Autor: Karin Jahnke|Veröffentlicht am 24. September 2008|Aktualisiert am 06. April 2017

Erfahrungsbericht einer OP-Schwester

Blick über den eigenen Tellerrand

35 Jahre lang übt die OP-Schwester schon ihren Beruf aus, wie sie sagt "immer noch mit Leidenschaft". Zurzeit arbeitet sie in einem Krankenhaus der Grundversorgung und nutzt jede sich ihr bietende Gelegenheit, sich in anderen Kliniken im OP "umzuschauen". Obwohl sie in einem kleineren Krankenhaus arbeitet, gelten dort die gleichen Auflagen für Hygiene, Sicherheit und Qualitätsstandards wie in größeren Häusern.

Kürzlich hospitierte sie in einer Klinik mit einem zirka 36köpfigen Operationsteam, zehn Operationssälen mit den Abteilungen Urologie, Chirurgie, Gynäkologie. "Die Urologie ist mein Lieblingsfachgebiet, daher habe ich die Zeit dort genutzt", sagt sie und weist darauf hin, dass in einer so großen Klinik die Kollegen froh sind, wenn sie den OP-Plan abgearbeitet haben. "Man hat mir gern alle Fragen beantwortet", sagt sie, und betont: "Ich kann verstehen, dass dort noch weniger Zeit bleibt, vor allem im Blick auf die unterschiedlichen OP-Standards bei den verschiedenen Fachrichtungen". Zu Recht erwarte der Operateur einen reibungslosen Ablauf. "Aber wie", so fragt sie, "wenn die jungen OP-Schwestern, denen es noch an Erfahrung fehlt, ständig von einer Fachrichtung in die andere wechseln müssen?"

Große Probleme gibt es nach Ansicht der OP-Schwester auch mit der ZSVA (Zentrale Sterilisations- und Versorgungsabteilung). Oft fehlen Instrumente auf den Sieben, falsch zusammengesetzte MIC-Instrumente oder nicht dem eigentlichen Sieb zugeordnet, auch falsche Beschriftungen kommen vor. Hier sieht die OP-Schwester das Problem auf Kommunikationsebene. "Der OP gibt seine benutzten Instrumente in die ZSVA und erwartet sie korrekt zurück, jeder in seinem Aufgabengebiet", sagt sie und fügt hinzu, dass so mancher Akademiker der Meinung ist, dass "jede Hausfrau" in der ZSVA schnell eingearbeitet sei. Die Bedeutung dieser verantwortungsvollen Tätigkeit wird ihrer Meinung nach oftmals unterschätzt.

"Ich konnte so manches in Gedanken mitnehmen, vergleichen und meinen Kollegen berichten", stellt sie nach einem ereignisreichen Tag in einem großen OP fest, und fügt abschließend hinzu: "Besonders wichtig ist zu wissen, dass ich mich jederzeit mit den OP-Schwestern fachlich austauschen kann".