Interview mit Dr. med. Peter Kollenbach (08.07.2013)

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Schlagworte: Interview
Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 26. Februar 2014|Aktualisiert am 06. April 2017

6 Fragen an Dr. med. Peter Kollenbach

Interviewreihe

Sie arbeiten aktiv in den Gremien der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. und des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V. oder vertreten die Urologie darüber hinaus auf nationaler und internationaler Ebene: Zahlreiche Urologinnen und Urologen engagieren sich ehrenamtlich für ihr Fachgebiet. Darunter ist auch Dr. Peter Kollenbach. Er ist niedergelassener Urologe im hessischen Kassel und seit Anfang März 2013 erster BDU-Landesvorsitzender in Hessen.

1. Warum haben Sie sich für die Urologie entschieden?

Mein Zugang zur Urologie liegt im Studium und hat mit der Promotionsarbeit in der Steinforschung begonnen; PJ und anschließendes, damals noch zu absolvierendes AiP hat dann meinen Werdegang in der Urologie gefestigt. Dank meines damaligen Chefs durfte ich die Urologie weiter als kleines, aber vielfältiges Fachgebiet mit einer engen Patientenbindung kennen- und schätzen lernen. Meine Niederlassung im Jahr 2000 war eher ein Zufallsprodukt, denn eine gezielte Entscheidung. Als Belegarzt mit den Möglichkeiten zu kleineren und größeren Operationen habe ich sie aber nie bereut.

2. Was hat Sie in die Verbands- /Gremienarbeit für Ihr Fachgebiet geführt?

Nach anfänglich problemlosem Verlauf der Praxistätigkeit hat sich zunehmend Unmut über das bürokratische GKV-System und die Verwaltung durch die KV eingestellt. Immer mehr undurchschaubare Regelwerke, Intransparenz des KV-Systemes, Unzufriedenheit mit der gesundheitspolitischen Situation und Einflussnahme von externen, nicht-medizinischen Gremien in mein medizinisches Handeln haben mich bewogen, hier aktiv zu werden. Ich hoffe und denke, dass ich durch meine Aktivitäten etwas zum positiven bewegen kann.

3. Was sind die aktuellen inhaltlichen Schwerpunkte, an denen Sie dort mitarbeiten?

Meine Aufgaben in der HUeG betreffen die Kommunikation,  das Marketing intern gegenüber den Mitgliedern, aber auch extern möglichen Kooperationspartnern gegenüber. Durch inhaltliche Diskussion und Neuaufstellung haben wir den Verband voran gebracht. Von der jetzigen Übernahme der Funktion als BDU-Vorsitzender in Hessen und durch den damit bestehenden Schulterschluss, verspreche ich mir eine weitere Verbesserung der Position der Urologen in Hessen, mehr Gehör bei Krankenkassen und KVH und anderen potentiellen Verhandlungspartnern.

Zusammenarbeit und Austausch mit anderen Netzwerken erachte ich ebenfalls für ganz wichtig. Wir können von und miteinander profitieren. Der überregionale Zusammenschluss wird in Zukunft immer wichtiger werden.
Wie sich die Arbeit in der BDU-Funktion anläuft, bleibt abzuwarten. Hiermit ist aber der erste weitere Schritt zu einer überregionalen Zusammenarbeit getan.

4. Welches sind die langfristigen Ziele Ihres Engagements?

• Positionierung der Urologie, politisches Gehör für unsere Belange, Verhandlungspartner auf Augenhöhe mit KV (sofern diese noch langfristig besteht) und Krankenkassen.
• Mitarbeit und Richtungsgeber bei Umstrukturierungen im Gesundheitssystem. Agieren, nicht reagieren.
• Breite Basis als Entscheidungsträger; Transparenz im Kosten und Vergütungssystem; keine retrospektive Vergütung mehr zulassen, sondern Leistungserbringung nach und angepasst an feste, zuvor zu verhandelnde Konditionen;
• Rückverlagerung der Konsequenzen aus Entscheidungen von Politik und Krankenkassen auf die Entscheidungsträger, kein Abwälzen auf die  Ärzteschaft.

Die öffentliche Meinung und Presse ist derzeit sehr gegen alle Mediziner eingestellt. Ein positives Bild der Mediziner in der Öffentlichkeit muss wieder hergestellt werden. Hier ist in erster Linie eine Transparenz der Vergütungssysteme anzustreben, um Presse-Spekulationen und -Behauptungen die Grundlage zu entziehen. Diffamierung und wortreiche Kriminalisierung der Ärzteschaft aus jedweder Richtung muss gestoppt werden.

Die Urologie als kleines Fachgebiet wird von anderen Fachgebieten „bedroht“. Derzeit aktuell zu nennen sind die Onkologie, das OIII-Labor und die Röntgenleistungen. Auch der Konkurrenzdruck der Kliniken ist für den niedergelassenen Urologen zunehmend. Drängen doch die Kliniken immer mehr in den ambulanten Sektor.
Diesbezüglich sehe ich meine Aufgaben in einer ausgewogenen Verteilung, in der Bildung von Kooperationsmodellen, Weckruf zu gesundheitspolitischem Denken und Handeln aller Urologen und gemeinsam in Diskussion zu treten, um die Dinge positiv zu verändern.

5. Woher nehmen Sie die Kraft für Patienten und Ehrenamt?

Für mich ist die Tätigkeit an und mit Patienten eine Berufung und nicht nur lediglich ein Job, welcher um 17:30 Uhr zu Ende ist. Einige Dinge werden gedanklich abends mit nach Hause genommen. Familie und Freunde unterstützen mich hierbei sehr. (Leider wird eine solche Einstellung durch das GKV-System komplett ausgenutzt, als selbstverständlich angenommen, aber in keinster Weise mehr honoriert.)

Die Verbandsarbeit nimmt mittlerweile relativ viel Zeit in Anspruch. Durch Zusammenschluss mit drei weiteren Kollegen ist sichergestellt, dass die Praxis weiterläuft. Somit halten sich die finanziellen Einbußen in Grenzen und der zeitliche Freiraum für die Tätigkeit wird erhalten.

Ehrenamtliche Tätigkeit ist für mich eine Selbstverständlichkeit; Zunächst im Sportverein, jetzt zunehmend in berufspolitischen Gremien gehört Engagement einfach dazu. Durch Diskussion und Austausch wird der Erfahrungsschatz wesentlich größer. Ich bemesse dieser Arbeit einen hohen Stellenwert zu.
Die richtige Positionierung und der Gedankenaustausch helfen auch in der Praxis: Es gibt so viele Unwägbarkeiten und Fallstricke, welche von außen auf uns Mediziner zukommen. Das Studium und die Ausbildung haben uns auf diese Probleme nicht vorbereitet. Lediglich der kollegiale Austausch und Blick über den medizinischen Tellerrand hinaus, geben Sicherheit im täglichen Umgang mit externen Repressalien durch Krankenkassen, KV, Politik oder anderen Gremien. 

6. Was beschäftigt Sie, wenn sie nicht in der Praxis / in der Klinik sind?

Meine Familie steht im Beruf und ehrenamtlicher Tätigkeit voll hinter mir, unterstützt mich wo sie kann und steht bei mir neben diesen Tätigkeiten an erster  Stelle. Bei drei Kindern ist die Freizeitgestaltung mit Unterstützung bei schulischen Problemen und gelegentlichen musikalischen „Happenings“ schon vorprogrammiert. Sportlicher Ausgleich zur Praxistätigkeit ist mir sehr wichtig. Mit Orientierungslauf haben wir uns eine Sportart ausgesucht, welche für die ganze Familie tauglich ist, uns gemeinsame sportliche Großveranstaltungen auch für die Zukunft sichert und auch in höherem Alter noch problemlos erfolgen kann. Meine ehrenamtliche Tätigkeit als Judo-Trainer habe ich vor kurzem aufgrund der zunehmenden Arbeit in HUeG und BDU abgegeben.