn bei vielen Erkrankten funktioniert das Zusammenwirken von Nerven, Muskulatur und Gehirn nicht korrekt. Die Neuromodulation hilft, ungewollte oder auch irrtümliche Signale über den Status der Blase, die über die Nervenbahnen gesendet werden, zu ändern. 

Das Schrittmacher-Verfahren ist seit Mitte der 1990er-Jahre für die Therapie schwerer Funktionsstörungen der Beckenbodenmuskulatur verfügbar. Es kann bei überaktiver Blase und Dranginkontinenz sowie bei Harnverhalt aufgrund einer schlaffen Blase angewandt werden, wenn konventionelle Behandlungsformen nicht den gewünschten Erfolg zeigen. 

Nach Angaben des Neuro-Urologen Prof. van Ophoven sind rund 80 Prozent der Patienten, denen er einen Blasenschrittmacher implantiert hat, auch langfristig mit dem Ergebnis zufrieden. Er verweist zudem auf eine Studie mit Patienten, die unter Harnretention litten. Mehr als zwei Drittel von ihnen brauchten nach Anwendung der sakralen Neuromodulation keinen Katheter mehr, bei weiteren 14 Prozent verringerte sich die Menge von Restharn in der Blase um mehr als die Hälfte. (ing) 


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