Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Gesetzesreform zur Förderung von Organspenden

27.07.2012. Künftig werden alle Bundesbürger ab 16 Jahren regelmäßig schriftlich nach ihrer Bereitschaft zur Organspende nach dem Tod gefragt. Die Entscheidung für oder gegen die Spendebereitschaft bleibt freiwillig. Das hat der Bundestag nach jahrelanger Debatte mit breiter Mehrheit beschlossen und wird diese sogenannte Entscheidungslösung im Transplantationsgesetz verankern. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) begrüßt den Beschluss, der dazu beitragen werde, in Deutschland den dramatischen Mangel an Spenderorganen zu reduzieren.

„Die Menschen werden durch die schriftliche Anfrage zum Nachdenken und zum aktiven Handeln aufgefordert. Denn nach aktuellen Umfragen sind rund drei Viertel aller Bürger durchaus bereit, nach dem Tod ein Organ zu spenden, um schwer kranken Mitmenschen zu helfen. Aber nur ein Viertel dokumentiert dies auch mit einem Organspendeausweis“, sagt DGU-Pressesprecherin Prof. Dr. Sabine Kliesch. Bundesweit warteten gegenwärtig rund 8000 Patienten allein auf eine Niere. Die Zahl der Sterbefälle während der oft jahrelangen Wartezeit auf ein passendes Spenderorgan sei groß.

Bis spätestens Mitte 2013 sollen gesetzliche und private Krankenkassen ihre Mitglieder anschreiben und erstmals zu einer Erklärung auffordern, ob sie im Fall ihres Todes zu einer Organspende bereit seien. Neben Informationen zum Thema wird auch gleich ein Spenderausweise mitgeschickt. Später sollen die Kassen ihre Mitglieder alle zwei Jahre erneut befragen. Um die Zahl der Spender zu erhöhen, werden auch die Behörden etwa bei der Ausgabe neuer Personaldokumente gleich Aufklärungsmaterial mitüberreichen.

Da es in Deutschland keine Organspenderegister gibt, wird die Bereitschaft zur Spende im Organspendeausweis dokumentiert, den man stets bei sich tragen sollte. Darin wird die Erlaubnis einer Organentnahme nach dem Tod, der von zwei Ärzten festgestellt sein muss, oder eben deren Verweigerung vermerkt. Auch eine Beschränkung der Erlaubnis auf bestimmte Organe wird hier eingetragen. Der Widerruf einer Entscheidung ist jederzeit möglich und wird dann in einem neuen Spenderausweis festgehalten.

Eine Altersobergrenze für Spender gibt es nicht: Ob Spenderorgane lebensrettend sein können, hängt von ihrem biologischen, nicht von ihrem kalendarischen Alter ab. Bei HIV-Positivität oder einer akuten Krebserkrankung eines Verstorbenen ist eine Organspende ausgeschlossen. Für die Verteilung der Spenderorgane bleibt die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) trotz der Kritik an mangelnder Transparenz ihrer Arbeit zuständig. Im Zuge der Änderung des Transplantationsgesetzes werden die rund 1350 Krankenhäuser, in denen Organe entnommen werden, zur Einsetzung eines Transplantationsbeauftragten verpflichtet. Menschen, die zu Lebzeiten etwa eine Niere spenden, erhalten künftig eine sechswöchige Lohnfortzahlung, höheres Krankengeld und medizinische Nachsorge auf Kosten der Krankenkasse des Organempfängers.

Rund 1200 Menschen wurden 2011 nach ihrem Tod gut 3900 Organe entnommen. Das waren 7,4 Prozent Organspender weniger als noch ein Jahr zuvor. Mit nicht einmal 15 Spendern auf eine Million Einwohner liegt Deutschland zurzeit im internationalen Vergleich im untersten Drittel. Von den etwa 12000 Menschen, die hierzulande dringend auf ein Spenderorgan warten, sterben jeden Tag drei.

Weitere Informationen zum Thema gibt es unter www.organspende-info.de, einem speziellen Internetangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, sowie über deren Infotelefon Organspende unter der kostenlosen Rufnummer 0800/90 40 400.  (wg)


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