Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

US-Studie zu lokal begrenztem Prostatakrebs: Behandlungsstrategie Active Surveillance zeigt Erfolg

14.07.2015. Wer die Diagnose Prostatakrebs erhält, muss sich heute nicht mehr unvermeidlich einer Prostatektomie oder Radiotherapie unterziehen. Für Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom gilt die Behandlungsstrategie der Active Surveillance (AS) als gleichwertige Behandlungsoption. Dabei wird auf eine sofortige kurative Therapie verzichtet. Stattdessen wird der Patient aktiv beobachtet; eine Therapie beginnt erst, wenn der Krebs fortschreitet.

Foto: © mangostock

Eine US-Studie zeigt jetzt: Im Überwachungszeitraum von zehn Jahren ist 62 Prozent der Probanden eine Krebstherapie erspart geblieben. Ziel der Kohortenstudie von Dr. Mark Preston und seinen Kollegen aus Boston war herauszufinden, bei wie vielen Patienten eine Therapie während Active Surveillance eingeleitet werden muss. Ausgewertet wurden die Untersuchungsdaten von insgesamt 469 Männern, bei denen zwischen 1997 und 2009 ein lokalisiertes Prostatakarzinom diagnostiziert worden war und die sich für die aktive Überwachung entschieden hatten. Die Teilnehmer waren zum Zeitpunkt der Diagnose im Schnitt 68 Jahre alt. Bei 94 Prozent war der PSA Wert zum Zeitpunkt der Diagnose kleiner als 10 ng/ml, der durchschnittliche Wert lag bei 5,1 ng/ml. 98,2 Prozent der Probanden erreichten einen Gleason-Score unter 6. Einen Tumor der Bezeichnung T1c hatten 94 Prozent, sechs Prozent T2a.  

Die Studienteilnehmer wurden im Schnitt 4,8 Jahre beobachtet. Nach fünf Jahren waren 77 Prozent ohne Behandlung, nach zehn Jahren waren es immerhin noch 62 Prozent. 65,7 Prozent haben nach durchschnittlich 1,94 Jahren mindestens eine weitere Biopsie machen lassen. Folgende Gründe führten zu einem Abbruch der AS: 45 Prozent erfuhren eine schlechtere Turmor-Klassifikation bei der Kontrolle, 30 Prozent einen Anstieg des PSA Wertes, bei fünf Prozent zeigte sich eine Progression bei einer digital-rektalen Untersuchung,  vier Prozent hatten Metastasen gebildet. Bei 12 Prozent wurde allein auf Wunsch des Patienten mit einer Therapie begonnen.  

Auf den Abbruch folgten verschiedene Therapiemethoden: 50 Prozent der Patienten wurden bestrahlt, 22 Prozent unterzogen sich einer radikalen Prostatektomie, 15 Prozent hatten eine Brachytherapie und 12 Prozent wählten die medikamentöse antiandrogene Therapie. Wichtig: Kein Studienteilnehmer starb während der Überwachung an seinem Prostata-Tumor. 99 Prozent hatten nach fünf Jahren keine Metastasierung, 97 Prozent zeigten noch nach zehn Jahren keine Ausbreitung des Tumorgewebes.  

Für die Mediziner sind die Ergebnisse eindeutig: Die meisten Männer mit einem Low-Risk-Prostatakarzinom können mit der Behandlungsstrategie Active Surveillance auf eine Krebstherapie verzichten. Wichtig für eine gelungene und vor allem sichere aktive Überwachung ist jedoch die Kontrollbiopsie. Durch die erneute Entnahme und Untersuchung einer Gewebeprobe kann festgestellt werden, ob sich der Tumor verändert hat. Wird dabei ein höherer Gleason-Score oder auch Tumorwachstum ermittelt, wird vonseiten des Arztes eine kurative Therapie eingeleitet, damit der Patient eine seinem Krankheitsstadium entsprechende Behandlungsmethode erhält.

Text: DGU/BDU-Pressestelle

 


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