Interview mit Prof. Dr. med. Wolfgang Weidner (August 2012)

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Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 17. August 2012|Aktualisiert am 06. April 2017

Im Gespräch mit Prof. Dr. Wolfgang Weidner

Sie arbeiten aktiv in den Gremien der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. und des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V. oder vertreten die Urologie darüber hinaus auf nationaler und internationaler Ebene: Zahlreiche Urologinnen und Urologen engagieren sich ehrenamtlich für ihr Fachgebiet. Darunter ist auch Prof. Dr. Wolfgang Weidner. Der Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie am Universitätsklinikum Gießen und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Andrologie steht dem 7. European Congress of Andrology vom 28. November bis 1. Dezember 2012 in Berlin vor.

Herr Prof. Weidner, als Präsident des 7. European Congress of Andrology (ECA) werden Sie in wenigen Monaten Andrologen aus aller Welt in Berlin begrüßen: Was bedeutet diese Präsidentschaft für die Andrologie in Deutschland und für Sie persönlich?

Für mich ist es als einer der beiden Präsidenten gemeinsam mit meinem Freund, Prof. Andreas Meinhardt aus Gießen (Reproduktionsanatom), eine große Freude und Ehre, den ersten gemeinsamen Kongress aller Europäischen Andrologen zu präsidieren. Dieser Kongress wird gemeinsam von der Europäischen Akademie für Andrologie (EAA) und der European Section of Andrological Urology (ESAU) der European Association of Urology (EAU) organisiert. Integriert als Mitveranstalter sind die Deutsche Gesellschaft für Andrologie mit einem deutschsprachigen Teil am Freitag und Samstag sowie die European School of Urology (ESU), die Kurse über operative Andrologie für Interessierte anbietet. Das Besondere an diesem Kongress, und das freut mich sehr, ist die enge Verzahnung zwischen klinischer und operativer Andrologie und Grundlagen-Forschung auf nationaler und internationaler Ebene. Die zertifizierte Fort- und Weiterbildung wird während des Deutschen Kongress-Anteiles zum Teil parallel, aber auch am Samstag, nur für deutsche Urologen betrieben. Ich hoffe, dass der ECA 2012 ein Zeichen für die zukünftige Kooperation aller andrologischen Gruppierungen in Europa setzt.

Die Europäische Akademie für Andrologie (European Academy of Andrology, EAA), die Sektion Andrologie der Europäischen Gesellschaft für Andrologie, EAU (Section of Andrological Urology, ESAU) und die Deutsche Gesellschaft für Andrologie (DGA) sind gemeinsamer Veranstalter des ECA: Welche Highlights dürfen die Besucher dort erwarten?

Aufgrund der weitgefächerten Interessen der Veranstalter finden sich aus der Sicht der Tagungspräsidenten vielfältige interessante Aspekte, die auch für urologische Andrologen von Bedeutung sind: Ausführungen zum Klinefelter- Syndrom, zur testikulär bedingten Unfruchtbarkeit, der Ejakulat-Aufbereitung und der Verbesserung der Samenqualität, um nur einige Beispiele zu nennen. Im Bereich der operativen Andrologie werden u.a. andrologisch-chirurgische Aspekte wie die mikrochirurgische Varikozelektomie, TESE-Verfahren, die Priapismus-Therapie, alle Vasektomie-Techniken, die penile Prothetik und die operative IPP-Therapie durch international renommierte Experten dargestellt.

Die 24. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Andrologie ist in den ECA integriert und wird in deutscher Sprache abgehalten: Was macht den Kongressbesuch für Ihre deutschen Kollegen besonders interessant?

Zusätzlich veranstalten wir als Deutsche Gesellschaft für Andrologie (DGA), deren Präsident ich derzeit bin, am Freitag und Samstag ein zertifiziertes Fort- und Weiterbildungsprogramm, das u.a. die urogenitale Sonografie, die Hodenhistologie, die Auswirkung des Testosterons auf die Prostata und am Samstag eine Reise durch die gesamte urologische Andrologie im Sinne eines „State of the Art“-Programmes - Stand 2012 - bietet. Ergänzt wird diese Fort- und Weiterbildung durch Industriesymposien, wobei ich hier insbesondere Symposien zu andrologischen Komplikationen der Prostata-Biopsie und zum Testosteron erwähnen möchte.  
Die beiden Tagungspräsidenten sind davon überzeugt, dass der deutschsprachige Besucher rundum “fit“ für die Andrologie den Kongress nach Besuch der zwei „deutschen“ Tage verlassen wird. Darüberhinaus besteht uneingeschränkt die Möglichkeit, in den Dialog mit den internationalen Gästen der Tagung einzutreten.

Nachwuchssorgen sind derzeit allgegenwärtig: Wie begeistern Sie junge Urologen für die Andrologie, und was hat Sie zu Beginn Ihrer Laufbahn in diesen Schwerpunkt geführt?

Die Andrologie ist ein urologisches Teilgebiet, das in unserer Klinik einen Schwerpunkt in Klinik, Forschung und Ausbildung darstellt und das unterschiedlichste Kolleginnen und Kollegen, auch aus anderen Kliniken, wahrnehmen. Derzeit besteht eine Initiative, die Ausbildungsaktivitäten zur Andrologie europaweit für den Andrologen zu standardisieren, wobei federführend die ESAU der EAU, unter meiner Leitung, und die European Academy of Andrology bereits Absprachen über das Curriculum vorgelegt haben. Ich bin davon überzeugt, dass die Andrologie ein wichtiges Feld für die Fachweiterbildung für Urologen darstellt, die neben der operativen Andrologie auch an urogenitalen Infektionen, Fruchtbarkeits- und Erektionsstörungen sowie dem Hypogonadismus interessiert sein sollten. Das Teilgebiet ist ausweisbar und, wenn die gesamte Palette der operativen Andrologie in die andrologische Fachweiterbildung nach dem Zukunftskonzept der ESAU integriert ist, für jede Urologin/jeden Urologen für die Zukunft interessant. 

Die enge Verzahnung zur Forschung ist ein besonderer Aspekt, der junge Kolleginnen und Kollegen anspricht, wir selbst sehen für jede Kollegin und jeden Kollegen, die/der sich mit der Andrologie forschungsmäßig beschäftigt, großes Potential, sowohl für die wissenschaftliche Qualifikation und auch die Finanzierung durch entsprechende Drittmittelprojekte. Im Gegensatz zu meinen persönlichen Anfängen bestehen derzeit hinreichende, von unterschiedlichen Trägern, wie z.B. der DFG, geförderte Möglichkeiten, hochqualitative, international wettbewerbsfähige Forschung in der Andrologie durchzuführen.  

Bleibt Ihnen heute noch Zeit für Familie und Hobbys?

Ich glaube, dass ich meine Freizeit gut strukturiert habe und aufgrund der seit Jahren, auch dank der Leistungen meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, gut aufgestellten Klinik ausreichend Zeit für meine Familie und meine Hobbys finde, wobei ich insbesondere das Fahrradfahren, Nordic Walking sowie den Ski-Langlauf im Winter pflege. Meine Familie gibt mir Kraft und die Möglichkeit, meinen Enthusiasmus für mein Fach zu erhalten.

Interview: DGU-Pressestelle