Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Hilfe für betroffene Männer, Hoffnung für kleine Krebspatienten - “Androprotect”: das Netzwerk zur Erhaltung der Fruchtbarkeit

02.05.2013. Krebs ist eine Diagnose, die jeden treffen kann. Selbst in heilbaren Fällen sind die Auswirkungen gravierend. Chemo- und Strahlentherapie, die schnell wachsende Krebszellen vernichten sollen, wirken sich ebenso verheerend auf einige andere Körperzellen aus. Unter anderem können Stammzellen im Hoden und Eizellen so stark geschädigt werden, dass der Patient unfruchtbar wird.

Um männlichen Krebspatienten die Chance auf leibliche Kinder zu erhalten, haben Professor Dr. rer. nat. Stefan Schlatt, Direktor des Centrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie an der Universität Münster, und seine Kollegin und Chefärztin der Klinischen Andrologie, Professor Dr. med. Sabine Kliesch, im Rahmen ihrer Fruchtbarkeitsforschung das Netzwerk “Androprotect” zur Erhaltung der Fruchtbarkeit ins Leben gerufen. Kernstück ist eine Kryobank, in der Spermien und Hodengewebe konserviert werden.
Bei Männern im zeugungsfähigen Alter ist es längst möglich, vor dem Beginn der Krebstherapie Spermien für eine spätere künstliche Befruchtung in flüssigem Stickstoff einzufrieren (Kryokonservierung). “Allerdings wird von dieser Möglichkeit noch zu wenig Gebrauch gemacht”, sagt Professor Kliesch, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU). Oft werde die Therapie begonnen, ehe der Patient über die Möglichkeit der Spermienkonservierung informiert ist. “Die Folgen für die Familienplanung sind dann irreversibel”, sagt Professor Kliesch und appelliert an ihre Kollegen, diese Ersatztherapie zum Erhalt der Fruchtbarkeit rechtzeitig zu thematisieren.
Den beiden Münsteraner Wissenschaftlern geht es allerdings nicht nur darum, erwachsenen Männern die Möglichkeit zu eigenem Nachwuchs offen zu halten, sie wollen auch Kindern einen Weg zur zukünftigen potenziellen Vaterschaft bahnen.
Zwar ist die Züchtung von Spermien aus Stammzellen in der Petrischale oder durch Gewebe- beziehungsweise Zelltransplantation noch Fiktion, Utopie ist es dennoch nicht. Erste Versuche bei Mäusen mit Stammzellen in der Petrischale oder dem Einpflanzen von Zellen unter der Haut, die dann wiederum funktionstüchtiges Hodengewebe bilden, sind zwar noch nicht völlig erfolgreich, aber immerhin vielversprechend. Ebenso ist es erfolgreich der Arbeitsgruppe um Prof. Schlatt gelungen, durch Transplantation von Hodengewebe mit testikulären Stammzellen im Affenmodell die Spermatogenese wieder anzukurbeln.
Selbst wenn der wissenschaftliche Durchbruch beim Menschen noch auf sich warten lässt, könne man krebskranken Jungen und ihren Familien die Hoffnung geben, dass die Krankheit nicht das Aus für eine normale Familienplanung bedeuten muss, sagt Professor Kliesch.
Bisher haben die Professoren, mit zustimmung der Ethikkommssion, zehn kleinen Jungen Stammzellen aus dem Hodengewebe entnommen und bei 180 Grad kryokonserviert. Dabei haben die jungen Patienten nichts zu verlieren und alles zu gewinnen, so Professor Kliesch. “Selbst wenn sie 15 oder 20 Jahre warten müssen, bis wir aus den Zellen funktionstüchtige Spermien züchten können, ist es den Versuch wert.” Der Verlust an Lebensqualität, den viele Patienten durch den Verlust ihrer Zeugungsfähigkeit empfinden, sei so gravierend, dass jeder Weg offengehalten werden sollte, der zum möglichen Erhalt der Fruchtbarkeit führt.
Die Kosten für eine Kryokonservierung werden in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen. Allerdings übernimmt die Uniklinik Münster die Kosten wenn Kinder betroffen sind.
Weitere Informationen zu “Androprotect” unter http://repro.klinikum.uni-muenster.de/

Text: DGU/BDU-Pressestelle


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