Interview mit Dr. med. Rolf Werdin (Oktober 2011)

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Schlagworte: Interview
Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 19. Oktober 2011|Aktualisiert am 06. April 2017

6 Fragen an Dr. med. Rolf Werdin

Interviewreihe

Sie arbeiten aktiv in den Gremien der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. und des Berufverbands der Deutschen Urologen e.V. oder vertreten die Urologie darüber hinaus auf nationaler und internationaler Ebene: Zahlreiche Urologinnen und Urologen engagieren sich ehrenamtlich für ihr Fachgebiet. Darunter ist auch Dr. Rolf Werdin. Er ist niedergelassener Facharzt für Urologie in Bremen und 1. Vorsitzender des BDU-Landesverbandes Bremen.

1. Warum haben Sie sich für die Urologie entschieden?
Dr. Rolf Werdin: Grundsätzlich wollte ich ein chirurgisches Fach ergreifen. Nach meiner gynäkologischen und allgemeinchirurgischen Erfahrung erschien mir die Urologie wesentlich abwechslungsreicher und spannender mit den vielschichtigen Bereichen dieses Faches. Wir Urologen versorgen eine geschlechtsgemischte Klientel aller Altersstufen, also auch Kinder. Die Operationen sind, ob minimal-invasiv oder offen-chirurgisch, in der Regel technisch anspruchsvoll, die verschiedenen Teilgebiet der Urologie (z.B. Andrologie, Neuro-Urologie oder Infektiologie) werden immer größer und machen für mich auch u.a. den Reiz dieses Fachgebietes aus. Das gilt insbesondere sowohl für die klinische Tätigkeit im Krankenhaus als auch im vertragsärztlichen Bereich.


2. Was hat Sie in die Verbands-/Gremienarbeit für Ihr Fachgebiet geführt?Dr. Rolf Werdin: Ich habe mich schon immer über Mitmenschen geärgert, die nur über alles meckern, aber sich nicht engagieren. Ich glaube, man sollte zumindest versuchen, sich einzumischen und mitzugestalten und so zu positiven Veränderungen zu kommen. So bin ich auch schon seit Jahren in einem anderen Bereich sozial engagiert.
Als ich gefragt wurde, ob ich mir die Übernahme des Landesvorsitz in Bremen vorstellen könnte, habe ich zwar wegen der zusätzlichen zeitlichen Belastung etwas gezögert, mich aber dann doch zur Wahl gestellt, zumal in den nächsten Jahren sicher noch wachsende berufspolitische Herausforderungen auf uns zukommen werden.

3. Was sind die aktuellen inhaltlichen Schwerpunkte, an denen Sie dort mitarbeiten?
Dr. Rolf Werdin:
Das uns z.Zt. am meisten beschäftigende Problem im Land Bremen ist der Erhalt der fachgebietlich betreuten urologischen Onkologie. Bezgl. der Verlängerung der Übergangsfristen bei der Umsetzung der neuen Onkologievereinbarung hat noch mein Vorgänger, Dr. W. Winkler, mit der rechtlicher Hilfe  des BDU einen großen Erfolg errungen und die in Bremen einmalig kurzfristigen Übergangsregelungen wurden zurückgenommen.
Aktuell geht es nun besonders darum, die Teilnahme an der Onkologievereinbarung möglichst allen hier tätigen Vertragsärzten, auch den hier sehr zahlreichen Einzelpraxen, zu ermöglichen. Über einen für alle, insbesondere auch für die bei solchen Diskussionen oft vergessenen Patienten, akzeptablen Weg dorthin wird intensiv verhandelt.

4. Welches sind die langfristigen Ziele Ihres Engagements?
Dr. Rolf Werdin:
Ich bin seit Jahren ein Anhänger der langfristig m.E. erfolgreichen Trennung der ambulanten und stationären Versorgung von Patienten in Deutschland, insbesondere wenn eine gute Kooperation zwischen Praxis und Krankenhaus ausgeübt wird. Die Vorteile der politisch gewollten engen Verzahnung zwischen dann auch nicht mehr personengebundener ambulanter und stationärer Betreuung, am besten im oder am Krankenhaus, sind mir noch nicht gut nachvollziehbar dargestellt worden. Da erschiene mir ein konsequentes belegärztliches System wie z.B. in Belgien praktiziert, noch sinnvoller.
Somit muss m.E. das Hauptziel unserer Berufspolitik in den nächsten Jahren sein, die urologische Facharztpraxis als selbständige Einheit zu erhalten und sogar bei dem nach allen Prognosen noch steigenden Patientenansturm zu stärken.
Um das zu erreichen muss natürlich auch die Urologie als selbständiges Fach mit allen zusätzlichen Bereichen erhalten bleiben und nicht z.B. im Bauchzentrum vom Konsiliararzt „nebenbei“ mit abgewickelt werden. Die von uns allen über Jahren erarbeitete operative und konservative Kompetenz darf nicht einfach leichtfertig aufgegeben werden.
Da insbesondere auch im Bremer Raum mit einem sehr hohen Organisationsgrad im ambulanten Bereich nur relativ wenig Kollegen aus den Kliniken im BDU vertreten sind, muss in nächster Zeit erreicht werden, dass den klinisch tätigen Urologen die Vorteile einer BDU-Mitgliedschaft klar gemacht wird. Denn nur ein mitgliederstarker Berufsverband ist ein glaubwürdiger Vertreter unserer Interessen.

5. Woher nehmen Sie die Kraft für Patienten und Ehrenamt?
Dr. Rolf Werdin:
Ohne meine Familie, insbesondere die jahrelange liebe- und verständnisvolle Unterstützung meiner Ehefrau, die schon so manches mitmachen musste und vieles von mir ferngehalten hat, wäre mir eine erfolgreiche Tätigkeit in unserem Fach als Oberarzt in der Klinik und jetzt in der Praxis nicht möglich gewesen. Leider mussten auch meine beiden, jetzt erwachsenen Töchter öfter auf die Anwesenheit ihres Vaters verzichten.
Allerdings dürfen meine Partner in der Praxis, Frau G. Gebert und Herr G. Loock, nicht unerwähnt bleiben. Wir pflegen eine wirklich ideale Partnerschaft, ich erfahre von beiden wirklich jede notwendige praktische und emotionale Unterstützung.

6. Was beschäftigt Sie, wenn Sie nicht in der Praxis/in der Klinik sind?
Dr. Rolf Werdin: Viel Zeit bleibt nicht, aber nicht nur für die körperliche sondern auch mentale Frische, bemühe ich mich um sehr regelmäßige Einheiten im Fitnessstudio. Ich höre sehr gern (Jazz-)Musik, das aktive Musizieren mit Gitarre oder Mandoline ist leider auf der Strecke geblieben. Ich fotografiere viel und abends spiele ich sehr gerne mit meinen Freunden Doppelkopf oder lese mit Freude vor allem skandinavische Kriminalromane.

Interview: BDU-Pressestelle