Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Selbstuntersuchung dringend empfohlen! Hodenhochstand verdreifacht das Risiko für Hodenkrebs

16.05.2013. Etwa sechs Prozent aller neugeborenen Jungen kommen mit Hodenhochstand (Kryptorchismus) zur Welt. Unfruchtbarkeit und ein erhöhtes Risiko für Hodenkrebs sind mögliche Spätfolgen der sogenannten Hodenfehllage. Eine aktuelle Metaanalyse („A meta-analysis of the risk of boys with isolated cryptorchidism developing testicular cancer in later life“, veröffentlicht in Archives of Disease in Childhood; Jan 2013) von zwölf Studien ergab nun für Männer mit Hodenhochstand bei der Geburt ein fast dreifach erhöhtes Risiko, im späteren Leben an Hodenkrebs zu erkranken. Zu dem Ergebnis kamen die Wissenschaftler, nachdem sie zwei internationale Studiendatenbanken nach Untersuchungen durchforscht haben, die zwischen 1980 und 2010 durchgeführt wurden.

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Darunter waren neun Fall-Kontrollstudien mit 2281 Fällen von Hodenkrebs, bei denen die Erkrankung im Patientenalter von 15 bis 75 Jahren diagnostiziert wurde. Das Ergebnis: In dieser Gruppe waren Patienten mit angeborenem Hodenhochstand zweieinhalb Mal häufiger vertreten als Männer ohne Kryptorchismus. Bei drei anderen Kohortenstudien, in denen zwei Millionen Männer im Schnitt je 29 Jahre lang beobachtet wurden, war das Hodenkrebsrisiko für Männer mit Hodenhochstand sogar vervierfacht. Daraus berechneten die Studienautoren, dass Jungen mit Hodenfehllage fast dreimal so wahrscheinlich im Laufe ihres Lebens Hodenkrebs entwickeln wie Jungen, bei denen die Hoden zum Zeitpunkt der Geburt im Hodensack liegen.

Hodenkrebs ist mit rund 4.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland die häufigste Krebsart bei Männern zwischen 20 und 45 Jahren. Die Fallzahlen sind weltweit in den letzten Jahrzehnten steigend, hierzulande aber geringfügig rückläufig. Wird der Tumor in frühen Stadien erkannt, beträgt die Heilungsrate nahezu 100 Prozent.

Für die Autoren der neuen Studie (Stefanie Zhao Lin Lip, Louise Elizabeth Murchison, Paul Stephen Cullis et al.) stellt sich nun die Frage, ob das Ergebnis eine langfristige Überwachung von Jungen mit Hodenhochstand rechtfertigt. Dafür seien allerdings noch zahlreiche Faktoren zu klären.

Wichtig ist es, so die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), Kryptorchismus frühzeitig behandeln zu lassen, weil die höhere Temperatur im Körperinneren die Keimdrüsen schädigen kann. Da auch nach angemessener Behandlung ein erhöhtes Risiko bestehen bleibt, im späteren Leben Hodenkrebs zu entwickeln, ist besonders für diese jungen Männer aufmerksame Selbstuntersuchung angezeigt. „Betroffene sollten regelmäßig die Hoden abtasten und dabei auf Verhärtungen und Vergrößerungen achten“, sagt DGU-Pressesprecherin Prof. Dr. Sabine Kliesch.

 

Text: DGU/BDU-Pressestelle

 


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