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19.12.2006

Laudatio| Dr. Schalkhäuser

Aus Anlass der Verleihung der Ehrenpräsidentschaft des Berufsverbandes der deutschen Urologen am 22. September 2006 in Hamburg

Von Manfred Richter-Reichhelm

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Klaus Schalkhäuser geht heute als Präsident des Berufsverbandes der deutschen Urologen und kommt als sein neuer Ehrenpräsident. Mir ist als langjährigem Wegbegleiter und Freund die Ehre zuteil geworden, an diesem für ihn und den Verband einschneidenden Termin seinen Lebensweg und beruflichen Werdegang, seine standespolitischen Verdienste zu beleuchten und zu würdigen und ihm unseren Dank auszusprechen.

Ich bin Klaus Schalkhäuser zum ersten Mal 1978 begegnet auf einer Hauptausschuss-Sitzung des BDU in der legendären Unterschweinstiege im Steigenberger Flughafenhotel in Frankfurt. Als damals frisch gekürten Landesverbandsvorsitzenden Berlin und jungen Dachs beeindruckte mich Klaus Schalkhäuser schon damals mit einem großen Fachwissen und einer ausgefeilten Rhetorik bei der Vertretung der Interessen der Belegärzte im BDU und – mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein. Aus dem Heraufschauen damals sind eine sehr enge und exzellente Zusammenarbeit und eine feste Freundschaft entstanden.

Unser Ehrenpräsident wurde am 3. März 1940 in den Kriegswirren in Berlin geboren. Ein waschechter Berliner ist er dennoch nicht, war doch sein Aufenthalt in der Hauptstadt nur sehr kurz. Ein rechter Bayer ist er geworden, der allerdings – wie ich finde – durchaus preußische Tugenden hat: Zuverlässigkeit, unbändigen Fleiß, Einsatzfreude, Korrektheit, Pünktlichkeit, Unbestechlichkeit. Aber auch jenen Schuss bayerisches Naturell, das er für sein aufreibendes Amt unbedingt benötigte: Innovationsfreude, viel Phantasie, ein bisschen Schlitzohrigkeit, Kontaktfreude, Extrovertiertheit.

Sein Weg führte ihn ins Rheinland, das Abitur machte er 1959 in Bonn, nach der Bundeswehrzeit studierte er zwischen 1960 und 1967 Medizin an der Universität in Bonn, um 1973 seinen Facharzt für Urologie zu machen. Ungezählte Anekdoten aus seiner Klinikzeit in Heidelberg hat er über Lars Röhl, den damaligen Ordinarius, auf Lager. Sehr geprägt hat ihn auch seine Zeit als Oberarzt im Münchner Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Sprechen Sie ihn mal auf den Dreieinhalbzentner-OP-Pfleger Frater Sixtus an, und Sie werden in breitem Bayerisch ein unerschöpfliches Repertoire der schönsten Schmankerln kennen lernen.

1974 eröffnete er am Kreiskrankenhaus Dorfen seine Belegarzt-Praxis, und so hat er schon damals das praktiziert, was jetzt als Novum und Stein der Weisen gepriesen wird: eine hervorragende integrierte Versorgung. Seine Patienten hat er in der Praxis diagnostiziert und als Belegarzt operiert, um sie nach kurzem stationärem Aufenthalt ambulant in seiner Praxis weiter zu behandeln. Die Nutzung der Klinikinfrastruktur, des Labors, der Röntgeneinrichtung für die Ambulanz und den stationären Bereich: damals schon für ihn eine Selbstverständlichkeit, heute wie ein Deus ex machina und Heilsbringer von den Politikern gepriesen und gefordert.

Bleibt zu hoffen, dass Schalkhäusers langjähriger Einsatz für das Belegarztwesen nicht vergeblich war und die Gesundheitsreformer es nicht zerschlagen, sondern weiter entwickeln und fördern! Denn, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir alle wissen es: die alleinige ärztliche Arbeit am und mit dem Patienten, die war Klaus Schalkhäuser nicht genug. Schon früh hat er sich in die Standespolitik gestürzt, hat als Vorsitzender des „Arbeitskreis Belegärzte“ im Berufsverband der Deutschen Urologen von 1977 bis 2002 Zeichen gesetzt. Logisch, dass man in der BDU-Spitze damals auf den dynamischen Bayernpreußen aufmerksam wurde und seine Arbeit schätzte. So war es vorgezeichnet, dass Klaus Schalkhäuser ins Präsidium aufrückte und zunächst 1986 Vizepräsident und 1987 in der unvergessenen Mitgliederversammlung in Stuttgart zunächst kommissarischer Präsident wurde und Herrn Heck ablöste, um im Folgejahr 1988 bis jetzt sein gewählter Präsident zu werden.

Sein Herz schlug weiter für die Belegärzte: von 1988 bis 2002 war er Stellvertretender Bundesvorsitzender im Bundesverband der Belegärzte, und seit 2002 ist er sein Bundesvorsitzender.

Seit 1992 ist Klaus Schalkhäuser Vizepräsident der Gemeinschaft fachärztlicher Berufsverbände (GFB), ist doch auch den anderen Fachärzten nicht verborgen geblieben, dass da bei den Urologen ein engagierter Kämpfer und Könner am Werk war.

Auch die europäische Bühne war und ist sein Zuhause: 1989 bis 1997 Chairman des „Manpower Committee“ des European Board of Urology (EBU), 1993 bis 1994 Vizepräsident des EBU, 1994 bis 1995 sein Präsident. Seit 1997 ist er Liaison Officer des EBU zur Europäischen Union (EU).

Auch die Bundesärztekammer (BÄK) und die hohe Politik wollten auf sein Wissen und sein Können nicht verzichten. Er ist Mitglied des Krankenhausausschusses der BÄK, war von 1987 bis 1988 Mitglied der Expertenkommission des BMA zur Entwicklung des GRG sowie von 1991 bis 1995 Mitglied der Expertenkommission des BMG zur Entwicklung von Fallpauschalen, Sonderentgelten und des Bundespflegesatzrechtes.

Die bisher letzte Station in seinem standespolitischen Werdegang ist die Gründung der urologischen Genossenschaft, des „Bund der Urologen e.G.“ am 3. Oktober 2003 und seine Wahl zum Vorstandssprecher.

Schauen Sie, meine Damen und Herren, mit mir einige der Meilensteine seines Wirkens in der Urologie an!

Das erste riesige Verdienst des neuen Präsidenten war die Aussöhnung des Berufsverbandes mit der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU). Die Fronten waren arg verhärtet bei seinem Amtsantritt. Sein Vorgänger Dr. Heck hatte mit der „Urologica“ eine Art Konkurrenzunternehmen zu den Bundes- und Regionalkongressen der DGU und der Landesgesellschaften ins Leben gerufen. Schalkhäuser gelang es in einer beispielhaften Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Ackermann, dem damaligen Generalsekretär der DGU, BDU und DGU wieder zusammenzuführen und die Urologen wieder mit einer Stimme sprechen zu lassen.

Klaus Schalkhäusers Engagement beim Präsidium der DGU war extraordinär, und die gemeinsamen Vorstandssitzungen der DGU und des BDU waren stark von ihm geprägt. Wer – wie seinerzeit geschehen – prognostizierte, die DGU werde den BDU schlucken, wurde eines Besseren belehrt. Da gab es zum einen gar keine Ambitionen der DGU, und, liebe Kolleginnen und Kollegen, das wäre mit Klaus Schalkhäuser auch niemals möglich gewesen.

Die Urologica hatte dem Berufsverband größte Probleme auch in wirtschaftlicher und steuerlicher Sicht beschert. Diese Existenzgefährdung des Verbandes beseitigt und unermesslichen materiellen Schaden vom Berufsverband abgewendet zu haben, das ist Klaus Schalkhäuser in nimmermüdem Einsatz und mit viel Arbeit gelungen.

Erinnern Sie sich mit mir an den 9. November 1989: die Mauer war gefallen, unsere Kolleginnen und Kollegen in der alten DDR brauchten unsere Hilfe, und sie in den BDU zu integrieren, war oberste Aufgabe. Ich sehe uns noch wie heute in dem alt-ehrwürdigen Hörsaal der Universität Halle in feierlicher Versammlung, als der Berufsverband der deutschen Urologen – DDR – am 30.6.1990 gegründet wurde, um dann mit der Wiedervereinigung am 3.Oktober 1990 in den Gesamtverband integriert zu werden. Ich sehe unser Präsidium mit seinen Frauen als Gäste bei Wolfgang Zacher und seiner Frau in Halle in einer warmen Sommernacht auf der Terrasse sitzen, um die Währungsunion am 1.7.90 zu begrüßen. Und ich werde nicht vergessen, wie wir gemeinsam die Nationalhymne sangen um Mitternacht und Wolfgang Zacher sagte, dass vor der Wende linientreue Parteigenossen in seiner Nachbarschaft mit Argusaugen sein Leben überwachten. Der Präsident hat von vornherein unseren Ost-Kollegen eine Heimat geboten, hat mit Rat und Tat, mit einer Vielzahl von Seminaren und Fortbildungsveranstaltungen geholfen. Reibungslos ist das alles geschehen, und eine Repräsentanz für den Vertreter der Neuen Bundesländer als Vizepräsident im Präsidium war gewährleistet.

Neben der Arbeit im eigenen Land öffnete Klaus Schalkhäuser darüber hinaus frühzeitig den Horizont nach Europa. Ein viel beachtetes Symposion 1990 in Brüssel mit hochrangigen Vertretern der europäischen und deutschen Politik und mit Vertretern der Kassenärztlichen Bundesvereinigung war der Anfang, und diese Aktivitäten setzten sich in den Folgejahren konsequent fort. Nicht nur in Deutschland, auch in Europa gewann fortan die urologische Standespolitik an Bedeutung, verbunden mit dem Namen Schalkhäuser.

Beispielhaft war die Betriebswirtschaftliche Praxisanalyse, angestoßen vom Präsidenten, war die Entwicklung einer eigenen urologischen Gebührenordnung, des Uro-EBM. In den frühen 90er Jahren begann die Arbeit und wurde in vielen Sitzungen, in Konsensuskonferenzen zu Ende geführt. 1996 war das Werk vollendet und einsatzbereit, scheiterte aber am Widerstand der Berliner Urologen. Alle Vorbereitungen für eine modellhafte Erprobung waren getroffen, die KV Berlin, die Krankenkassen waren bereit, doch die Bereitschaft der Urologen fehlte – wie ich weiß durch bewusste Fehlinformationen und falsche, Ehrabschneidende Unterstellungen. Das war eine große Enttäuschung für Klaus Schalkhäuser wie für mich, die wir uns von der Erprobung und Einführung große Vorteile für die Urologen versprochen hatten.

Doch die Arbeit war nicht vergebens: bei der Entwicklung des EBM 2000 plus der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) stand der Uro-EBM Pate und war mit der Systematik seiner Kalkulation wesentliche Hilfe. Das Kapitel Urologie – dem ursprünglichen Uro-EBM sehr nahe – wurde nur deshalb nicht in den EBM 2000 plus übernommen, weil dieser EBM einheitlich sein musste und andere Berufsgruppen die Vorarbeit der Urologen nicht geleistet hatten. So klappte es nicht mit dem Kapitel Urologie im EBM, obwohl Krankenkassen und ihre Berater aus dem Medizinischen Dienst die Systematik des Uro-EBM als die wünschenswerte Gebührenordnung angesehen hatten. Erfüllte sie doch die gesetzlichen Vorgaben: weitest gehende Zusammenfassung in Leistungskomplexen und Einzelleistungen dort, wo sie unumgänglich waren. Hatte sie doch als Grundlage eine Leitlinienstruktur: vom Symptom zur Diagnose, von der Diagnose zur Therapie. War doch der Auftrag der Vertreterversammlung der KBV, eine betriebswirtschaftlich kalkulierte Gebührenordnung zu entwickeln, bestens erfüllt.

Warten wir ab, ob der Uro-EBM reüssiert, wenn nunmehr mit der geplanten Gesundheitsreform ein staatliches Institut die neue Euro-Gebührenordnung entwickeln soll. Sie können sicher sein, Klaus Schalkhäuser hat schon lange bei der Politik, im Ministerium und im Parlament vorgesprochen und Hilfe angeboten.

Überhaupt: Kontakte zur Politik, zu den Krankenkassen und zur Industrie. Da war und ist Schalkhäuser unschlagbar. Bei der Vorstellung des Uro-EBM zum Beispiel öffnete uns ein Mann Tür und Tor bei Seehofer, bei Dressler, bei Thomae, bei Krankenkassen und…und…und: Willi Heitzer war als Berater und Vermittler von Schalkhäuser gewonnen worden, hatte er ihn doch von der Güte des Uro-EBM überzeugt. Das war eben ein typischer Schalkhäuser: den „Klassenfeind“ Heitzer, den alten Gewerkschafter und ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des AOK-Bundesverbandes für sich und die Sache zu gewinnen, das mache ihm mal jemand nach!

Der BDU hat unter seiner Ägide als erster Berufsverband einen Vertrag mit der KBV abgeschlossen, nach dem deren Qualitätsmanagement QEP - mit Zentrierung auf die spezifischen urologischen Probleme – durch Urologen verbreitet werden kann.

Und noch eins zum Stichwort KBV: Meine KBV-Karriere ist mit Klaus Schalkhäuser eng verbunden, haben wir beide doch in nächtelangen Sitzungen die Kalkulationsgrundlagen der Praxisbudgets des KBV-EBM überprüft, erhebliche Ungereimtheiten aufgedeckt und durch mich in der Vertreterversammlung präsentiert. Das war die Basis für meine spätere Wahl und meine Arbeit im Vorstand und als Vorsitzender der KBV.

Lassen Sie mich aus der Vielzahl der Verdienste Klaus Schalkhäusers noch eines hervorheben: die Gründung der Genossenschaft der Urologen, des „Bund der Urologen e.G.“. Schalkhäuser stand immer zum System der KV, doch er erkannte zu Recht, dass Einfluss und Potenz dieses Systems immer mehr seitens der Politiker sämtlicher Couleur eingeengt wurden. Da war es logisch und konsequent, sich auf den etwaigen Tag X rechtzeitig vorzubereiten. Der Berufsverband kann keine Verträge mit Krankenkassen schließen, sehr wohl eine Genossenschaft. Sie ist unabdingbar notwendig, wenn mehr und mehr neben den Kollektivvertrag der KV Einzelverträge zwischen Kassen und Ärzten, explizit ohne KV, geschlossen werden sollen.

Der Urologe als Einzelkämpfer gegen die Allmacht der Kassen? Bündelung der Kräfte und Vertretung aus der Gemeinschaft war die Devise, wenn denn die KV immer weniger Interessenvertreter qualifizierter Ärzte sein kann. Dass neben dem Bemühen um Integrationsverträge weitere Vorteile für die Urologen im BUND erzielt werden, ist genau so bedeutungsvoll: Altersvorsorge, günstiger Einkauf von Praxisbedarf, Kontrastmitteln, Verträge mit einer Versandapotheke, das ist das neue Betätigungsfeld des Ehrenpräsidenten - neben dem BDU.

Klaus Schalkhäuser hat mit seinen mannigfachen Aktivitäten, seinen Verbindungen, seinen immer neuen Ideen den urologischen Berufsverband zu einem Markenzeichen entwickelt. Der BDU ist im Kreis der fachärztlichen Berufsverbände tonangebend. Der Idee des Uro-EBM sind andere wie Pneumologen, Augenärzte, Orthopäden gefolgt. Das Wort und die Argumente Klaus Schalkhäusers und damit der Urologen galt und gilt etwas in der KBV, der GFB, im Gesundheitsministerium, bei den Parlamentariern in Deutschland und Europa. Heute behaupte ich, weiß jeder, der mit Gesundheitspolitik zu tun hat, wo Dorfen liegt. Dorfen hat – glaube ich augenzwinkernd - seit den Tagen der Marienverehrung als Wallfahrtsort und seit Napoleon Bonaparte nie eine größere Bekanntheit besessen als jetzt durch Klaus Schalkhäuser und die Urologie.

Wie schafft man diese Herkulesarbeit, noch dazu wenn man - wie Schalkhäuser bis vor kurzem – Praxis und Klinik zu versorgen hat. Wenn man nur knappe Hilfe von Sekretärinnen erfährt und das Meiste allein vorbereiten muss, wenn man keine Referenten hat? Wie bleibt man nahezu zwanzig Jahre Präsident eines quicklebendigen Berufsverbandes und dienstältester Verbandspräsident im Gesundheitswesen?

Da kommt dann zu Recht die Familie ins Gespräch, die Halt gibt. In der Tat ist die fachlich beratende und moralische Unterstützung von Maja Schalkhäuser, seiner Frau, nicht hoch genug zu bewerten! Was wir Urologen, aber auch manch anderer Facharzt, Frau Schalkhäuser und der Tochter Nini zu verdanken haben, ist unschätzbar. Denn sie haben dem Präsidenten – manchmal vielleicht zähneknirschend – lange Leine gelassen, auf gemeinsame Stunden verzichtet und in der Freizeit die Erschöpfung des Standespolitikers in Kauf genommen.

Dir, liebe Maja, und Eurer Tochter Nini in absentia, sage ich dafür im Namen aller Urologen in Klinik und Praxis ein riesiges Dankeschön!

Ich denke, dass auch manche Anerkennung durch Wort und Schrift, mancher Händedruck, manche Umarmung, manch ein zustimmender Blick Klaus Schalkhäuser Kraft gegeben haben. Doch ich weiß auch, dass mancher Angriff gerade aus dem Urologenkreis, manche Häme, manche Verdächtigung der Illoyalität, manch ein Vorwurf bis hin zu dem der Geldverschwendung oder gar der Vorteilsnahme ihn tief getroffen haben.

Mehr als einmal habe ich als sein Freund erleben müssen, wie er kurz davor war, alles hinzuwerfen und zurückzutreten, wenn diese Unterstellungen allzu arg gewesen waren! Nur sein Pflichtbewusstsein und der Zuspruch seiner Familie und seiner Freunde haben ihn davon abgehalten.

Denn, meine Damen und Herren, liebe Freunde, Klaus Schalkhäuser ist nicht der Rambo, die Dampfwalze, der mit dickem Fell alles niederwalzt und alle Anwürfe übersteht. Hinter der scheinbar harten Schale steckt ein sehr weicher Kern, ein empfindsamer und zuweilen auch empfindlicher, ein ganz anderer Mensch. Wer ihn näher kennt, weiß um seine hohe Allgemeinbildung, hat mit ihm diskutieren können über die Kulturen und Religionen der Welt, hat ihn in seiner Yixing-Teapot-Sammlung aufblühen sehen. Der weiß um seinen Bildungshunger, mit dem er die alte Seidenstraße und Papua-Neuguinea bereist hat, der spürt seine Begeisterung, wenn er lebhaft von seinen Reiseerlebnissen erzählt, der weiß aber auch um seine Suche nach Ruhe und Harmonie bei den wunderbaren zufriedenen Menschen auf Bali. Und wer Klaus Schalkhäuser hat kochen sehen und seine exzellenten Kreationen genießen durfte, weiß dass er auch eine Karriere in der Gastronomie hätte machen können.

Manch einer in diesem Raum hat an Klaus Schalkhäuser herumgenörgelt, hat kritisiert, er rede zu viel und zu lange, er lasse keine anderen Meinungen neben der eigenen gelten. Das letzte ist falsch, nur muss man ehrlicherweise anerkennen, dass seine Auffassung meist die richtige war.

Was die Eloquenz angeht: na ja, ein Meister des Telegrammstils ist Klaus Schalkhäuser nur selten. Die Telefonate mit ihm sind selten kürzer als 45 bis 50 Minuten. Liegt ja vielleicht daran, dass er am selben Tag Geburtstag hat wie Alexander Graham Bell. Der hat nämlich 1876 in Kanada das Telefon zu einem gebrauchsfähigen System entwickelt und eingeführt. In der Folge entstand die Bell Telephone Company, die sich später zum weltweit größten Telekommunikationskonzern AT&T entwickelte. Bell war also ein innovativer Großunternehmer, und gewisse Züge davon trägt auch Klaus Schalkhäuser.

Den Kritikern an seinem Führungsstil habe ich stets gesagt: Ihr müsst Klaus Schalkhäuser so nehmen wie er ist, mit seinen Stärken und mit den empfundenen Schwächen. Nehmt ihn so und versucht nicht, ihn zu verändern. Das wird nicht gelingen, denn dann steht da nicht mehr ein Schalkhäuser vor Euch. Ihr könnt Euch nicht Euren Präsidenten backen wie Ihr ihn wollt. Ihr müsst die ganze Persönlichkeit akzeptieren!

Und das, liebe Freunde, hat die überwiegende Mehrzahl der Urologen in den vergangenen fast zwanzig Jahren getan, die letzte Wiederwahl zum Präsidenten im Jahre 2002 erfolgte ohne eine Gegenstimme. Wenn er jetzt nicht mehr für dieses Amt kandidiert hat, dann hat das seinen Grund darin, dass er nicht wie zuvor selbst seinen Hut in den Ring werfen wollte, sondern nur nach Aufforderung bereit gewesen wäre – aber nicht gegen die Kandidatur eines anderen Mitgliedes des Präsidiums. Sie wissen, dass es anders gekommen ist.

Seinem Nachfolger und dem neuen Präsidium möchte ich mit Evelyn Waugh zurufen: Die jungen Menschen von heute sollten gelegentlich daran denken, dass sie die alten Herrschaften von morgen sein werden. Oder vielleicht passt in Analogie auch André Malraux:

Jeder junge Mensch macht früher oder später die verblüffende Entdeckung, dass auch Eltern gelegentlich Recht haben können.

Klaus Schalkhäuser wird jetzt als Ehrenpräsident dem neuen Präsidium mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Als Vorstandssprecher im Bund der Urologen e.G. bleibt er der Steuermann.

Für die Mehrheit der Menschen ist Arbeit die einzige Zerstreuung, die sie auf die Dauer aushalten können, so Dennis Gabor. Dir mit Deinen vielen Interessen und Neigungen, lieber Klaus, wünsche ich, dass Du Gabor Lügen strafst und endlich ein bisschen mehr Freizeit als bisher für Dich, Deine Familie und Deine Freunde hast.

Ich bin stolz, einen Mann wie Klaus Schalkhäuser zum Freund zu haben. Wir alle, liebe Urologinnen und Urologen, können uns glücklich schätzen, über zwei Jahrzehnte einen solchen Präsidenten gehabt zu haben.

Wir danken Dir aufrichtig, lieber Klaus, für Deine immense Arbeit und Deinen nimmermüden Einsatz für die Urologinnen und Urologen!

Klaus Schalkhäuser, meine Damen und Herren, hat sich um die Urologie in Deutschland verdient gemacht!