Interview mit Dr. med. Andreas W. Schneider (November 2012)

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Schlagworte: Interview
Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 14. November 2012|Aktualisiert am 06. April 2017

Interview mit Dr. Andreas W. Schneider

Sie arbeiten aktiv in den Gremien der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. und des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V. oder vertreten die Urologie darüber hinaus auf nationaler und internationaler Ebene: Zahlreiche Urologinnen und Urologen engagieren sich ehrenamtlich für ihr Fachgebiet. Darunter ist auch Dr. Andreas W. Schneider. Er ist niedergelassener Facharzt für Urologie in Winsen, Belegarzt am Krankenhaus Salzhausen und Vorsitzender des BDU-Arbeitskreises urologischer Belegärzte.

1. Warum haben Sie sich für die Urologie entschieden?

Dr. Andreas W. Schneider: Ausschlaggebend für die Wahl der Fachrichtung im Anschluss an das Studium der Humanmedizin, das ich 1981 beendete, war und ist die einmalige Kombination, theoretische wie praktische Kenntnisse in der Diagnostik und Therapie am Menschen anwenden zu können. Besonders beeindruckt hat mich dabei die Vielzahl von Innovationen, die für die Diagnostik und Therapie dieses kleinen, dennoch hoch spezialisierten Fachgebietes entwickelt wurden. Hier seien exemplarisch die heute so weit verbreiteten minimalinvasiven Verfahren der Endoskopie wie der Extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie genannt. Obwohl nur 1,5 % aller Ärzte dem Fachgebiet Urologie zuzurechnen sind, ist die Bedeutung insbesondere im Bereich der Onkologie um ein Vielfaches höher als die genannte Zahl vermuten ließe.

2. Was hat Sie in die Verbands-/Gremienarbeit für Ihr Fachgebiet geführt?

Dr. Andreas W. Schneider: Die Tatsache, dass ich meine "urologische Grundausbildung" in der Abteilung von Prof. Wolfgang Knipper, dem Urvater des Berufsverbandes der Deutschen Urologen ableisten durfte, war prägend für meine spätere Einstellung zur Verbandsarbeit. Prof. Knipper, selbst Belegarzt, engagierte sich in außerordentlicher Weise für das Berufsbild des Urologen in seiner Außendarstellung, aber genauso auch in erheblichem Maße für den inneren Zusammenhalt der Deutschen Urologie. Hier habe ich verinnerlicht, dass es auch Freude machen kann, sich für die gesamte Berufsgruppe einzusetzen.

3. Was sind die aktuellen inhaltlichen Schwerpunkte, an denen Sie mitarbeiten?

Dr. Andreas W. Schneider: Unabdingbare Voraussetzung für eine Weiterentwicklung des Fachgebietes Urologie ist die Verbesserung der Kommunikation innerhalb der Berufsgruppe, mindestens genauso wichtig ist jedoch eine konsequente Öffentlichkeitsarbeit nach außen, um nicht nur den hilfesuchenden Patienten, vielmehr aber auch anderen Leistungsträgern im Gesundheitssystem die Bedeutung der Urologie näher zu bringen.

Nach einer Analyse der Situation gelang es, BDU und DGU von der Notwendigkeit einer konsequenten und gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit zu überzeugen. So entstanden, hervorgegangen aus dem gemeinsamen Ressort Öffentlichkeitsarbeit, einerseits die gemeinsame Pressestelle, andererseits als flankierende Maßnahme das Urologenportal im Internet. Gemeinsam leisten die Deutsche Gesellschaft für Urologie und der Berufsverband der Deutschen Urologen heute eine professionelle Berichterstattung über unser Fachgebiet um das uns andere Berufsgruppen durchaus beneiden.

Im Rahmen der alten wie auch der aktuellen Onkologievereinbarung ist die Mitarbeit eines onkologisch geschulten Praxispersonals gefordert, das zur kompetenten onkologischen Betreuung der Tumorpatienten beiträgt. Insofern war es ein Anliegen für unsere Berufsgruppe, eine entsprechende Ausbildungsserie bundesweit zu etablieren, um den medizinischen  Fachangestelltinnen die Möglichkeit einer berufsbegleitenden Fort- und Weiterbildung rund um die onkologischen Krankheitsbilder der Urologie zu geben. Nach Überarbeitung des Ausbildungskonzeptes auf Wunsch der Deutschen Ärztekammer steht heute bundesweit ein Ausbildungskonzept nicht nur für die urologischen, sondern allen in der Onkologie tätigen MFA zur Verfügung. Mittlerweile haben mehr als 1000 Helferinnen an dieser Fortbildungsmaßnahme teilgenommen; weitere werden folgen.

Der dritte Schwerpunkt meiner Gremienarbeit ist mein Engagement für das Deutsche Belegarztwesen. Dabei lade ich regelmäßig Entscheidungsträger des Gesundheitssystems zu den Salzhäuser Gesprächen ein, die seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten das urologische Belegarztwesen thematisieren, um zu informieren und von der Bedeutung zu überzeugen, die diese Versorgungsform aufgrund der Vorzüge für die Patienten und für das Gesundheitssystem allgemein hat. Der Arbeitskreis urologischer Belegärzte, fest integriert in die Präsidiumsarbeit des Berufsverbandes, ergänzt die Informationsarbeit um das Belegarztwesen für die urologisch tätigen Kolleginnen und Kollegen.

4. Welches sind die langfristigen Ziele Ihres Engagements?

Dr. Andreas W. Schneider: Das Fachgebiet Urologie ist gerade für die jungen angehenden Kolleginnen und Kollegen aus meiner Sicht hoch attraktiv und verdient es daher, in seiner Bedeutung stabilisiert und gestärkt zu werden. Der konsequente Einsatz einer kreativen Öffentlichkeitsarbeit nach außen, die Unterstützung jedweder Bemühungen um eine innere Geschlossenheit sowie der konsequente Einsatz, eine gute und effiziente Fort- und Weiterbildung zu organisieren, sind langfristige Garanten für ein Überleben des Fachgebietes und Erhaltung seiner Attraktivität.

5. Woher nehmen Sie die Kraft für Patienten und Ehrenamt?

Dr. Andreas W. Schneider: Gerade das Belegarztsystem wird von Patienten in der Diagnostik und Therapie als sehr positiv empfunden, da ihnen der häufige Wechsel der Ansprechpartner sowie der Informationsverlust zwischen den Kliniken und den ambulant tätigen Ärzten erspart bleibt. Dieses Feedback gibt mir Ansporn, mich weiterhin für diese Versorgungsform einzusetzen. Weltweit spielt das Belegarztsystem eine führende Rolle, warum dann nicht auch bei uns?

6. Was beschäftigt Sie, wenn Sie nicht in der Praxis/in der Klinik sind?

Dr. Andreas W. Schneider: Zwischen Praxis, Klinik und Berufspolitik bleibt nicht viel Zeit, sodass Familie und Gäste nur selten unter meinen Hobbykochkünsten leiden, aber der ein oder andere Halbmarathon sorgt für den notwendigen Ausgleich.

Im Gespräch mit Dr. Sabrina Schöne

Sie arbeiten aktiv in den Gremien der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. und des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V. oder vertreten die Urologie darüber hinaus auf nationaler und internationaler Ebene: Zahlreiche Urologinnen und Urologen engagieren sich ehrenamtlich für ihr Fachgebiet. Darunter ist auch Dr. Sabrina Schöne. Sie ist Assistenzärztin im Vinzentius Krankenhaus Landau/Speyer und erste Vorsitzende der German Society of Residents in Urology (GeSRU).

Frau Dr. Schöne, Sie stehen als Nachfolgerin von Dr. Nicola von Ostau seit fast einem Jahr an der Spitze der GeSRU: Ist soviel Frauenpower beispielhaft für den steigenden Frauenanteil in der Urologie?

Die Medizin wird weiblich und macht auch vor der Urologie nicht halt.
Frauen waren schon immer stark in der GeSRU vertreten, allen voran Dr. Ulrike Necknig, die mit ihren Ideen und ihrem Engagement wesentlich zum Erfolg der GeSRU beigetragen hat.
Aber nach wie vor gilt es, große Herausforderungen anzugehen: Bei mittlerweile fast 70% Frauenanteil unter den Medizin-Absolventen brauchen wir neue Konzepte, um das Potential der vielen sehr guten Frauen in der Urologie zu nutzen – möglicherweise in Teilzeit und mit flexiblen Arbeitszeiten.
Wenn wir die Besten für die Urologie haben wollen, brauchen wir auch die besten Ideen für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf.  
 
Welchen aktuellen Schwerpunktaufgaben widmet sich die GeSRU derzeit?

Unsere Maxime ist eine stetige, flächendeckende Verbesserung der urologischen Weiterbildung und natürlich die Mitgestaltung einer Urologie von Morgen. Darüber hinaus wollen wir Nachwuchsurologen die Möglichkeit zur Netzwerkbildung und zum gegenseitigen Austausch geben.
Wir verfolgen diese Ziele auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Wir bieten eine Vielzahl von Veranstaltungen auf den regionalen und nationalen Kongressen an und initiieren eigene Workshops. Besonders hervorzuheben ist das Mentoring-Programm, das im Frühjahr 2012 schon in die 4. Runde ging. Was in der Wirtschaft längst zum Standard gehört, dass jungen Kollegen ein erfahrener, profilierter Mentor an die Seite gestellt wird, haben wir als erstes Fach in der Medizin hinbekommen.
Berufspolitisch sind wir gut in der DGU und dem BDU integriert und können die Probleme und Sorgen der Assistenzärzte direkt in den entscheidenden Gremien vortragen. Im Moment kämpfen wir weiter dafür, ein Bewusstsein für die Bedeutung der Zusatzweiterbildung „medikamentöse Tumortherapie“ zu schaffen. Nach unserer Meinung müssen dringend Änderungen in der Weiterbildungsordnung angestrebt werden.

Wie ist Ihre persönliche Einschätzung zur Nachwuchsförderung von DGU, Akademie und BDU?

Wir spüren auf allen Ebenen einen zunehmenden Ärztemangel. Diese Situation führt unweigerlich dazu, dass die Nachwuchsförderung eine größere Rolle spielt. Beim letzten Jahreskongress der DGU war sie sogar eines der Schwerpunktthemen. Alle haben verstanden, dass wir in den nächsten Jahren um die besten Medizinabsolventen werben und wettstreiten müssen. Meine Aufgabe sehe ich darin, dieses Bewusstsein zu nutzen, um die Weiterbildungssituation für urologische Assistenzärzte zu optimieren.
Die GeSRU arbeitet eng mit der DGU, der Akademie und dem BDU zusammen. Wir werden in besonderer Weise unterstützt. Als Vorsitzende der GeSRU bin ich gleichzeitig Mitglied der Programmkommission der DGU. Wir entsenden einen Vertreter in den BDU-Hauptausschuss, dem höchsten Gremium des BDU. In Kooperation mit der Akademie der Deutschen Urologen gibt es aktuell ein neues Projekt für ein curriculäres, facharztbegleitendes Weiterbildungsprogramm, das noch in diesem Jahr als „Juniorakademie“ realisiert werden soll.
Diese starke Integration der Assistenzärztinnen und -ärzte ist ein weiteres Markenzeichen der Urologie. Dies macht unser Fachgebiet gerade für den Nachwuchs besonders attraktiv.  

Der Schülertag auf dem DGU-Kongress zieht Kreise, fand mit GeSRU-Unterstützung auch im Rahmen der Jahrestagung der Bayerischen Urologenvereinigung statt: Wie erleben Sie diese Initiative und die Teilnehmer?

Die Initiative lebt. Es macht Spaß, dem potentiellen Nachwuchs beim urologischen Alltagsgeschäft zuzuschauen, zu sehen, wie geschickt sich viele anstellen und wie viel Spaß und Freude die Teilnehmer haben. So wird ein Interesse geschaffen für die Medizin und unser Fach.

Wie sieht Ihre Work-Life-Balance aus: Schaffen Sie den Spagat zwischen Klinik, Berufspolitik und Privatleben? Haben Sie Tipps für junge Kollegen?

Das Amt als GeSRU-Vorsitzende empfinde ich nach wie vor als sehr reizvoll. Es beinhaltet den regelmäßigen Austausch mit den prominentesten Köpfen unseres Faches, engen Kontakt zu Assistenzärztinnen und –ärzten aus ganz Deutschland und Europa. Es gibt einem vor allem die Möglichkeit, aktiv an der Ausgestaltung der Urologie von Morgen teilzuhaben. Die meiste Zeit genieße ich die Abwechslung, die mir diese drei Felder GeSRU, Klinik und Familie bieten. Natürlich gibt es immer Phasen, in denen das eine oder das andere etwas zu kurz kommt. Aber durch die Unterstützung von meiner Familie, Freunden, dem Team der GeSRU und dem Team im Krankenhaus ist der Spagat bisher ganz gut zu meistern.
Ich glaube, wenn man Spaß hat an dem was man tut, kommt die Work-Life-Balance von selbst in ein gutes Gleichgewicht. Und der Tag hat ja zum Glück 24 Stunden.