Autor: |Veröffentlicht am 31. Mai 2017|Aktualisiert am 31. Mai 2017

Aktionsbündnis Belegarzt Belegarztwesen - die idealtypische sektorenübergreifende Versorgungsform

Präambel

Knapper werdende Ressourcen im Gesundheitswesen zwingen alle Entscheidungsträger, besonders an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung nach Lösungswegen Ausschau zu halten.

Das Belegarztwesen wurde dabei von unterschiedlichen Seiten (BMG, KBV, BÄK und Politik) aufgrund seiner objektiven Vorteile wiederholt für unterstützungswürdig erachtet. Zeitgleich wurde aber versäumt, eine tatsächliche und nachhaltige Förderung des sektorenübergreifenden Versorgungssystems zu gewähren.

Warum ist das Belegarztsystem in den Windschatten geraten?

Ein Reigen unterschiedlicher Reformgesetze versuchte in den letzten Jahrzehnten, die Probleme einer bislang überwiegend sektoralen Patientenversorgung zu lösen. Keiner dieser Versuche wie die Einführung der integrierten Versorgung, der Deregulierung durch das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz oder jüngst der Einführung der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung hat aber die Situation nachhaltig entspannt. Gleichzeitig wurde das seit Jahrzehnten funktionierende, gesetzlich verankerte und rechtssichere, aber nicht mehr geförderte Belegarztsystem zurückgedrängt.

Das Belegarztsystem nutzt allen!

Spätestens seit der Einführung des §299 StGB und der damit verbundenen Rechtsunsicherheit im Honorar- und Konsiliararztwesen zeigen sich die Vorzüge und die Überlegenheit des Belegarztwesens. Eine Umkehr und Hinwendung zu diesem sektorenübergreifenden Versorgungssystem kann allen Betroffenen im Gesundheitssystem Nutzen bringen:

  • Für Patienten: der frei gewählte Arzt behandelt in Praxis und Krankenhaus, Facharztstatus (der Chefarzt macht tägliche Visite), weniger Doppeluntersuchungen, bessere Kommunikation zwischen Praxis und Klinik.

  • Für Kostenträger: klarer Kostenvorteil gegenüber der Behandlung in Krankenhäusern mit Hauptabteilung. Transparenz des Zulassungsprozesses, persönliche, qualitätsgesicherte Leistungserbringung durch den Belegarzt.

  • Für Spezialisten: Arbeitszufriedenheit durch Einsatz des gesamten Spektrums des Faches, Voraussetzungen für die Onkologievereinbarung und/oder ASV können erfüllt werden.

  • Für die Weiterbildung: Die intersektorale Patientenversorgung gewährleistet einen optimalen Einblick in den Versorgungsalltag der deutschen Medizin und leistet damit einen wichtigen Beitrag bei der Ausbildung angehender Fachärzte.

  • Für Hausärzte: durchgehende Betreuung von multimorbiden Patienten in temporären Pflegeeinrichtungen, Sicherung der wohnortnahen Grundversorgung.

  • Für Krankenhäuser: Einbeziehung „kleiner“ Spezialistenfächer in die stationäre Flächenversorgung.

  • Für Gebietskörperschaften: Stabilisierung einer sinnvollen flächendeckenden Krankenversorgung durch bedarfsgerechten, effizienten Betrieb kleinerer, sonst unwirtschaftlicher Krankenhäuser.

Was muss geschehen?

Ein reformiertes sektorenübergreifendes Belegarztsystem kann und sollte einen größeren Anteil an der sektorenübergreifenden Versorgung bekommen. Dazu sind gesetzliche und untergesetzliche Vorgaben anzupassen. Deshalb ist vornehmlich die Politik gefordert, die negative Entwicklung bei den bettenführenden Facharztpraxen umzukehren. Der Bundesverband der Belegärzte möchte mit Krankenkassen, der KV, der DKG und der Politik Voraussetzungen schaffen, unter denen dieses schnittstellenübergreifende und patientenfreundliche Versorgungssystem nachhaltig stabilisiert werden kann. Dazu müssen folgende Punkte diskutiert und umgesetzt werden:

  • Einführung des Verbotsvorbehalts für belegärztliche Leistungen
  • einheitlicher OPS-Katalog für Haupt- und Belegabteilungen
  • Erleichterung bei der Umwandlung von Haupt- in Belegabteilungen 
  • Überprüfung der belegärztlichen DRGs 
  • extrabudgetäre Vergütung aller belegärztlichen Leistungen 
  • Morbiditätszuschlag 
  • Berücksichtigung der belegärztlichen Overheadkosten 
  • Vergütung des belegärztlichen Bereitschaftsdienstes 
  • Berücksichtigung des fachabhängigen Versicherungsschutzes 
  • angemessene Bewertung der fachärztlichen Rufbereitschaft.

Es ist an der Zeit, die Chancen, die das Belegarztsystem bietet, zu nutzen und dem weltweit verbreiteten und bewährten System den ihm angemessenen Anteil an der stationären und ambulanten Versorgung zuzumessen.

Zeit für eine Renaissance