Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Online-Doktor mit Risiken und Nebenwirkungen

05.12.2011 – Das Internet ist eine gewaltige Fundgrube für Informationen aller Art - auch für Informationen über Krankheiten, ihre Symptome und ihre Behandlungen. Insbesondere jüngere Menschen tauchen bei körperlichen Beschwerden häufig zu einer ersten Selbstdiagnose ein in die Gesundheitswelt, die „Doktor Google“ ihnen erschließt. „Das ist nicht ohne Risiko, weil Fehleinschätzungen zum Beispiel einen dringend angeratenen Arztbesuch fatal hinauszögern können.

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Die unkalkulierbarsten Risiken liegen aber darin, dass der Laie kaum eine Chance hat, in der Flut unbewerteter Informationen deren Wahrheitsgehalt einschätzen zu können und Seriöses von Unseriösem zu unterscheiden“, sagt DGU-Pressesprecherin Prof. Dr. Sabine Kliesch.

Dessen ungeachtet informieren sich 95 Prozent aller Deutschen zwischen 19 und 25 Jahren im Internet über Krankheiten, wie eine repräsentative Online-Befragung der Agentur Ogilvy Healthworld in Frankfurt ergab. Immerhin wird die Vertrauenswürdigkeit von Online-Informationen deutlich niedriger eingeschätzt als jene von Apothekern. Am besten schneiden hierbei auch in dieser Altersgruppe jedoch die Ärzte ab.

Prof. Dr. Kliesch hält das gewachsene Informationsbedürfnis von Patienten grundsätzlich für positiv, da es die Kommunikation zwischen Arzt und Patient deutlich erleichtern kann. Sie warnt jedoch vor unseriösen Heilsversprechen und fragwürdigen Therapien, die im Internet zuhauf angeboten werden. Vom Besuch der englischen online-Arztpraxis „Dr Ed“, die seit Ende November 2011 Patienten in Deutschland Diagnosen und Behandlung anbietet, rät die Urologin dringend ab. "Was der Patient wirklich braucht, findet man online nicht heraus", so die DGU-Pressesprecherin jüngst im Nachrichtenmagazin „Spiegel“.

Informationen über ein Gesundheitsthema zu sammeln, muss damit beginnen, mehrere seriöse Quellen zu finden, um Informationen vergleichen zu können. Seriöse Anbieter machen immer auch deutlich, dass bei Beschwerden Arzt oder Apotheker zu Rate gezogen werden sollten. Beim „Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem“ (www.afgis.de), das ein Gütesiegel für Gesundheitsinformationen im Internet vergibt, finden sich zahlreiche weitere Hinweise für die Suche nach seriösen Anbietern im Netz. Auch Websites, die im Besitz des HON-Siegels der Stiftung Health On the Net sind, zeigen, dass sie sich um die Objektivität und Transparenz der medizinischen Informationen bemühen.

Für Menschen mit Krankheitsängsten – laut Weltgesundheitsorganisation in Deutschland schätzungsweise jeder 14. – ist der Online-Doktor im Internet seit geraumer Zeit die erste Anlaufstelle. Weil sich zu praktisch jedem Symptom eine schwere Erkrankung finden lässt, sehen Experten Gefahren in dieser Entwicklung: Je intensiver man sich mit Symptomen und möglichen dazugehörigen Erkrankungen befasst, desto größer wird die Angst vor einer Erkrankung, was wiederum tatsächlich vorhandene Symptome verschlimmern kann. In Anlehnung an die Hypochondrie reden Mediziner und Wissenschaftler bereits vom „Cyberchonder“, der über das Internet auf vermeintliche Symptome an sich selbst aufmerksam wird und diese dann in Selbstdiagnose zu deuten versucht. Ihm verschafft, wie allen anderen Kranken auch, letztlich aber nur der Besuch in der Arztpraxis Klarheit und Aussicht auf Besserung. (ing)


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