Interview mit Dr. Markus Schöne (26.03.2018)

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Schlagworte: Interview
Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 06. Juni 2016|Aktualisiert am 05. Juni 2018

6 Fragen an Dr. med. Markus Schöne

Interviewreihe

 

Sie arbeiten aktiv in den Gremien der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. und des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e. V. oder vertreten die Urologie darüber hinaus auf nationaler und internationaler Ebene: Zahlreiche Urologinnen und Urologen engagieren sich ehrenamtlich für ihr Fachgebiet. Darunter ist auch Dr. Markus Schöne, niedergelassener Urologe in Speyer und frisch gewählter Vorsitzender des BvDU-Landesverbandes Rheinland-Pfalz.

1. Warum haben Sie sich für die Urologie entschieden?

Wie viele Kollegen bin ich über den Umweg Chirurgie in der Urologie gelandet. Ich hatte Freude am Operieren, in der Chirurgie war mir dabei aber zu wenig „drumherum“. Urologie beinhaltet neben dem operativen Spektrum viele weitere Facetten. Und damals wie heute finde ich vor allem die Menschen in der Urologie besonders.

2. Was hat Sie in die Verbands-/ Gremienarbeit für Ihr Fachgebiet geführt?

Es gibt eine ganze Reihe an Zwängen, Regulierungen und bürokratischer Notwendigkeiten in unserem komplexen Gesundheitssystem, die uns im Alltag nicht nur Freude bereiten. Davon hört man schon im Studium und lernt nach wenigen Wochen als Assistenzarzt, damit umzugehen, ähnlich wie mit einer Patientenkurve. Aber konfrontiert mit dem KV-System war ich erst einmal fassungslos. Mit Rationalität und logischem Denken sind die Kontrollmechanismen, Budgetierungen und der Regulierungswahn nicht zu verstehen. Sie führen zu einer Versorgungskultur, in der Quantität weit vor Qualität steht. Ich hatte in meiner bisherigen Laufbahn glücklicherweise immer Chefs und Wegbegleiter, die an dieser Stelle sehr kompromisslos das Wohl des Patienten an oberste Stelle gesetzt haben. Das ist auch meine Maxime. Dies führt allerdings zwangsläufig zu Kollisionen mit den beschriebenen Rahmenbedingungen. Und da bleiben doch nur zwei Optionen: Resignation und Anpassung oder etwas dagegen tun. Auch wenn mir sehr bewusst ist, dass der Hebel ein sehr kleiner ist, habe ich mich für diesen Weg entschieden – mit der Überzeugung, dass auch kleine Schritte voranführen.

3. Was sind die aktuellen inhaltlichen Schwerpunkte, an denen Sie dort mitarbeiten?

Im Moment geht es für mich ja erst los. Ich arbeite mich ein, habe die ersten Kennenlerntermine bei den regionalen Institutionen und den Kollegen aus den anderen Bundesländern hinter mir. Gemeinsam mit meinem Stellvertreter Axel Rhein haben wir zum Jahresanfang die wesentlichen Themen abgesteckt. Aktuell steht natürlich die ASV ganz oben auf der Agenda.

4. Welches sind die langfristigen Ziele Ihres berufspolitischen Engagements?

Ein wichtiges Anliegen ist für mich, den Zusammenhalt zwischen niedergelassenen und Klinikärzten zu festigen und die Kooperationen zwischen den Sektoren zu stärken. Ich habe mich erst vor etwas mehr als drei Jahren in einer Gemeinschaftspraxis niedergelassen, mittlerweile sind wir zu einem MVZ geworden. Die Bindung zu meiner „alten Klinik“, in der ich weiterhin noch als Konsiliararzt operativ tätig sein kann, ist sehr eng. Das Gesundheitssystem steht unter enormem Druck. Uns allen sollte klar sein, dass wir uns mittel- und langfristig massiv schaden, wenn wir versuchen, einen Verteilungskampf zwischen ambulantem und stationärem Sektor zu befeuern. Im Gegenteil, wir müssen an einem Strang ziehen. Wir sollten vereint und selbstbewusst unsere Leistungen nach außen darstellen und dabei selbstverständlich auch eine adäquate Honorierung einfordern – übrigens auch im Sinne unserer Patienten. Eine Weiterentwicklung der intersektoralen Kooperationen ist darüber hinaus auch vor dem Hintergrund des steigenden Anteils von weiblichen Kolleginnen und den veränderten Lebensgestaltungsabsichten der Generation Y von Bedeutung. Wir brauchen neue, flexiblere Organisationsstrukturen, die es ermöglichen, dass gute Ärztinnen und Ärzte auch in Rahmen flexibler Teilzeitmodelle erfolgreich arbeiten können.

5. Woher nehmen Sie die Kraft für Patienten und Ehrenamt?

Das eine hat doch viel mit dem anderen zu tun. Die Arbeit als Niedergelassener bringt viel Freude und Erfüllung, aber, wie schon beschrieben, gibt es auch Vieles, das mich ärgert und reguliert. Ich möchte die Veränderungen im Gesundheitssystem in den nächsten Jahren aktiv mitgestalten, und zwar so, dass ich auch in 20 Jahren noch jeden Tag gerne zur Arbeit gehe.

6. Was beschäftigt Sie, wenn Sie nicht in der Praxis/in der Klinik aktiv sind?


Vor allem meine Frau und Kinder, die dafür sorgen, dass genügend „urologiefreie“ Zeit übrig bleibt. Die verbringen wir dann am Liebsten in der Natur und mit Freunden.

Das Interview führten Bettina-Cathrin Wahlers und Sabine-Martina Glimm; Pressestelle des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e. V.