Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Urologen raten von Penisvergrößerungen ab

19.03.2012. Unlängst rauschte es gewaltig im Blätterwald: „Männer heiß auf den Schnitt im Schritt – Penis XXL“, „Penisvergrößerung im Trend“ und „Auch Männer wollen gern ein bisschen mehr“. Die Schlagzeilen um des Mannes „bestes Stück“ spiegelten einen Ausschnitt der Befragung von rund 1100 Patienten ästhetisch-plastischer Chirurgen wider.

Allerdings zeigen inzwischen zahlreiche Studien, dass auch ein höheres Alter des Vaters Auswirkungen auf die Gesundheit des Nachwuchses haben kann. Stichwort: Gendefekte. „Faktisch sind die genetischen Risiken bei alten Vätern aber eher gering einzustufen, weil sie extrem selten sind“, sagt Prof. Dr. Sabine Kliesch, Chefärztin am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie (CeRA) des Universitätsklinikums Münster.
Die biologischen Prozesse sind kompliziert: Selbst wenn Männer, wie in Medien besonders im Fall von Prominenten öfter zu lesen, noch weit jenseits der 70 Kinder zeugen können, so geht auch an ihren Spermien - und damit Erbinformationen - die Zeit nicht spurlos vorbei. Ab Mitte 30 sinkt deren Qualität - besonders ihre Beweglichkeit und ihre genetische Stabilität. Prof. Dr. Kliesch: „Die stetige Spermienproduktion, die im Prinzip solange funktioniert wie der Organismus des Mannes störungsfrei arbeitet, ist das Resultat hochkomplexer Zellteilungsprozesse.“ Die Spermien eines 50-Jährigen hätten im Durchschnitt bereits rund 800 solcher Teilungen hinter sich, bei denen das gesamte Erbgut weitergegeben wird. Bei jeder dieser Teilungen könnten aus unterschiedlichsten Gründen Fehler geschehen und sich genetische Anomalien etablieren, die als Spontan- oder Neumutationen bezeichnet werden.

Die Reparaturmechanismen für Gendefekte funktionieren bei älteren Männern nicht mehr so zuverlässig, so dass auch fehlerhafte Spermien zur Befruchtung der Eizelle gelangen können. Weil dieses Risiko mit zunehmendem Alter wächst, sind in etlichen Ländern Samenspender jenseits der 40 nicht zugelassen. In Deutschland werden assistierte Reproduktionen von Krankenkassen nicht übernommen, wenn der Vater älter als 50 ist.
Für ein Gesamtbild der Risiken für den Nachwuchs von 50plus-Vätern ist noch viel systematische Forschung notwendig. Bisher liegen zahlreiche Einzelstudien vor: Darin wird etwa das Auftreten von Achondroplasie, einer Störung im Skelettwachstum, als Neumutationen häufig mit dem Alter des biologischen Erzeugers in Zusammenhang gestellt. Auch das Apert-Syndrom, mit vielfältigen körperlichen Fehlbildungen wie zusammengewachsenen Fingern und Zehen bis hin zu Schädeldeformationen, sehen Spermienforscher als Folge von Mutationen eines Gens auf Chromosom 10. Frühgeburten in der 32. Woche kommen bei Neugeborenen mit Vätern jenseits der 50 doppelt so oft vor wie bei 25-jährigen Vätern, stellten dänische Mediziner fest. Häufig litten die Frühchen auch an Atemwegserkrankungen, Herzrhythmusstörungen oder Hirnblutungen. Am schwedischen Karolinska-Institut wurden bei Kindern älterer Väter auch etwas häufiger Hirntumore und Blutkrebs festgestellt, australische Forscher vom Queensland Brain Institute konstatierten erhöhte Defizite in der Motorik.  
Aber auch Verbindungen zu neurologischen Leiden wie Schizophrenie, Autismus und bipolarer Störung stellen manche Studien her. So erhöhte sich nach einer israelischen Untersuchung das Risiko von Autismus für Kinder von Vätern in den Zwanzigern zu denen jenseits von 40 Jahren um das Sechsfache.
Schwedische Forscher errechneten einen Faktor von 1,37, um den das Risiko für bipolare Störungen für den Nachwuchs von 55-jährigen und älteren Vätern höher ist.
„Die absolute Häufigkeit solcher Störungen ist aber gering, so dass aus heutiger Sicht keine generelle Indikation für eine intensivere vorgeburtliche Diagnostik besteht.
Insbesondere treten bei älteren Vätern eine längere Zeit bis zur Empfängnis und eine höhere Fehlgeburtenrate in Erscheinung. Im Übrigen ist das Alter der Frau entscheidend“,  resümiert Prof. Dr. Kliesch. Bei älteren Müttern und alten Vätern potenziere sich das Risiko, so die Urologin und Andrologin.


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